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Für immer Bandsalat

2010.06.25_Bandsalat_auf

Mir ist heute so nostalgisch. Nicht nur, dass am Mittwoch Jörg Berger gestorben ist. Der Eintracht-Trainer, der Wundermacher. Der Teufelskerl, der einst aus sicheren Absteigern 5:1-Helden machte. Jetzt naht auch noch der Tod der guten alten Musikkassette (MC). Die Presseagentur dpa kennt das genaue Datum des Ablebens: Am Donnerstag, 1. Juli 2010 schließt eines der letzten großen MC-Kopierwerke.

„Ein Retro-Trend wie beim Vinyl ist für die MC nicht zu erwarten“, sagt Holger Neumann, Geschäftsführer des Tonträger-Herstellers Pallas im niedersächsischen Diepholz. „Wenn wir heute ein Vinyl-Album pressen, können wir Top-Qualität garantieren. Aber für MC- Kopiermaschinen werden hochwertige Magnetbänder und Kassetten-Gehäuse wegen geringer Nachfrage kaum noch produziert.“ Auch deswegen werde die Produktion diesen Sommer eingestellt.

Die Kassette hat Generationen geprägt

Aus die Maus. 1963 als Speicher für Diktiergeräte auf den Markt gekommen, ist die MC schnell für andere, wichtigere Projekte unersetzbar geworden. Über Jahre hinweg ist sie aus meinem Kinderzimmer nicht wegzudenken gewesen. Alles, was an halbwegs gescheiter Musik in TV oder Radio lief, landete bei mir auf dem Kasi. Auch die Beatles-Platten meiner Omma hab’ ich mir gezogen. Später habe ich Jahre meiner Teenagerzeit mit der Zusammenstellung von Mixtapes verschwendet.

Nicht nur wegen mir – aber bestimmt auch – hat die Musikindustrie die Kampagne Home Taping Is Killing Music lanciert – weil sie existenzbedrohende Umsatzrückgänge befürchtete. Mein erster Walkman hat mein Leben ganz sicher mehr verändert als meine Konfirmation. Und und und. Aber.

Die Technik ist veraltet

Heute haben CDs und MP3s der MC den Rang abgelaufen in Sachen Bedienerfreundlichkeit, Klanqualität und als Sargnagel der Industrie. 1991 – auf dem Höhepunkt ihres Erfolges – ist die MC noch 78,4 Millionen mal über deutsche Ladentische gegangen. 2009 sind es nur noch drei Millionen gewesen. Tendenz fallend.

In anderen Regionen der Welt lebt der Mythos noch. In den meisten Ländern Afrikas sowie West- und Südasiens erscheint auch heute noch ein Großteil aller Musikaufnahmen auf Kassette. Die Abspielgeräte und Tapes sind robuster als CD-Spieler (und CDs). Außerdem können findige Nutzer sie besser reparieren, weil die Teile ohne patentierte Spezialelektronik auskommen.

2010.06.25_Bandsalat_jimiDie MC ist auch unempfindlich gegen Hitze oder Staub, nur Feuchtigkeit mag sie nicht. „Ich weine der MC keine Träne nach“, sagt daher Reinhard Sauer, Leiter des Goethe Instituts im brasilianischen Porto Alegre. „Meine MCs wurden hier im feucht-tropischen Klima unbrauchbar, weil das Bandmaterial verklebte.“

Tja. Meine Jimi-MCs funktionieren noch einwandfrei. Dafür ist meine „Sicherheitskopie“ (auf CD-R) von Ben Folds Meisterwerk „Whatever and ever amen“ von 1997 heute absolut unbrauchbar.

Pallas-Chef Neumann bedauert jedenfalls, dass die Ära des Kulturguts MC vorbei ist: „Sämtliche Erfahrungen, die unsere Mitarbeiter im MC-Kopierwerk sammeln konnten, verlieren damit ihren Wert.“ Sein Presswerk in Diepholz fertigt nun nur noch Vinyl-Platten, CDs und DVDs an. Das Ende der Kassette ist also nah – oder wie Neumann es formuliert: „Die Musikwelt ist wieder eine Scheibe.“

Onkel Lü | 27. Juni 2010, 19:46

Hach, und wieder habe ich eine Technikrevolution überlebt. So langsam fühle ich mich alt.
Aber mit Stolz erfüllt es mich, daß ich Niro Nakamichi – einen, wenn nicht DEN Wegweiser für die Tape Technologie – einmal persönlich kennenlernen durfte.

Wir haben gut einen gelüpft und viele Biere gekippt. ;-)

Als hätte er nix besseres zu tun, hat er noch vor dem Totengesang seiner Tapetechologie eine geniale Surroundsoundtechnologie erfunden, die wie so viele nicht den Weg ins Wohnzimmer der Kinofreunde gefunden hat. Er hat mit einer zentralen Soundquelle durch Ausbutzung physikalischer Gesetze ein Surroundsystem geschaffen, das nie akzeptiert wurde.

Männer finden 5plus1 oder gar 7plus1 Lautsprecher eben geiler als nur ein zentrales Soundsystem… auch wenn der Effekt derselbe ist.

Eine richtig cooler, netter Japaner mit geilen Ideen. Ich finde, es sollte mehr solche Leute geben.

Ende des Nostalgieanfalls ;-)

Horrido

Onkel Lü

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