”Ich hör’ mich überhaupt nicht”, ist wohl einer der meist geäußerten Sätze in deutschen Proberäumen. Er kommt direkt nach “lass’ mal eine rauchen gehen” und “es ist einfach viel zu laut hier”. Doch woran liegt das? Ist der Sänger taub oder der Bassist einfach komplett wahnsinnig? Eine Band lebt schließlich von der Ausgewogenheit ihres Sounds. Nichts ist schlimmer als wenn Sänger X sich die Seele aus dem Leib singt, man aber genau nichts davon hört, weil er gegen ein Klanginferno aus matschenden Gitarren, wummernden Bässen und einer brachialen Snare ankämpfen muss. Da verlieren nicht nur Vocalisten schnell die Lust und spätestens wenn sich der konstant pfeifende Mann im Ohr bemerkbar macht, widmet man sich lieber wieder leiseren Tätigkeiten. Abhilfe schaffen Ohrstöpsel, die es bereits zu günstigen Preisen in jedem Musikgeschäft gibt. Sie reduzieren die Gesamtlautstärke und machen das Leben im Kilowatt-Bereich erheblich angenehmer. Das bringt aber nichts, wenn der Sound an sich Scheiße ist und ständig die eingangs erwähnten Sätze durch den Raum schwirren.
Oft liegt es nämlich nicht an den jeweiligen Soundeinstellungen oder der Gesamtlautstärke. Viele vergessen den zwölften Mann im Proberaum. Den Raum selbst! Jeder, der schon mal ein Schlagzeug in der Kirche gehört hat weiß: Das geht überhaupt nicht. Sobald der Schlagzeuger die Snare auch nur streift, klingt es, als wäre die Kirche gerade von einem Sondereinsatzkommando gestürmt worden. Das ist natürlich ein etwas übertriebenes Szenario, aber ähnlich wie eine Kirche, bietet der durchschnittliche Proberaum nun mal keine optimalen akustischen Bedingungen für eine Rockband. Omas Keller, Opas Keller, die einsturzgefährdete Kammer neben der Schulcaféteria: Hier KANN gar nichts gut klingen.
Die Firma Trikustik gibt eine kurze Einführung in das Thema “Raumakustik”
Es sei denn man versucht das Beste aus den örtlichen Gegebenheiten herauszuholen. Zeit für den Mythos des Eierkartons. Angeblich soll das Dekorieren der Wände mit eben solchen Kartons, eine erhebliche Klangverbesserung bewirken. Okay, man hört den Unterschied. Der ist aber allenfalls schulband-tauglich. Wer finanziell liquide ist, greift auch gerne mal zu den teuren Schallkillern, die von diversen Musikalienhändlern feil geboten werden. Die bringen schon erheblich mehr und sind speziell auf den Gebrauch in Proberaum und Studio ausgelegt. Sie absorbieren den Schall und sorgen dafür, dass nicht zu viel davon nach außen dringt. Schall hat nämlich die Angewohnheit durch Luftritzen und Türen nach außen zu dringen und die Oma beim Stricken zu stören.
Deshalb ist es wichtig, dass der Raum möglichst dicht ist und nicht zuviel Schall nach außen entfleucht. Das ist leichter gesagt als getan, denn einen gewöhnlichen Raum wirklich schalldicht zu kriegen ist so gut wie unmöglich. Raum-in-Raum-Konstruktionen sind für die Durchschnittsband viel zu teuer. Rigips-Verkleidungen erfüllen einen ähnlichen Zweck, aber auch hier steht man vor der Aufwands- und Kostenfrage. Hier gilt es aber grundsätzlich zwischen RaumDÄMMUNG und RaumDÄMPFUNG zu unterscheiden. Die eben genannten Methoden dienen nämlich in erster Linie der Schalldämmung, haben aber kaum Einfluss auf den Klang im Proberaum.
Es ist ja nicht damit getan, dass draußen niemand hört, wie schlecht der Sound drinnen ist. Eine sinnvolle und vor allem kostengünstige Maßnahme für die Schalldämpfung im Proberaum ist es, die Wände mit möglichst dickem Stoff abzuhängen. Dicker Stoff ist nämlich auch in der Lage die besonders penetranten tiefen Frequenzen zu zähmen, während dünne Vorhänge lediglich hohe Frequenzen abfangen. Man sollte es jedoch nicht zu sehr übertreiben, denn ein Raum absolut tot ist, bringt auch nicht die für eine Probe optimalen Klangergebnisse. Mit der Maßnahme ”Wände abhängen” kann man also zumindest dem Problem des störenden Nachhallens kostengünstig vorbeugen.
