Geballtes Fachwissen in einem Raum: Sven Robin (links) und Martin Ginz vom VUT-Hessen mit Tanja Jörg, Désirée Handke und Astrid Wesemann (von links) von der Gema. Gemeinsam haben sie am Donnerstag Abend versucht, Licht in den Dschungel des Gema-Tarifsystems zu bringen.
Ein Thema, für das sich gar nicht genug Fachwissen versammeln kann. Deswegen hat der VUT-Hessen den Info-Abend in den Räume der Frankfurter Wirtschaftsförderung auch angeboten. VUT steht für Verband der unabhängigen Musikunternehmen. Die Landesgruppe Hessen hat sich im Juli 2009 formiert. Der Gema-Abend ist die zweite große Info-Veranstaltung.
Gema möchte transparenter werden
Das Kürzel Gema steht für “Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Verfielfältigungsrechte”. Die Länge des Namens gibt auch gleich den Hinweis darauf, wofür die Gema landläufig auch steht: Für ein kompliziertes und schwieriges Geflecht an Regeln und Abrechnungsmodalitäten. Schon seit Oktober 2007 reisen deswegen Mitarbeiter der Gesellschaft durch die Lande und versuchen, in der Workshop-Reihe “Gema-Wissen” ihren Mitgliedern und Kunden jenes Geflecht ein bisschen plausibler zu machen.
“Wir kommen damit der Forderung nach mehr Transparenz bei der Gema nach”, sagt Désirée Handke am Donnerstag. Dazu ist die Marketing-Managerin der Gema-Generaldirektion München extra angereist. An ihrer Seite: Astrid Wesemann, von der Abteilung Abrechnung U-Musik und Tanja Jörg von der Gema-Bezirksdirektion Wiesbaden.
Gema muss moderner werden, fordert der VUT
“Es ist ein Thema, das die Musikbranche immer wieder interessiert”, sagt Sven Robin, Vorsitzender der VUT-Regionalgruppe Hessen. Die Gema müsse sich modernisieren, anpassen, an Anforderungen moderner Abrechnungssysteme. Reagieren auf den digitalen Markt. Es besteht Aufklärungsbedarf. “Viele Dinge sind nicht wirklich transparent.” Bestes Beispiel ist die berühmte, so genannte “Gema-Online-Petition.” Was alleine zu diesem Thema an Gerüchten, Unklarheiten und Halbwissen durch die Lande wabert, rechtfertigt schon einen Info-Abend.
Am Donnerstag hat die Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt nun über die Petition entschieden. Und ulkigerweise sind beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden. Das sagen sie jedenfalls: “Schiedsstelle gibt Konzertveranstaltern weitgehend Recht. Neue Tarife weichen nur unwesentlich von freiwilligem Angebot der Konzertveranstalter ab.” Das sind die Schlagzeilen der Pressemitteilung der Verbände der Konzertwirtschaft.
Konzert-Tarife steigen an
“Die Verbände der Konzertwirtschaft hatten die Schiedsstelle mit dem Ziel angerufen, dass die bis zum 1. Februar 2009 für Konzerte geltenden, niedrigen Tarife auch in Zukunft weiter gelten sollten Diesen Antrag hat die Schiedsstelle abgelehnt und bestätigt, dass der neue Tarif U-K der Gema eine angemessene Grundlage der betroffenen Gesamtverträge ist”, steht in der offiziellen Pressemitteilung der Gema.
Also kann die Gema nun die Tarife für Konzertveranstalter mit über 3000 Besuchern pro Veranstaltung bis 2014 schrittweise erhöhen. Bei kleineren Veranstaltern mit weniger als 3000 Besuchern pro Konzert bleiben die Preise wohl stabil. Der von Sven Robin angesprochene Aufklärungsbedarf besteht aber weiterhin.
Zumal ein Blick ins VUT-Protokoll des Abends zeigt, dass die Sitzung nicht immer harmonisch verlaufen ist:
Astrid Wesemann bemühte sich nach Kräften, die Funktionsweise und den Nutzen des so genannten ”Pro-Verfahrens” bei der Verteilung von Live-Tantiemen (Aufführungsrechten) für die Teilnehmer verständlich darzustellen, was nur teilweise gelang. Mehrere Zwischenrufer forderten die komplette Abschaffung des indirekten und hochkomplexen Verrechnungssystems zugunsten einer Direktverrechnung. Die Zwischenrufer glaubten die Logik auf ihrer Seite, denn warum soll nicht jeder Musiker, der vor Eintritt zahlenden Gästen irgendwo in Deutschland nur oder überwiegend eigene Songs spielt, auch genau den Betrag, den der Veranstalter an die GEMA abführt, wieder zurückerhalten?[...]Wann und wieviel die Urheber beispielsweise für die Nutzung ihrer Musik auf Diensten wie Youtube erhalten werden. Hierzu sagte Frau Handke, dass für die Dauer der Verhandlungen zwischen GEMA und Youtube eine “Stillschweigvereinbarung” getroffen wurde. Ob und wann eine Zahlung vn Youtube erfolgt und vor allem wie die Verteilung an die Urheber laufen wird, darüber konnte und wollte die GEMA-Vertreterin ebenfalls keine Aussagen treffen, aber am Beispiel der Vereinbarung, die von der britischen PRS mit Youtube getroffen wurde, läßt sich erahnen wie es laufen könnte. Laut Frau Handke fühlt sich die PRS auch nach Abschluss der Verhandlungen mit Youtube weiterhin an das Stillschweigeabkommen mit Youtube gebunden. Das heisst: Die Mitglieder der Gesellschaft haben effektiv keine Möglichkeit, die Richtigkeit der Abrechnung zu prüfen, sondern werden – wie ja auch bereits in der britischen Presse bekannt wurde – womöglich mit Kleinbeträgen ohne erkennbaren Bezug zur tatsächlichen Nutzung ihrer Musik auf Youtube “abgespeist”.
Christian Arndt, Pressesprecher des VUT-Hessen, sagte hinterher aber: ”Wir sind nach der heutigen Präsentation durchaus zuversichtlich, dass die Gema die von ihren Mitgliedern zurecht immer vehementer eingeforderte Transparenz – nicht nur beim Thema Youtube – wirklich in die Tat umsetzen wird, auch wenn der Weg dorthin, um Xavier Naidoo zu zitieren, “kein leichter” sein wird.
Auch mit der Entwicklung der VUT-Regionalgruppe Hessen sind die Mitglieder zufrieden. Der Vorstand sei komplett, die Mitgliedszahlen ordentlich. Künftig wollen die VUT-ler mehr Infoveranstaltungen anbieten. Außerdem treffen sich die Mitglieder jeden ersten Dienstag im Monat zum Stammtisch, zum Tunes-Day. Die regelmäßige Zusammenkunft an wechselnden Orten dient dem Austausch in geselliger Runde, ist aber kein Geheimbund. “Jeder ist willkommen”, sagt Robin. “Einfach eine E-Mail schreiben.”

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Was lange gärt, wird endlich Wut.