Nach dem Wochenendauftakt in Michelstadt, stand gestern das Knubbel in Marburg auf dem Programm. Die Wohnzimmer-Location in der schönen Studentenstadt ist seit nunmehr 29 Jahren Anlaufstelle für Musiker, Dartspieler und Leute, die mit Musikern und Dartspielern zu tun haben. Betreiber Peter Kegelmann ist darüber hinaus der weltbeste Brötchenschmierer- und beleger. Beste Vorzeichen also für ein (musik)-kulinarischen Abend.
Die ersten Feinschmecker kamen bei der ersten Band, Käuflich, auf ihre Kosten. Mit drei Mann zimmerten sie eine Stimmung und einen Sound ins Knubbel, dass einem schwindelig wurde. Wenn man bedenkt, dass hier “nur” drei Herren, bewaffnet mit Bass, Schlagzeug und Akkustikgitarre, auf der Bühne standen ist diese Leistung sogar noch höher einzustufen. Das legendäre “Tribute” von Tenacious D fand hundertfach Mitsänger. John Butler’s “Treat Yo Mama” slidete sich durchs Publikum und erzeugte, vor allem bei Kennern, Gänsehaut. Das ist überhaupt das Beste an dieser Band: Sie spielen vermeintlich unbekannte Kompositionen, schaffen es aber trotzdem Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen – auch bei denen, die John Butler und andere weder kennen noch studiert haben. So macht und lebt man Musik. Mein persönliches Highlight war das wahnwitzige Medley aus 33 Songs aller Couleur über sagenhafte vier Akkorde. Das sollte man mal aufnehmen und für die Nachwelt erhalten.
Sounds Like stammen aus Friedberg in der Wetterau. Dort hört man gerne Green Day, Pink, Evanescence und Liquido. Und vor allem – man hat unfassbar viel Spaß auf der Bühne. Diese noch junge Band brannte jede Sekunde ihres Auftritts und zwar durch die Bank. Jeder Milimeter, der kleinen Knubbel-Bühne wurde genutzt. Der geneigte Zuschauer merkte: Hier stehen sieben Freunde auf der Bühne, die wahrscheinlich ohne ihre Instrumente genauso viel Spaß hätten wie mit. Diese Konstellation hat man, wenn die Chemie stimmt und diese Chemie überträgt sich auf das Publikum. In puncto Emotion und Spaß können sich hier zahlreiche, erfahrerenere Bands eine Scheibe abschneiden: Wer so auf die Bühne geht, bekommt positive Resonanz und erntet jede Menge Applaus. Das Einzige was dieser Band noch ein wenig abkommt, sind (logischerweise) Erfahrung und rhythmisch-gesangliche Präzision. Aber die wird auf jeden Fall kommen, schließlich haben Sounds Like noch jede Menge Zeit bis zur Rockerrente.
Das was Sounds Like noch fehlt, haben die SuperPhonix. Die Truppe mit der vierstimmigen Mega-Gesangsfront vereint musikalische Präzision mit der Erfahrung einer Band, die schon viele Male zusammen gespielt hat. Alles passt, alles groovt, keiner tanzt aus der Reihe. Darf man auch nicht bei dieser Art von Musik, denn Kompositionen von Mother’s Finest und Lisa Stansfield müssen grooven und leiden extrem, wenn ein Bandmitglied querschießt. Das ist bei den SuperPhonix nie der Fall gewesen. Wie ein Uhrwerk arbeiteten sie sich durch die Stücke. Sowas läuft manchmal Gefahr langweilig zu werden – dagegen hatten die Gießener allerdings ein gutes Rezept: Sie wichen vom gängigen Soul-Funk-Format ab und vertonten den White Stripes-Gassenhauer “Seven Nation Army” in ihrer Version. Das ist zwar eigentlich eine Rocknummer, aber sie fügte sich optimal in den Sound der Band und wirkte keineswegs wie ein Fremdkörper. So geht’s wenn man ins erste Halbfinale am Samstag, 3. März 2012 will. Denn wir suchen hier ja, entgegen der Behauptungen mancher, tatsächlich die “beste Coverband Hessens” und das muss nicht zwingend eine Rockband sein.
