Prince ist ja ein Kapitel für sich. Unvergessen ist die Eskapade, als er im Streit mit der Plattenfirma seinen Namen ablegte. Fortan veröffentlichte The Artist Former Known As Prince Musik unter der Abkürzung TAFKAP, oder noch besser: Symbol.
Seinen Namen hat er längst zurück, nun kommt er aber mit einer neuen Volte um die Ecke: Das neue Album „20Ten“ können Fans nicht regulär im Laden kaufen. Dafür aber am Zeitungskiosk. Es liegt der neuen Ausgabe des Musikmagazins Rolling Stone bei. Das meldet die Presseagentur dpa. Ganz schön clever. Der Rolling Stone liegt bei einer Auflage von rund 64 000 Exemplaren im Monat. Also haben bald 64 000 Leute die neue Platte des Symbolikers zu Hause liegen.
Der Artist reibt sich dabei die Hände. Kosten für Promotion und Vertrieb hat er damit gespart. Blogs (zum Beispiel rockt.tv) und die Mund-zu-Mund-Propaganda erledigen den Rest der Werbung: Achtung Achtung. Die neue Prince gibt’s nur in der neuen Rolling Stone. In der August-Ausgabe, die am Donnerstag, 22. Juli erscheint.
Protest gegen die Plattenindustrie
Es ist nicht das erste Mal, dass Prince einen ungewöhnlichen Weg wählt, seine Musik unter die Leute zu bringen. 2007 hatte er seine Platte „Planet Earth“ der britischen Mail on Sunday beigelegt, die für umgerechnet rund zwei Euro am Kiosk zu haben ist. Erst danach kam das Album in den regulären Handel. Der Rolling Stone kostet im Normalfall 5,50 Euro. Die Prince-Ausgabe werde ein bisschen teurer ausfallen, heißt es von Seiten der Verleger aus dem Hause Springer.
Der Musiker hat die 2007er Aktion auch als Protest gegen die traditionelle Plattenindustrie angeleiert, mit der er sich ja vor Jahren überworfen hat. Seitdem kümmert er sich in Eigenregie um den Vertrieb seiner Musik.
Dass er mit dem Rolling Stone-Trick auf Einnahmen aus CD-Verkauf verzichten muss, wird Prince verschmerzen können. Ohnehin ist der Tonträger als solches längst nicht mehr so wichtig im Musikgeschäft. Der Trend geht zum Internet-Download. Weitere Gewinnen ziehen Künstler wie Plattenfirmen aus Konzerten oder Lizenzen für Klingeltöne oder Computerspiele.
Der Tod der CD
Nach dem Tod der Vinyl-Platte setzt nun wohl langsam auch generell das Ende des Musikalbums ein. „Die CD war prinzipiell eine schlechte Idee“, sagt Peter Janssen sogar. Der ehemalige Musikproduzent (hat mal Frankie goes to Hollywood entdeckt) zieht in der jüngsten Ausgabe des Magazins Stadtansichten ganz schön vom Leder: Er sei mit Singles aufgewachsen. Deswegen habe er sich nie mit einer Verkaufsform anfreunden können, die den Käufern zwölf Titel aufzwinge, von denen sie nur zwei hören wollten.
Im Bezug auf einzelne Titel scheinen die Mehrzahl der Deutschen so wie Janssen zu denken. Download-Verkäufe machen 85 Prozent der offiziellen deutschen Single-Charts von media control aus. Das haben die Musikmarktforscher im Mai gemeldet. Bei den Album-Charts zeichnet sich ein anderes Bild ab: Hier überwiegt mit einem Anteil von 79 Prozent immer noch die physische CD. Allerdings sägt hier die Industrie selbst am CD-Regal.
Die Zukunft kommt auf Blue Ray
Elektronikfachmann Frank Hartwig hat zumindest auf der Media-Tech-Messe in Frankfurt erzählt, die Plattenfirmen würden künftig auch im Segment Musik verstärkt auf die Blue Ray-Disc setzen. Die biete nicht nur einen besseren Kopierschutz, sie fasst eben auch mehr Daten. Neben der eigentlichen Musik könnten die Plattenfirmen dazu noch Filme (etwa einen Konzertmitschnitt) und Spiele mit draufpacken. Auch das erhöht ja den Kopierschutz. Je mehr Daten auf so einer Scheibe drauf sind, desto schwieriger ist es, sie zu kopieren.
Ex-Produzent Peter Janssen bevorzugt ohnehin das Live-Erlebnis. „Um Musik zu erleben, braucht man keine CD.“ Musik zu hören, sei in Gesellschaft viel schöner. Deswegen setzten auch die Plattenfirmen mehr und mehr auf große Tourneen, um Geld einzuspielen. Galt die Tour früher als Promotion für den Tonträgerverkauf, hätten sich heute die Vorzeichen umgekehrt. Der Tonträger bewerbe nun die Tour.
