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Mesa Boogie mal anders

Wer hat eigentlich behauptet, dass gute Verstärker gleichzeitig auch mindestens 100 Watt haben müssen? Schaut man sich mal die Produktpalette der großen Hersteller an, fällt auf, dass sämtliche ihrer Röhren-Flaggschiffe eine Ausgangsleistung haben, die eigentlich kein Mensch braucht. Der Triple Rectifier von Mesa Boogie mit 150 Watt? Den braucht man eigentlich nur, wenn man auch noch auf dem Mond gehört werden will. Selbst Leute, die in Stadien spielen, kämen nie auf die Idee einen solchen Amp wirklich komplett auszufahren. Und im heimischen Proberaum ist das sowieso nicht empfehlenswert.

Frei nach dem Motto “weniger ist mehr” hat Mesa Boogie jetzt den Express 5:25 auf den Markt gebracht. Der macht mit seinen 25 Röhren-Watt immer noch ordentlich Radau. Der große Vorteil gegenüber dem Rectifier liegt jedoch auf der Hand: Die Endstufenzerre setzt früher ein und das Lautstärkeniveau ist dabei gerade noch erträglich. Bekanntlich klingen Röhrenamps ja erst richtig gut, wenn man sie auch ausfährt. Das hängt natürlich auch ein bisschen davon ab, welche Musik man spielen will. Auf welches Anwendungsgebiet der Express 5:25 ausgelegt ist, lässt sich bereits anhand der Optik erkennen. Vintage, vintage und nochmal vintage. Ideal für Blueser, Jazzer und solche, die es gerne crispy und crunchig mögen. Zwei unabhängige Kanäle mit vier verschiedenen Soundmodes (Clean, Blues, Crunch, Burn) eröffnen einem ein wahrhaftes Klanguniversum.

Als wichtigen Aspekt empfinde ich, dass der Amp zwar flexibel ist, aber eben auch nicht zu flexibel. Zehn  Kanäle mit 20 Soundmodi sind einfach viel zu viel, um noch den Überblick zu behalten. Und wer will schon ein halbes Jahr herumdoktern bis das Ding dann auch endlich mal so klingt wie man es haben will? Für den nötigen Schalldruck sorgen zwei EL84-Röhren. Doch warum heißt das Topteil eigentlich Express 5:25 und nicht einfach nur Express 25? Ganz einfach. Mittels der patentierten DuoClass-Technik lassen sich die Röhren von Class A/B auf Class-A-Verstärkung (single ended) umschalten, sodass sich die Leistung auf schnuckelige 5 Watt vermindert. Damit kann man den Amp sogar auf Zimmerlautstärke sahnigste Crunch-Sounds entlocken. In einer Mietwohnung hausender Blueser, was willst du mehr? Ein weiteres Schmankerl ist der Contour-Modus, ein 5-Band-Equalizer mit nur einem Regler, der sich bequem über das mitgelieferte Fußboard bedienen lässt.

Über die Soundqualität von Mesa-Boogie-Amps muss man eigentlich nicht viel sagen: Wer über das nötige Kleingeld verfügt, bekommt einen Amp, der im oberen Preisspektrum eine Referenz darstellt. Der Express 5:25 ist mit 1.799 Euro (Session Music) ein wirklich preiswerter Boogie, der aber wie gewohnt jeden Cent wert ist. Freunde des gepflegten Vintage-Tons werden an diesem Amp ihre wahre Freude haben. PS: Es gibt den Amp auch noch als Combo, dann allerdings mit 50 Watt. Sowohl die 25-Watt als auch die 50-Watt-Version gibt es nur in einer limitierten Auflage!

Kategorien: News
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