Einfache Klangverbesserung mit 0 Euro: Das Delamar-Magazin zeigt wie es geht.
Auch das garantiert aber noch nicht, dass sich jeder Akteur gut und vernehmbar hört und der Sound differenziert ist. Man könnte beispielsweise darüber nachdenken, ähnlich wie in einer Live-Situation, mit Monitoren zu arbeiten. So müssen die Amps nicht bis zur Schmerzgrenze aufgerissen werden und jeder hat die Möglichkeit seinen persönlichen Monitorsound einzustellen. Allerdings macht es auch keinen Spaß vor jeder Probe erst mal einen Soundcheck durchzuführen, geschweige denn, das Monitore inklusive Mischpult wieder eine kostspielige Anschaffung sind, wenn es gut klingen soll.
Zur Erzielung eines besseren Klangergebnisses reicht es aber oft schon, die Aufteilung der Instrumentalisten im Raum zu ändern. Ein Schlagzeug im Rücken des Sängers sieht zwar gut aus, bringt aber den Nachteil mit sich, dass er in die Lage versetzt wird, ständig gegen die Übermacht des Schlagzeugs ankämpfen zu müssen. Zudem übersprechen die Gesangsmikros zusätzlich mit dem Schlagzeugsignal. Um diesem Problem vorzubeugen, müsste der Schlagzeuger in Studiotradition eigentlich in einem komplett separaten Raum sitzen. Das ist aber erstens fast nie möglich und zweitens ziemlich unkollegial.
Also gilt es den Schlagzeuger möglichst weit weg von jeglichen Sängern und Mikrofonen zu manövrieren. Dass dadurch der Druck verloren geht, ist im Normalfall nicht zu befürchten. Den vier- bis fünfsaitigen Tieftöner in der Mitte des Raumes zu platzieren ist ebenfalls keine gute Idee. Bass-Frequenzen verteilen sich nämlich keilförmig und fräsen alles weg, was nur ansatzweise nach Gitarre oder Gesang klingt. So leit es mir tut: In die Ecke mit dem Basser. Da kann er nach Herzenslust föhnen, lässt aber auch den anderen Instrumenten genügend Freiraum.
Nun zu meinem persönlichen Lieblingsthema: Die Gitarrenfront. Das Problem beginnt bereits im Kopf: Zakk Wylde und die “Wall of Doom”. Ein riesiger Typ vor einer riesigen Boxenwand, die einfach nur absolut geil klingt und auch noch den “He-Man-Effekt” begünstigt. Beim Durchschnittsmenschen in Omas Keller funktioniert das leider nicht so einfach. Meistens erntet man mit derartigen Aktionen nämlich nur böse Blicke von der Gesangsfront. Die hören sich nämlich nicht mehr vor lauter He-Man. Und gerade das Konzept “Vierzwölfer hinter dem Gitarristen auf dem Boden im 20 Quadratmeter-Proberaum” bringt überhaupt nichts. Man föhnt sich nämlich nur die Beine weg und kriegt von dem eigentlichen Sound überhaupt nichts mit. Aus diesem Grund muss man sich lauter und lauter drehen bis auch der letzte Musiker mit einem Tinitus nach Hause geht.
In einem Fachblatt habe ich gelesen, dass es viel besser ist, die “Wall of Doom” auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes zu platzieren, sodass man sich sein Baby einerseits anschauen kann und anderseits auch noch genug Ton abkriegt. Der entfaltet sich bei einer Vierzwölfer-Box nämlich erst nach mehreren Metern. So kann man auch die Lautstärke erheblich nach unten fahren und die Gefahr des Klangbreis verringert sich. Natürlich ist das alles immer einfach gesagt und aus Bequemlichkeitsgründen bleibt man oft doch lieber beim alten Konzept. Im Endeffekt ist guter Sound immer noch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber es lohnt sich, verschiedene Sachen einfach mal auszuprobieren. Vielleicht ist der Effekt ja besser als gedacht.

Kommentiere diesen Artikel













