Peter Coura ist ein Macher. Das heißt: Er macht einfach mal. Der 63-Jährige stürzt sich gerne unbekümmert ins Abenteuer. Das muss kein Nachteil sein. Coura ist einer der bekanntesten Gitarrenbauer der Welt. Und nicht nur der westlichen. Coura kreiert seine Instrumente schließlich in Kenia.
2006 hat der Gitarrenbauer den Schwarzen Kontinent für sich entdeckt. Auf einer Party „bei Bänkern“ in Frankfurt ist ihm das afrikanische Mobiliar aufgefallen. „Das war alles super verarbeitet, da hat nix gewackelt.“ Überdies habe er sechs Stunden gesessen und „nichts hat gedrückt“.
Coura begann zu träumen: „Mein Gott, dieses Material und diese Handwerkskunst bräuchte man.“ Kurz darauf saß er im Flieger nach Nairobi. Und das, obwohl Coura Kinderlähmung hatte und sich deswegen nicht impfen lassen kann. Aber Begeisterung über Holz und Handwerk verdrängte die Angst vor der Malaria.
Wandernde Werkstatt
Die Liebe zum Holz ist Coura in die Wiege gelegt worden. Der Vater – ein Schreiner – hat das Kinderbett selbst gefertigt. Und den Familiensitz, ein Holzhaus im Westerwälder 300-Seelen-Ort Waidenhain. Das Gebäude begleitet die Couras schon lange – im wahrsten Sinne des Wortes.
„Das Haus ist dreimal umgezogen“, erzählt Coura. Die Duisburger Arbeitsdienstbaracke ist bei einer Revolte von Zwangsarbeitern abgebrannt. Coura Senior hat die Flammen gelöscht und die nicht verkohlten Teile an anderer Stelle wieder aufgebaut. „Meine Familie war ja ausgebombt.“ Irgendwann ist die Sippe dann samt Haus in den Westerwald gezogen.
Dort diente das Gebäude dem Senior als Werkstatt, später baute Couras Bruder dort Geigen und Gitarren. Danach ist es Couras Wochenendwerkstatt gewesen, bevor er diese schließlich nach Frankfurt verlegte und das Holzhaus wieder in ein Wohnhaus verwandelte. Weil er mit seiner Frau in Frankfurt keinen erschwinglichen Wohnraum mehr fand. „Wir mögen das alte Ding“, sagt er. Auch wenn es „ächzt und knackst“ und er ständig gegen das Efeu kämpfen müsse.
Viel Herzblut investiert
Couras Werdegang ist ebenfalls verschlungen. Lehrer wollte er werden. Nach drei Semestern in Gießen hat er das Studium aber geschmissen, um „mit allen möglichen Musikern durch die Weltgeschichte“ zu reisen. In Frankfurt belebte er in den späten 60ern die Musiklandschaft mit russischer Musik – etwa mit Ivan Rebroff. „Keine rühmliche Episode“, findet Coura. Sein Herz gehört dem Blues und dem Jazz.
Seine Hände ebenfalls. Nicht nur, weil sie auf den Saiten improvisieren. Meist ist das ganze Instrument improvisiert. Das erste, ein Banjo, hat er „vom Müll“. Als er 1965 mit Wanderklampfe in einer Band spielte, ist er an Grenzen gestoßen. Eine elektrisch verstärkte Gitarre musste her.
Sein Bruder stiftete den Hals. Für den Korpus besorgte er sich ein Stück Mahagoni. „Ich habe alles weggeschnitten, was nicht nach Peter Greens Gitarre aussah.“ Die Tonabnehmer hat Coura „mit Herzblut bezahlt“. Gleich zwei Blutspende-Ausweise hatte er sich dafür besorgt.
Kurz vor dem Duchbruch abgedreht
Der Einsatz hat sich gelohnt. Nach einem Konzert in Sachsenhausen kaufte ihm ein Zuhörer den Eigenbau für 1000 Mark ab. Coura baute eine zweite Gitarre. „Die klang aber nicht gut.“ Trotzdem: Auch der Neubau wechselte für 1000 Mark den Besitzer.
Aus Bastelei ist ein Beruf geworden. Auch weil die Musikkarriere stagnierte. „Wir standen kurz vor dem Durchbruch. Eineinhalb Jahre später standen wir immer noch da.“ Zudem platzte das Studium endgültig. Die Uni Frankfurt hat die Gießener Scheine nicht anerkannt.
Mit Volker Kriegel zusammen eröffnete er im Westend einen Gitarrenladen. Dort logiert er noch heute – im Souterrain einer imposanten Villa, die eher nach Unternehmensberatern und Rechtsanwälten aussieht als nach Gitarrenwerkstatt mit Musikschule.
Nicht auf die Gutmenschenschiene
Johnny Tame, der Sänger aus Couras Band, hat es dann doch noch geschafft. Nur wenige Tage nach dem er die Gruppe auflöste, lief er dem jungen Peter Maffay über den Weg. Zusammen nahmen sie mehrere Platten auf. Coura grämt das nicht: Heute spielt Ken Taylor – Bassist in der Maffay-Band – auf Couras Instrumenten.
Taylor ist nicht der einzige, der den Klang von Couras handgemachten afrikanischen Gitarren schätzt. „Ich möchte nicht auf diese Gutmenschenschiene“, sagt Coura. Es gehe nicht darum, „den armen Afrikanern eine Gitarre abzukaufen.“ Sondern: „Wir wollen ein Produkt schaffen, dass sich auf dem Weltmarkt durchsetzen kann.“
Klanglich können Couras Stücke das durchaus. Kritiker loben vor allem die einzigartige Kombination von Durchsichtigkeit, Klarheit und Wärme des Tons. Im Vergleich zu anderen Topgitarren seien Couras der staubige Landrover neben dem funkelnden 7er BMW.
An den Äußerlichkeiten müsse sein Team in Nairobi noch arbeiten, findet der Meister selbst. „Etwa beim Lack.“ Der Nachteil sei eben, dass Männer die Welt der E-Gitarren noch immer dominierten. Denn: „Kluge Frauen haben es schwerer als hübsche. Weil Männer besser kucken können als zuhören.“
Kai Eckhardt spielt Coura
Making it better – Johnny Tame und Peter Maffay

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ein sehr informativer artikel. macht appetit, sich solche instrumente mal anzusehen – aus afrikanischem material.. auch ich kenne und mag diese hölzer -vornehmlich als skulpturen- und bin begeistert von ihren konsistenzen und maserungen.
ich wusste gar nicht, dass johnny tame mit dir gespielt hat, peter.
ich hatte später auch das vergnügen und habe einige demos für ihn eingespielt…. in den 70ern.
so long, gruß,
matthias