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Im Angesicht der Pleite

2010.04.26_james_aufm“Nicht traurig sein. Es ist ja nur Geld.” (James Bond 007 – Lizenz zum Töten)

Eine Todesangst geht um, nicht nur im Vereinten Königreich – und nirgends ein Quantum Trost: Der letzte 007-Film könnte der letzte 007-Film gewesen sein. Wir sind geschüttelt und gerührt, Kino-Enthusiasten aller Erdteile flehen: Stirb an einem anderen Tag! Nur einer behält wie immer die Nerven: Bond. James Bond.

Die Meldung platzte jüngst in die Vorfreude der Fans: Alle Pläne für den 23. Film über die Abenteuer des Agenten Ihrer Majestät liegen auf Eis. Die legendäre US-Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer (MGM, die mit dem fauchenden Löwen im Filmvorspann) steckt offenbar in größeren finanziellen Schwierigkeiten und sucht einen Käufer. Die Los Angeles Times schreibt von 3,7 Milliarden Dollar Schulden. Die Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli teilen mit, der Start der Arbeiten am neuen 007 sei auf unbestimmte Zeit verschoben; einen Termin für den Kinostart gibt es schon gar nicht.

2010.04.26_james_picEine solche Pleite wäre dem Alleskönner aus Großbritannien selbst nie passiert; ein James Bond kennt keinen finanziellen Engpass. Der hat immer die besten Klamotten an – einreihige Anzüge aus dunkelblauem Kammgarn. Der trägt keine Armbanduhr – der trägt eine Rolex Oyster Perpetual. Der fährt die tollsten Schlitten – gern einen Aston Martin. Wenn er nicht sowieso fliegt. Der gewinnt eigentlich immer, wenn er spielt – ob beim Poker im “Casino Royale” oder beim Zock um die ganze Welt gegen den bösen Brandauer in “Sag niemals nie”. Der führt die kostspieligsten Frauen zum Abendessen aus, und der hat natürlich auch lauter Spielsachen, von denen wir Normalos nur träumen können: Laserbohrer im Goldzahn, Raketenwerfer im Turnschuh, Hubschrauber im Zigarettenetui.

Geld spielt keine Rolle

Und das kriegt der offenbar alles geschenkt. Wer hat James Bond jemals beim Bezahlen gesehen? Geld spielt für diesen Typen überhaupt keine Rolle. Und der soll jetzt nur wegen einer klammen Produktionsfirma auf die lange Bank geschoben werden? Am Ende gar in der Versenkung verschwinden? “Der Löwe ist in seiner derzeitigen Verfassung ein Klotz am Bond-Bein. MGM hält dieses Bein aber fest wie ein Ertrinkender”, knurrte Filmkritiker Hanns-Georg Rodek in der Tageszeitung Welt über Bonds “Geiselhaft” beim Pleite-Studio. Autsch. Aber ein Heldenbein kann auch mal ein paar Löwenkrallen aushalten.

Das 007-Publikum, das schon seit eineinhalb Jahren nach einem neuen Film lechzt, trifft es härter. Die Hiobsbotschaft vom verschobenen Produktionsstart unterbrach jäh alle Spekulationen über Agentenstreifen Nummer 23: Wird er etwa schon in 3D-Technik gedreht? Führt der Brite Sam Mendes Regie? Spielen Jamie Ball und Rachel Weisz mit? Singt Lady Gaga den neuen Bond-Song? Amy Winehouse? Susan Boyle? Fragen, die sich die Fans seit Monaten stellen. Sicher ist, dass Peter Morgan am Drehbuch mitschreibt. Er dürfe ja nichts verraten, verriet er – aber was da drinstünde, im Drehbuch, sei eine “schockierende Geschichte”.

2012 feiern wir 50 Jahre Bond

Schon macht eine Legende die Runde, wonach James Bond in dem neuen Thriller, wir müssen es so deutlich sagen: stirbt. Und womöglich erst im 24. Teil wieder aufersteht. Dabei weiß ja jeder, dass so etwas vollkommen unmöglich ist – nein, nicht die Auferstehung, sondern ein toter Bond. Plausibler als ein Ableben des Spioniermeisters vor laufender Kamera wäre in der Tat, dass die Filmindustrie zusammenbricht und keinen neuen 007 mehr zustande bekommt. Dann aber würde James Bond vermutlich aus der Filmrolle ausbrechen und seine Welt retten. Oder es kommt so, wie es die Spatzen von Hollywoods Dächern pfeifen: Im Angesicht des Todes reißen sich alle noch einmal am Riemen. Man lebt schließlich nur zweimal. Die MGM-Gläubiger, heißt es, hofften wohl, dass die Schreckensmeldungen den Verkaufspreis für den lahmen Löwen in die Höhe jagen. “James-Bond-Filme werden uns alle überleben”, sagte Siegfried Tesche, Autor des “Großen James Bond Atlas”, der ddp. Eine Gans, die goldene Eier lege, werde niemand schlachten; die 007-Reihe habe schon deutlich größere Krisen überstanden.

Abgesehen davon: Wenn Nummer 23 nicht wie geplant 2011 ins Kino kommt, sondern erst 2012, passt das ohnehin viel besser: Dann wären genau 50 Jahre vergangen seit dem Ur-007-Film “James Bond jagt Dr. No” von anno 1962.

“Jetzt bin ich mir sicher, dass mein Geld in guten Händen ist.” (James Bond 007 – Casino Royale)

Text: Thomas Stillbauer

Kategorien: News
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