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Schattenseiten eines Sommers

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Miles Davis hat es 1990 in seiner Autobiographie (Miles. The autobiography) auf den Punkt gebracht: „Die Zukunft gehört dem Afrobeat“. Tatsächlich lässt die Begeisterung für den Musikstil seit den späten 60er Jahren nicht mehr nach. Das Zusammenspiel von amerikanischen Funkrhythmen und afrikanischen Perkussions- und Gesangstraditionen ist eingängig. Die Musik hat sich durchgesetzt.

Ihrem Begründer, Fela Kuti, hat das nicht nur Glück gebracht. Seine politischen Texte haben dem Afrobeat unter anderem auch in Amerika zwar zu Erfolg verholfen. Allerdings mit Folgen für Kuti: Angriffe von Seiten der Regierung in seinem Heimatland Nigeria. Repressionen, körperliche Gewalt an ihm und seiner Familie und Haftstrafen.

Heute wird der Afrobeat beispielsweise von Tony Allen, dem Schlagzeuger Fela Kutis ehemaliger Band, in die Gegenwart überführt. Auch die Hamburger „Sam Ragga Band“ steht unter ihrem Einfluss.

Lebensbejahender Beat

In Thomas McCarthys Film Ein Sommer in New York – The Visitor fördert die Magie des Afrobeats den Zusammenhalt zwischen den Kulturen und hilft für einen Moment über die verschärften Einwanderungsgesetze der USA hinweg. Die völkerverbindende Wirkung und lebensbejahende Kraft des Beats manifestiert sich am Leben von Professor Walter Jale gespielt von Richard Jenkins.

2010.01.21_visitor_pic2Zu Beginn des Films hat der Witwer nichts mehr, was ihm wirklich Freude bereitet: das Klavierspielen möchte er nur in Gedenken an seine verstorbene Frau erlernen, seine Lehrtätigkeit an der Universität befriedigt ihn nicht. Als er für einen Kongress von Connecticut nach New York muss und in sein altes Apartment kommt, findet er dort die illegalen Einwanderer Tarek (Haaz Sleimann) und Zainab (Danai Gurira), die ohne sein Wissen von einem angeblichen Freund bei ihm einquartiert wurden.

Er lässt die beiden nach längerem Zögern bei sich wohnen und beginnt von Tarek das Trommeln zu lernen. Nach einer gemeinsamen Session im Park wird Tarek in der U-Bahn festgenommen und in ein Auslieferungslager gebracht. Zusammen mit Tareks Mutter Mouna (Hiam Abbbass) versucht Walter Tarek vor der Abschiebung zu bewahren.

Nach seinem ersten Film Station Agent hält Thomas McCarthy erneut mit leisen Tönen und ruhigen Bildern ein starkes Plädoyer für Toleranz. Mit der Hauptrolle besetzt er Richard Jenkins – ohne Zweifel eine der Stärken des Films. Unter anderem bekannt aus Burn after reading gelingt dem Schauspieler mit seiner ersten Hauptrolle sein bisher größter Erfolg: die Oscar-Nominierung.

Der Zuschauer beobachtet die langsame Entwicklung des anfangs geradezu lethargischen, melancholischen Walters, der nach und nach mit Hilfe der Musik aufblüht und Emotionen zulässt.

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Trommeln mit Tarek

Das Trommeln mit Tarek hilft Walter, wieder nach Vorne zu blicken. Die Musik gibt ihm ein zu Hause – kein Wunder, dass Tarek ihn schon sehr früh mit den Worten „Willkommen daheim“ begrüßt. Der einzigartige Rhythmus und die treibende Wirkung des Beats gehen sofort in den Körper über und führen Walter zu seinem eigenen Herzen.

Der Film besticht ebenfalls in seinem schonungslosen Blick auf die Einwanderungspolitik der USA und die Hilflosigkeit des Einzelnen. Obwohl Walter erst durch Tarek und seine Musik wieder das Leben lieben lernt, kann er nichts tun, um seinem Freund zu helfen. Die persönlichen Wünsche scheitern an den Gesetzen des Staates.

Diese Verzweiflung in Kombination mit der emotionalen Beatmusik lassen aus dem anfangs fast komödiantisch anmutenden Film ein bedrückendes Drama werden. Und man kann Tarek sehr gut verstehen, wenn er sagt: „Ich möchte doch einfach nur mein Leben leben und Musik machen.“ Ähnlich muss auch Miles Davis oft gedacht haben, wenn er in seinem Alltag in Amerika immer wieder mit Rassismus konfrontiert wurde.

Text: Charlotte Schnitzspahn

Fela Kuti

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