Apropos Rockband: Als Viertes spielten The Meadowbrooks aus Biedenkopf und präsentierten ein erlesenes Rockprogramm: “Highway Star” von Deep Purple, “Ace of Spades” von Motorhead und das großartige “Suck My Kiss” von den Red Hot Chili Peppers ließen besonders die Rockgourmets der alten Schule aufhorchen. Mit Incubus “Drive” bediente man dann aber auch poplastigere Formate. Besonders auffällig waren zwei Dinge: Erstens, der Leadgitarrist spielte dem Teufel ein Ohr ab – Hut ab vor dieser Leistung – zweitens, die Band stand hundertprozentig hinter der Musik, die sie machte. Jede einzelne dieser Nummern läuft mit Sicherheit auch öfters im heimischen Player von Biedenkopf Rock City. Vielleicht hätte man die Spannungskurve im Set ein wenig anders schlagen können, um das Publikum nicht gleich mit Fünf-Sterne-Songs zu verwöhnen, sondern erstmal mit Drei-Sterne-Songs ranzuziehen und abzuholen. Trotzdem, tolle Leistung, besonders die Chickenfoot-Nummer.


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@ Pete: Reicht da die Kohle oder braucht man dafür auch noch Beziehungen? Wenn Du es irgendwie schaffst, da aufzutreten und für mich, falls Ozzy ausfällt, “Sweat Leaf“ spielst (dünne Saiten aufziehen!) bemühe ich mich um eine Eintrittskarte. Und who knows, ich habe es schon selbst erlebt, dass der Opener besser ankam als der Headliner … dann aber besser eigene Stücke spielen.
@Zippo: Gute Musiker
Du bist doch auf keinem Konzert
@Jeronimo: Für einen Nicht-Musiker, der in keiner Band spielt, überrascht mich dein Fachwissen über die Saitenpräferenzen von Tony Iommi.
Vielleicht ist es ja auch nur angelesenes Wissen, aber so langsam ergibt sich für mich ein Profil (möglicherweise auch ein Facebook-Profil)
Hallo Basti, eigentlich ist es doch normal, dass ein Nicht-Musiker nicht in einer Band spielt. Anderseits muss ein Musiker nicht unbedingt in einer Band spielen.
Die banale Kenntnis darüber, warum Tommi Lommi dünne Saiten verwendet, kann nun wahrlich nicht als Fachwissen bezeichnet werden, der eine weiß es früher, der andere erfährt es halt Jahre später. Und Du bist (für mich) ein Beispiel für einen Musiker und Autor der Fachartikel schreiben kann. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt.
Ach Gott, was ein Gesülze! Die Jury ist toll, alle sind kompetent und super Musiker und können sogar noch Fachartikel schreiben – mir kommen die Tränen
Glückwunsch an die Punch’n Judy Show (oder so
) die souverän gerockt hat. Hat Spass gemacht euch zu sehen und zu hören.
Nee Jupp, wenn überhaupt, dann weinst Du aus Enttäuschung oder Wut darüber, dass ein eloquentes Sprachrohr Deiner Überzeugung, Dinge polarisiert hat, die Du nie Dich gewagt hättest auszusprechen, und von dem Du nun glaubst, es wäre Dir in den Rücken gefallen. Der gute Paul (immerhin 30 Jahre on Stage) kritisiert bekanntlich ähnliche Dinge und zwar sehr behutsam, und sobald Basti den Zeigefinger hebt (das ist Teil seines Jobs als Moderator), lenkt er ein und rudert zurück. (was ich ihm allerdings nicht vorwerfe, sondern im Gegenteil verstehen kann). Ich habe etwas anderes gemacht, nämlich, neben meiner Kritik an dem Wettbewerb-Komplex (übrigens ist Posten auch eine Art Contest, besonders beim Lancieren von Doppeldeutigen und Anspielungen) aus der Sicht der sich beteiligenden Musiker dargestellt. Aber ich habe nicht gesagt, dass “DIE Jury toll ist, alle kompetent und Super sind und sogar noch Fachartikel schreiben können.“ Fakt ist, dass ein Mitglied der Jury Musiker ist und Schreiben kann. Irgendwo lass ich, dass jetzt auch ein Musiker in der Jury säße, offenbar haben die Veranstalter die Notwendigkeit erkannt, Wie groß sein Einfluss bei den Entscheidungen ist, kann ich nicht einschätzen. Da es unwahrscheinlich ist, dass alle Juroren immer zu demselben Ergebnis kommen, kann es durchaus passieren, dass der Gewinner nicht der Gewinner geworden wäre, hätte der Musiker alleine entschieden. In diesem Fall bedeutet Schreiben auch, den Sieger aufgrund der Abstimmung glaubhaft (nachvollziehbar) als Sieger zu präsentieren. Dass ist auch ein Fach was man beherrschen muss
Ei ei ei, sagt mal ihr Jupps, Jeronimos usw. habt ihr dieses Jahr denn überhaupt schon eines Konzerte besucht ? Eurem Geschreibe nach anscheinen nicht. Wen interessiert denn was bei Hessen Rockt 1 -6 war ? Ist doch alles Schnee von gestern bis vorvorgestern.