Wer gestern Abend die Glotze eingeschaltet hat, der wurde im wahrsten Sinne des Wortes zugeschissen. Mit TV-Trash der ersten Kajüte. Auf Pro7 trieb Heidi “alswie” Klum minderjährige Mädchen über den Catwalk und der Zuschauer durfte sich darüber erregen, dass die von der Produktionsfirma ausgesuchten Kleidchen so kurz waren, dass die Schlüpper hervorblitzten. Damit aber noch nicht genug: Bei Johannes Babtist Kerner sitzt der DFB-Schiedsrichter Manfred Amerell, der wenigstens einräumt: ”Es tut mir leid, dass ich diesen ganzen Mist an die Öffentlichkeit tragen muss.” Dann einigt er sich nach kurzem Hin und Her mit Kerner darauf, dass man auch als Familenvater nicht unbedingt Hetero sein muss – und auf das Wort “Bisexuell”. “Könnte man so ausdrücken”, meint der Schiri.

Rhianna performt beim Echo
Aber um all das soll soll es hier gar nicht gehen. Sondern um ein weiters Drama, eine Schattenstunde der deutschen TV-Unterhaltung: um die Echo-Verleihung bei der ARD. Die Deutsche Phono-Akademie hat auf den lila Teppich geladen und mal wieder mehr oder minder wichtige Preise verliehen. Robbie Williams zum Beispiel gewann seinen siebten Echo als bester internationaler Rock/Pop-Künstler. Das allein ist ja kein Drama, allerdings hat Williams ja in Großbritannien alle Konzerte abgesagt, weil ihn da keiner mehr hören will. Bleibt noch der deutsche Markt und die Fans können sich auf stärkere Präsenz von Robbie freuen. Überreicht wurde der Preis von Starredner Oli Kahn, der sich wirklich Mühe gegeben hat, das unfallfrei über die Bühne zu bringen. Allerdings: Kahn bleibt Kahn und sollte lieber beim Fußball bleiben. Reden ist nicht sein Ding und wird es nie werden. Außerdem hat Oliver Kahn ausdrücklich nichts mit Manfred Amerell zu tun. Trotzdem so zog sich das Geseier über karrieristische Superlative, Menschlichkeit im Angesicht des Starruhms und die geteilte Leidenschaft für Fußball scheinbar ins Unendliche.
Getoppt wurde dieser Unsinn nur von Oliver Pocher, bei dem man sich fragt, was der Mann überhaupt noch vor einer Kamera verloren hat. Wie immer war er sich nicht zu schade, über andere Künstler herzuziehen, zum Beispiel über die Leibesfülle von Beth Ditto, die kurz davor noch mit The Gossip über die Bühne gefegt ist. (wen das interessiert, kann sich den Rip bei youtube anschauen). Pocher war als Laudator zur Präsentation des besten Musikvideos geladen, den Preis nahm ausgerechnet Sido mit nach Hause. Das hat schon eine gewisse Brisanz, denn derzeit läuft ja noch eine Beleidigungsklage von Sandy Mayer-Wölden gegen den Berliner Rapper. Eigentlich hatten wir ja gehofft, dass Sido dem TV-Clown erst mal eine einschenkt, aber das ist leider nur verbal geschehen. Denn Sido betonte, dass er nicht gerade erfreut darüber sei, den Preis ausgerechnet von Pocher überreicht zu bekommen. Okay, Sido ist jetzt vielleicht auch nicht unbedingt der intellektuell wertvollste Künstler der Republik, aber sein Auftritt hatte dann doch eine gewisse Klasse: Erst mal verkündete er, dass nicht er, sondern Peter Fox den Preis hätte bekommen sollen, dann präsentierte er allen Anwesenden im Saal sein Mitbringsel – seinen erhobenen Mittelfinger – und verschwand von der Bühne. Zu sehen hier:
Nicht minder denkwürdig war auch der Auftritt von Udo Lindenberg als Laudator für den besten Hiphopper. Udo schwafelte und schwafelte und der Zuschauer konnte sich einfach nicht sicher sein, ob Udo nicht vielleicht zu viel Eierlikör genascht oder sich einfach richtig schlecht vorbereitet hat. Dass den Preis dann ausgerechnet sein Kumpel Jan Delay absahnte, war nach dem Erscheinen von Udo auf der Bühne schon keine Überraschung mehr. Dass er für sein Album “Wir Kinder vom Bahnhof Soul” mit dem Kritikerpreis geehrt wurde, dagegen schon. Allerdings eine angenehme Überraschung. Angesichts der Tatsache, dass Lady Gaga gleich drei Echos verliehen wurden (bester Newcomer, beste internationale Künstlerin Rock/Pop und mit “Poker Face” für den Hit des Jahres). Schön hingegen, dass Depeche Mode den Echo für die beste internationale Band abgeräumt haben:
Tja, liebe Gemeinde, dann war da noch die Moderation. Geleitet von der wohl seltsamsten Zweckehe aller Zeiten: Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich, die auch zusammen “Unser Star für Oslo” moderieren. Opdenhövel, Lohnsklave bei Pro7 und Hakenhandpolierer von Stefan Raab, wie immer absoluter Profi. Souverän, unterhaltsam und charmant. Sabine Heinrich wie bisher immer das absolute Gegenteil und nicht mal ein blasser Schatten ihres Moderationspartners.
Ein echter Lichtblick in der Sendung war dann der Comeback-Auftritt von Sade, auch Rhianna und Jan Delay sorgten für ehrfürchtige Momente im Saal. Hoffentlich wird die Übertragung von “Unser Star für Oslo” auf der ARD heute Abend besser. Die Moderatioren kennen wir ja bereits…

Musikerszene auf Kuschelkurs

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Cooles Foto…
und über Peter Maffay kann man geteilter Meinung sein, aber sein “Du” sollte er wirklich nicht mehr auf einer Bühne präsentieren. Und seine 7 Brücken sollte er auch nicht so feieren, ohne sich bei Karat zu bedanken, die das Lied meines Wissens geschrieben haben.
Insgesamt finde ich aber gut, daß er den Preis für sein Lebenswerk schon bekommen hat. Jetzt kann er aufhören, den weltbekannten Über-Rocker zu spielen. Rudi Carell ist ja auch kurz nach so einer Auszeichnung gestorben…
@Lü: Oh oh…
… put out my black humour today … sorry, wenns Peter “Mein Frreund” Maffay erwischt hat
auf dem Foto mit dem Hut, daß ist doch ein verkleideter Helge Schneider, der da mit der Tussi tanzt, oder?
Es war echt unsäglich. Newcomer Echo an The Baseballs, eieiei. Und dann noch
der Matthäus mit seiner Liliana beim Kerner, auch ein Juwel der Zeitgeschichte.
Die E-Mails die ich bekam, bekam ich zu recht
Deswegen zeige ich mal, daß ich wenigstens ein Ei in der Hose habe :
@ Peter Maffy: Sorry, war nicht so gemeint, aber meine Schnauze ist so gewachsen
Aber das zu den Liedern nehme ich nicht zurück