Man geht mit der Zeit in Milton Keynes: 2010 bringt Marshall Amplification den ersten vollprogrammierbaren Hybrid-Amp der Firmengeschichte auf den Markt. Wurde auch Zeit, schließlich gehen die Kollegen von Line6 und Hughes & Kettner schon seit Jahren mit entsprechenden Produkten hausieren. Mit der AVT-Serie war der Schritt in die richtige Richtung schon getan, allerdings konnten sich die Amps, trotz hoher Qualität, nie gegen ihre Vollröhren-Brüder durchsetzen.
Nun gibt es also den Marshall JMD, einen englischen Krachmacher mit digitaler Vorstufe und Röhrenendstufe. Dass man nicht vollends auf Digitaltechnik setzte, ist wohl dem verbreiteten Klischee “ein gut klingender Amp muss Röhren haben” zuzuschreiben. Schließlich beklagen beflissene Puristen regelmäßig, dass digitale Amps steril klingen und in keinster Weise an die Dynamik und das Klangverhalten einer guten alten EL-34-Endstufe herankommen. Schaut man sich Gitarristen der Marke “ich spiele mein POD durch die PA” an, mag das stellenweise auch stimmen. Jedoch liegt das oft nicht am schlechten Grundsound der Gerätschaften, sondern eher am Sechssaiter, der was an den Ohren hat.
Es ist aber auch ein Graus. Gerade Digitalamps bieten oft so viele Möglichkeiten, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und irgendwann frustriert zum genügsamen AC-30 zurückkehrt. Auch der Marshall JMD ist unglaublich flexibel: Der Vorstufencomputer bietet 16 (!) Grundsounds, die sich in die Gruppen “Clean”, “Crunch”, “Lead” und “Overdrive” unterteilen. Das Sounddesign stammt von der schwedischen Traditionsfirma Softube, die in einem aufwendigen Verfahren die größten Klassiker der Marshall-Historie digital nachgebaut hat. Auf Knopfdruck abrufbar sind unter anderem die Modelle JVM410H, DSL100, JMP-1, 1959 und 2203. Die Endstufe ist dann wieder traditionell Marshall und sorgt mit den bewährten EL-34-Röhren für den amtlichen “Brit-Sound”.
Ausführlicher Test von harmonycentral.com
Erfreulicherweise verfügt der JMD auch über eine integrierte Effektsektion. Egal ob Chorus, Delay, Flanger oder Tremolo, per Drehknopf alles anwählbar was das Herz begehrt. Sogar an ein Noisegate hat man gedacht. Ein Knopfdruck reicht und schon ist der Wunschsound gespeichert. Will man den gespeicherten Sound noch etwas pimpen, hilft die “Compare”-Taste, die das Abhören des “neuen” Sounds im direkten Vergleich zur alten Einstellung ermöglicht. Wie geil ist das denn bitte?!
Auch Profis sind begeistert: Mr. Zakk Wylde mit dem neuen JMD
So, und jetzt kommt’s: Das Topmodell der Serie kostet gerade mal schlappe 829 Euronen. Wer hätte das gedacht in Anbetracht dieser Features? Natürlich ist es Geschmackssache, ob man nun den Schritt zum Hybrid-Amp geht und der Röhrenvorstufe “ade” sagt. Gemeinhin geht ja nichts über den voll aufgerissenen Sound eines Röhrenamps. Im Endeffekt ist aber alles erlaubt, was gefällt und gut klingt.
Und auch wenn man sich am Gitarristenstammtisch mal kurz zum Gespött macht: In dem Moment, wo ich mindestens 500 Euro spare und dabei immer noch besser klinge, als der unfähige Kollege mit seinem Boogie, habe ich alles richtig gemacht.

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Auf jeden Fall sehr interessant, dieser neue Amp! Die Switchblade-Serie von Hughes&Kettner fand ich schon länger interessant, doch mir fehlte hier einfach der typische Marshall-Sound. Diesen bekomme man mit dem Marshall JMD natürlich en masse… Ich werde mir den Verstärker definitiv einmal in Ruhe ansehen und dann selbst bestimmt, ob meine Gibson demnächst über eine digitale Vorstufe gejagt werden soll.
Hallo Manuel. Sag mal Bescheid wenn du die Hütte getestet hast. Ein Switchblade ist halt immer noch Vollröhre und ist ja gerade im verzerrten Bereich ne ziemliche Hausnummer. Ich persönlich mag an den Hughes & Kettner Amps gerade, dass sie eben NICHT wie ein Marshall klingen, sondern irgendwie aufgeräumter und differenzierter. Ist halt wirklich reine Geschmackssache. Ich jedenfalls bin kein Fan der Modelling-Technologien, jedoch sind die Klangergebnisse, die da stellenweise rausgeholt werden echt der Hammer. Und gerade bei Marshall sollte man davon ausgehen, dass man da eigentlich keinen Müll angedreht bekommt. Und ne schöne Les Paul klingt ja grundsätzlich schon mal gut.
Das Beste am JMD finde ich aber die Möglichkeit, Sounds direkt im Amp zu speichern und jederzeit auf Knopfdruck abzurufen. Ich selbst unterhalte eine Pentagon-ähnliche MIDI-Schaltzentrale, die man sich bei so einem Amp echt sparen kann. Ein Switchblade kann solche Sachen natürlich auch, nur ist der auch gleich 400 Steine teurer.
Hast du schon mal andere Geräte im Modelling-Bereich ausprobiert?
Gruß,
Basti