Wir haben die Lösung für die unlängst aufgeworfene Frage “Wer kann’s im Schanz?” Die Antwortet lautet: The Punch ‘n’ Judy Show. Die haben am gestrigen Abend nämlich ein deutliches Zeichen in Richtung Halbfinale gesetzt. Mit einem charismatischen Sänger mit Alice Cooper-Stock, einer Bläserfront und einer Stakkato-Gitarre im Gepäck, ging es altbekannten Radio-Quälern von The Kelly Family bis Lady Gaga an den Kragen. Und zwar so, dass man sich die Songs tatsächlich wieder anhören konnte. Phil Collins “Against All Odds” kam plötzlich im Punk-Ska-Gewand um die Ecke. Sogar “Volare” von den Gypsy Kings verpasste man mehr Punch und mehr Judy. Heraus kamen schnelle, tanzbare Versionen von Songs, die man schon fast vergessen oder verdrängt hatte. Ein moderner und wirklich origineller Ansatz, Musik zu beleben, die eigentlich schon „totgehört“ ist. Das Publikum trug die Band buchstäblich auf Händen: Ohne Vorankündigung setzte Daniel Doumerc zum „stage dive“ an und wurde von den Zuschauern durch den Saal gereicht. Insgesamt ein toller Auftritt, der, bei allem Unterhaltungswert, auch musikalisch super umgesetzt war.
Letzteres war auch bei der ersten Band des Abends, Rockshift, der Fall. Spieltechnisch versiert präsentierten die Hammersbacher Rocksongs von Queen bis Whitesnake. Fehler in der musikalischen Darbietung gab es praktisch keine. Man konnte sehen, dass die Band gut vorbereitet und sehr bemüht war. Mit der geballten Energie der Punch ‘n‘ Judy Show konnten Rockshift es – zumindest an diesem Abend – jedoch nicht aufnehmen. Gerade Whitesnakes “Here I Go Again” fehlte es etwas an Dampf. Der “Zombie” war für meinen Geschmack etwas zu langsam, sodass der super gespielte Song nicht so Recht in die Puschen kam, weil es an Dynamik und Drive fehlte. Besser war es dann bei den Four None Blondes, wo das Publikum auch mal in Wallung kam.
Band Nummer drei waren Uper aus Frankfurt, deren Fans besonders mit ihren innovativ gestalteten Schildern mit “Uper-Duper” und “James for president” auffielen. Natürlich machten sie auch jede Menge Krach, um ihre Jungs nach vorne zu peitschen. Die Band konnte diese Energie zwar nutzen, offebarte allerdings Schwächen im Zusammenspiel. Das kann daran liegen, dass Uper als Band noch nicht so lange zusammenspielen – klar, fehlt da die blinde Abstimmung und das berühmte Uhrwerk. Wenn man sich dann noch Mut beweist und sich “Killing in the name of” von Rage Against The Machine aufbürdet, ist die Gefahr natürlich groß, dass man sich verhebt – so wie das im übrigen schon vielen Bands bei dieser Nummer passiert ist. Egal, Auftritt gespielt, Mund abwischen, weiter geht’s.
Die lustigen Raubkatzen von Tiger Tango spielten als vierte Band. Ihr akustischer Country-Rock’n'Roll-Cocktail zeichnete sich vor allem durch die musikalische Darbietung aus. Keine Fehler, alles aus einem Guss. Natürlich könnte man in diesem Falle den vierten Startplatz als ein etwas undankbares Los bezeichnen, aber so ist das nun mal wenn nicht der Veranstalter, sondern das Los entscheidet, wer wann spielt. Tiger Tango machten ihre Sache sehr gut. Die “Ghostriders in the sky” ritten durchs Schanz, ein virtuos gespieltes Cajon-Solo schoss ein Loch in die Akustikgitarrenwände und der auf Konzerten selten gehörte Mandolinen-Klassiker “Boat on the river” ließ die alte Zeit wieder aufleben. Das Problem bei diesem Song ist der Gesang, der sehr hoch ist. Den muss man als Normalsterblicher tatsächlich tiefer singen, nur dann klingt es halt nicht mehr so. Schwierig, schwierig. Insgesamt aber eine gute Leistung von einer gut eingespielten Band.


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Sehr treffend geschrieben!
Am gestrigen Abend konnte es nur einen Gewinner geben… Allerdings muss man auch klar sagen, dass die Konkurenz es den Judys leicht gemacht hat, leider! Das war im Bett noch anders – hier hat zwar auch die beste Band des Abends gewonnen aber die Konkurenz war bis auf eine Ausnahme fast ebenbürtig mit den Jungs!
Gruß und bis im Südbahnhof!
@ Dennis; stimmt. Ich fand die anderen Vorträge nicht besonders,weder von der Songauswahl noch wie sie präsentiert wurden, Da war das Bett ein ganz anderes Kaliber. Na, ich bin dann mal auf die Altmeister-Runde im Südbahnhof gespannt