Prince jedenfalls kommt nur für ein einziges Konzert nach Deutschland – und zwar bevor die Platte erscheint. Am Montag, 5. Juli spielt er in Berlin auf der Waldbühne. Natürlich präsentiert das Rolling Stone Magazin das Konzert. Wer da aber nun was mit promoted sollen andere entscheiden. Das ist mir zu kompliziert.
Prince (2009) – Crimson and Clover

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Prince hat mit der Zeitungsbeilage von “Planet Earth” in 2007 das neue Album als Promotion für seine 21 Konzerte in London genutzt – cleverer geht es nicht:
Minimale Aufwendungen bei sehr hoher Reichweite. Zudem werden bei einer Gratisbeilage auch Menschen erreicht, die noch keinen Bezug zu seiner Musik hatten.
“Protest gegen die Musikindustrie” dürfte lange kein Thema mehr für Prince sein, da er schon lange unabhängig von Musikkonzernen ist und seine Haupteinnahmequelle Konzerte / Ticketverkäufe sind.
Dies gilt im übrigen auch für viele andere Künstler, der bezahlte Internet Download spielt im Verhältnis zu Konzerteinnahmen und Merchandisingverkäufen dazu keine nennenswerte Rolle.
Ist gerade über den Ticker gekommen: Der Veranstalter hat für das Prince-Konzert auf der Waldbühne erst 12 000 Karten absetzen können (einziger Gig in Schland). In die Arena passen immerhin rund 22 000 Menschen. Erst waren die Karten ab 70 Euro zu haben. Mitlerweile auch ab 50 Euro. Mal sehen, vielleicht gibt’s ja noch Last-Minute-Schnäppchen…
Hallo George! Ich verstehe nicht, wieso du einen neuen Vertriebsweg einer CD als Ende der CD bezeichnest? Prince untergräbt hier – wie er es schon oft getan hat (CD als Zeitungsbeilage, CD als Beilage beim Konzertticket, Verkauf der CDs ausschliesslich übers Internet, Deals mit Vertrieben ausserhalb der Musikindustrie etc.) – wiedermal den herkömmlichen Weg der Distribution, das ist alles. Und du kannst dir sicher sein , dass er sich das sehr sehr gut von der jeweiligen Zeitung bezahlen lässt. Er wird mit Sicherheit annähernd genausoviel an der einzelnen CD verdienen, als wenn er sie im regulären Handel verkauft und hat darüber hinaus feste Abnehmer!. Soviel zum Wert der CD an sich…
2 Ergänzungen noch: das Album wird als Zeitungsbeilage in mehreren europäischen Ländern erscheinen, soweit ich weiss ist im Moment die Rede von Frankreich, UK, Belgien, Portugal…
Das Album wird NICHT als Download bei ituens etc. zu haben sein – soviel weiter zu deiner Theorie, dass dies das Ende der CD belegt…
Blue Ray, SA CD etc. pp. sind meiner Meinnung nach Todgeburten. Die Zukunft: Abo- und Subskriptionmodelle (hat Prince übrigens schon vor beinahe 10 Jahren ausprobiert…) – für einen Jahresbeitrag gbts vom Künstler Tonträger/Downloads, Tickets, Merch etc. pp
Nun, ich will das nicht bedauern. Mir egal, ob die CD weiterhin der relevante Tonträger für Musik bleibt. Es kommt mir nur so vor, als würde ihre Relevanz abnehmen. Die einen vertreiben ihre Musik übers Internet, die anderen als BEILAGE zu Magazinen. Da frag’ ich mich eben, kauft man sich dann den Rolling Stone oder die Prince-CD? Ich laufe nun nicht mehr in den Laden, um mir eine CD zu kaufen. Ich bekomme sie – im schlimmsten Falle – ungefragt aufgedrängt, beziehungsweise, nehme sie mal als Bonus mit. Als Schnäppchen. Und eine alte Weisheit lautet: Was nix kostet, ist auch nix wert. Natürlich ist die CD, die Scheibe als solche, noch immer der Tonträger. Aber sie verliert ihre mythische Bedeutung für den Musikfreund. Womöglich steckt sie gar nicht mehr in einer JEWEL-Box und vielleicht hat sie auch gar kein Booklet. Ud wenn die CD einem nichts mehr bedeutet, DANN ist der Schritt auch nicht mehr weit, jedes X-beliebige Medium zu verwenden, um Musik darauf zu speichern.
Und apropos: Der Metal-Hammer zieht nach. Dem Heft liegt eine CD von Blind Guardian bei, die sonst nirgends erhältlich ist. Sie enthält acht unveröffentlichte Live-Aufnahmen vom Wacken Open Air 2007 UND einen neuen Song. Das Magazin erscheint am 14. Juli und kostet 6,90 Euro. Interessenten können sich die Ausgabe auch ohne Aufpreis zuschicken lassen. Einfach eine Mail an abo@metal-hammer.de.