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Drums für den Vermieter

2010.05.26_DTX950K_picMal ehrlich: Schlagzeuger sind in Mietwohnungen nicht gerade gern gesehene Gäste. Sie sind laut, nehmen viel Platz weg und hindern Tante Erna und Onkel Gerhard am wohlverdienten Mittagschlaf. Zumindest wenn sie über ein akustisches Drumset spielen. Nun gestaltet es sich bekanntermaßen als relativ schwierig ein akustisches Drumset lautstärketechnisch zu dämpfen, ohne dass dem Spielenden sämtliche Trommel-Lust abhanden kommt. Bevor der frustrierte Trommler aber aus seiner Wohnung fliegt oder das Schlagzeug an den Nagel hängt, sollte er vielleicht eine andere Lösung in Erwägung ziehen. Den Kauf eines E-Drumsets.

Die haben den Vorteil, dass ich trommeln kann wann immer ich will und niemand bekommt etwas davon mit. Kopfhörer sind eben eine feine Sache und gerade Tante Erna und Onkel Gerhard dürften in Anbetracht dieser Lösung in Freudentränen ausbrechen. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass egal wo ich mein Set aufbaue – der Sound ist immer gleich. Mich interessieren keine hohen Decken, keine blanken Kirchenmauern und auch nicht die unfassbare Größe der Location.

Ich komme, baue mein Set auf und spiele, genauso wie immer. Das ermöglicht Soundchecks in Lichtgeschwindigkeit, denn im Prinzip muss der Tonmann nur noch die Pegel angleichen. Komischerweise haben sich E-Drumsets im Live-Betrieb aber nie durchgesetzt. Das bringt mich zu einem entscheidenden, wenn auch etwas klischeehaften Nachteil der digitalen Trommeln: Sie sehen einfach scheiße aus. Ja, da beißt die Maus keinen Faden ab. Der Schlagzeuger hat nun mal in der Mitte der Bühne zu thronen und zwar auf einem mindestens acht Meter hohen Schlagzeugpodest, komplett verdeckt von einem TAMA Starclassic, das raumtechnisch die halbe Bühne einnimmt. Das besagt zumindest das Klischee.

Wer aber mal auf der Musikmesse war und sich des Spaßes halber an ein elektronisches Drumset gesetzt hat, wird erstaunt sein. Zumindest ging es mir so, als ich mich an das Yamaha DTX-950 K setzte, um mal zu hören wie sowas eigentlich klingt. Ich muss dazu sagen, dass ich kein Schlagzeuger bin und bis dato nur mit akustischen Drumsets in meinem Rücken zu tun hatte.  Aber das was ich da zu hören bekam, war wirklich aufschlussreich. Wenn man die Augen schloss und vergaß, dass man gerade auf einem Haufen Computerchips rumtrommelte, erschienen die simulierten Sounds wirklich täuschend echt.

Eine kurze Demo des DTX-950K von Yamaha

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Das könnte daran liegen, dass Yamaha auf die eigenen Erfahrungen im akustischen Trommelbau zurückgreift  und diese als Samples in das komplett überarbeitete DTX950K Drum Trigger Module eingespeist hat. Es wartet jetzt unter anderem mit der gesamten Percussion Klang Libary des weltweit überaus erfolgreichen Motif XS Synthesizers auf und bietet mit seinen zahlreichen Playalongs und Presets echten Unterhaltungswert. Gerade zum Üben ist das ideal.

Das komplette DTX-950K besteht übrigens aus:

  • 1x 12″ XP120S Snare Pad (TCS)
  • 2x 10″ XP100T Tom Pads (TCS)
  • 2x XP120T Floor Tom Pads
  • 1x RHH135 HiHat Pad
  • 3x PCY155 3- Zonen Becken Pad
  • Hi-Hat HS740A Ständer
  • Yamaha “Hex Rack” Drum Rack System

Damit sollte man für jede Spielsituation gewappnet sein. Einzig etwas komisch mutet die Tatsache an, dass das Bassdrum-Pedal nicht im Lieferumfang enthalten ist. Bei einem horrenden Preis von 4999 Euro sollte das aber doch schon möglich sein, liebe Yamahas. Dass Qualität ihren Preis hat wissen wir, aber dass ich bei einem so teuren Gerät nochmal losziehen muss, um irgendwelchen Kleinkram zu kaufen, erinnert ein wenig an eine Autofirma aus Wolfsburg. Und trotzdem, die Qualität der Sounds und das verwendete Material machen deutlich, dass es sich hier um ein Gerät der Oberklasse handelt.

Insgesamt kann das DTX-950 K 1.150(!) Drum- und Percussionsounds und 211 Motif GM Melody Voices simulieren. Ich habe mich vor allem mit den Snare-Sounds beschäftigt. Wie bei anderen E-Drumsets der Oberklasse, lässt sich auch hier mit Phil-Collins-ähnlicher Präzision so ziemlich alles regeln und verändern, was man an einem Snare-Sound verändern kann. Vom Holz der Snare über die Bespannung bis hin zur Umgebung, nach der sie klingen soll. Unglaublich eigentlich. Wenn man die nötige Muße hat und gerne herumprobiert.

DTX-950K-Workshop am Yamaha-Stand (gefilmt von MusicStore TV)

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Das TAMA-Set klingt eben immer nur wie ein TAMA-Set und zwar auch immer nur genau nach der Umgebung, in der es sich gerade befindet. Der Vorteil dabei ist, man kann eigentlich direkt nach dem Kauf zum Gig auf das acht Meter hohe Podest fahren. Das dürfte sich beim DTX-950K etwas schwieriger gestalten. Immer drummerforum habe ich gelesen, dass man sich für die optimale Einstellung des Sets schon etwas Zeit nehmen muss. Und wenn ich bedenke wie lange ich gebraucht habe, bis mir mein Snare-Sound ansatzweise gefallen hat, kann ich das gut nachvollziehen. Als ich ihn dann aber mal hatte, war ich wie gesagt wirklich überrascht, das ein digitales Set so klingen kann. Klar, verdrängt ein guter Sound immernoch Luft, aber ich bin davon überzeugt, dass findige User mit Soundergebnissen aufwarten können, die bei dem ein oder anderen Schlagzeug-Experten für ungläubige Blicke sorgt.

Ob die digitalen Drumsets es nun auf die große Showbühne schaffen oder nicht, in jedem Fall sind sie eine gute Alternative für Studios und Leute, die darauf angewiesen sind in den eigenen vier Wänden möglichst lautlos zu trommeln. Und es muss ja nicht immer das Set für 5000 Steine sein.

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