Jochen Hasmanis ist ein ruhiger Mensch. Der Kopf der Produktionsfirma Frame-Spotting lächelt viel und spricht wenig. „Das täuscht“, finden allerdings seine Mitarbeiter. Auf einem Dreh könne der 39-Jährige sich kaum zurückhalten. Da sei er der reinste Wirbelwind (Foto: Andreas Arnold).
So ist das eben beim Fernsehen: Der Bildschirm zeigt die Oberfläche. Was dahinter steckt, ist nicht sofort zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Davon kann Hasmanis ein Lied singen. Mit Newcommer TV hat er von 2002 bis 2007 ein erfolgreiches Fernsehformat für musikalischen Nachwuchs produziert. Musikjournalisten zeichneten Newcomer TV 2007 sogar mit dem Live Entertainment Award (LEA) für die beste Nachwuchsförderung Deutschlands aus.
Das Format hat aber nicht allen gefallen. Kurz nach der Preisverleihung setzte der Hessische Rundfunk (HR) die Sendung ab. Sie sei nichts für die Zielgruppe des Hauses, befanden Onkel Ottos Mannen. „Das kam für uns überraschend“, sagt Hasmanis. Alles weitere verkneift er sich.
Aber Hasmanis ist keiner, der sofort aufgeben würde. Drei Jahre hat er die Füße still gehalten. Jetzt wagt er einen zweiten Anlauf. Er hat das gleiche Team wieder um sich geschart (unter anderem Ly Berheide, Paul Zitter und Seppl Niemeyer). Auch das Konzept ist geblieben: Newcomer TV soll weiterhin aufstrebenden Musiktalenten eine Plattform bieten, auf der sie sich professionell präsentieren können.
Newcomer TV – der Trailer
Das geht wie folgt: Das Newcomer-Team organisiert ein Konzert und zeichnet es mit allen Schikanen auf (vier Kameras, Kran und Wagen). Als Spielstätte haben die Musikfreunde die Batschkapp in Frankfurt gewinnen können. Das so entstandene Live-Material ergänzt die Redaktion mit Band-Interviews und Portraits – damit die Zuschauer sehen, wo die Musiker proben oder wie sie sich inspirieren lassen. Und einmal im Monat flimmert das dann über den Bildschirm.
Einen Termin für die Ausstrahlung kann Newcomer TV allerdings nicht vorweisen. Hasmanis und sein Team wollen erst einmal eine Pilotfolge produzieren und damit die Sender abklappern. Wichtig sei ihnen, einen festen Sendeplatz zu bekommen. Das hatte der HR nie geboten. „Newcomer TV lief mal hier, mal da“, erinnert sich Hasmanis. Irgendwann dann montags ganz spät. „Die hatten gar nicht geglaubt, dass wir tatsächlich jede Woche eine Sendung abliefern würden.“
Vielleicht haben es die Newcomer selbst nicht geglaubt. Wild sind die Anfänge der Sendung durchaus gewesen. Es war die Zeit der Bertelsmann-Krise und von 9/11. Hasmanis brachen die Aufträge weg. Die Hände in den Schoß zu legen, kam für ihn nicht in Frage. Kurzerhand rief er Newcomer TV ins Leben. „So eine Plattform hat gefehlt“, sagt er. Hasmanis weiß, wovon er spricht. Er ist selber Musiker. Eigentlich ist er nur zu Film und Fernsehen gekommen, weil er ein Video für seine Band prodzuieren wollte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das erste Konzert von Newcomer TV drehte das Team ganz dreist im Frankfurter Holzhausenpark. Sehr zum Erstaunen der Nachbarn. Mitten im innerstädtischen Idyll mit Schlösschen polterte auf einmal ein Schlagzeug. Die Gitarre kreischte, ein Sänger wimmerte, davor wütete ein jugendliches Auditorium. Bis die Polizei dem Spuk ein Ende bereitete. Da war das Wichtigste aber schon im Kasten und eine neue Bewegung entstanden. „Ein Gemeinschaftserlebnis war das“, sagt Hasmanis trocken. Fortan schuftete sein Team – unentgeltlich – von Sendung zu Sendung. So soll es auch diesmal sein. „Wir sind froh, wenn wir die Produktionskosten wieder reinholen“, sagt Hasmanis.
Für die neue Pilotsendung hat sein Team ein buntes Programm zusammengestellt. Am Samstag, 22. Mai, spielen ab 19 Uhr, in der Batschkapp Frankfurt: Rosana, Kapelle Ostermann, Bischler, B.E.E.S., Florian Hofer Band, Evil Cavies, NullDB und Cris Cosmo. Für lächerlich günstige fünf Euro an der Abendkasse.

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Vielleicht findet sich bei Newcomern ja eine Band oder ein Musiker, der hier mitmachen möchte:
http://www.spiegel.de/video/video-1065679.html
Da wird sicher noch geile Mucke gebraucht…