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CDs zum Dumping-Preis

2010.10.26_CDWarner_Technik_AufCDs sollen bald weniger als einen Euro kosten – zumindest wenn es nach Ex-Warner-Music-Chef Rob Dickens geht. Wie Ultimate Guitar berichtet, ließ Dickens in der vergangenen Woche verlauten, dass man auf diese Weise den “Impuls-Kauf” von CDs anregen und somit deutlich mehr Exemplare unters Volk bringen könnte. Gleichzeitig würden auch die Absatzzahlen von Merchandise-Artikeln und Konzertkarten positiv beeinflusst. Ein Vorschlag, der zunächst kurios klingt und vor allem bei den Plattenfirmen auf wenig Gegenliebe stößt.

Die fürchten natürlich um ihre Einnahmen und auch der Konsument dürfte sich etwas verschaukelt vorkommen, wenn er plötzlich nur noch einen Euro für ein Produkt zahlen soll, für das er zwanzig Jahren teures Geld bezahlt hat. Wo bleibt da der Moment der Errungenschaft? Dieses wohlige Gefühl, ein Qualitätsprodukt erworben zu haben, in das andere ihr ganzes Herzblut gesteckt haben. Und jetzt soll eine CD plötzlich ein Fünftel einer Schachtel Zigaretten kosten? Schon komisch.

Wenn man die erste Phase der Widerstands aber mal überwunden hat und konstruktiv nachdenkt, scheint Dickens Vorschlag gar nicht mehr so widersinnig. Schließlich ist die gute alte CD schon lange nicht mehr die primäre Einnahmequelle der Musikindustrie. Bands wie KISS setzen am Merchandise-Stand ein vielfaches ihrer CD-Verkäufe ab. Schließlich ist die Gene-Simmons-Actionfigur auch gleich fünfmal so teuer wie jedes KISS-Album und macht sich darüber hinaus auch noch hervorragend über dem Kamin. Eines der größten und renommiertesten Festivals der Welt trägt inzwischen den unsäglichen Namen “Download-Festival”.

Und warum? Weil heut zu Tage jeder mit seiner digitalen Musikbibliothek in der Hosentasche rumläuft und diese bequem per Mausklick auffüllt. Wer käuft denn heute noch CDs?Bezeichnend dafür ist die Tatsache, dass im letzten Jahr der Plattenladen meines Vertrauens seine Tore für immer schließen musste. Jetzt wohnt da ein Solarium. Toll. Und auch ich shoppe jetzt brav bei Amazon. Vielleicht ein Album im Monat und dann auch nur wenn ich der Meinung bin, dass es sich auch wirklich lohnt.

Doch was wäre jetzt, wenn es jede erdenkliche CD für 1,50 Euro zu kaufen gäbe? Da würde man doch garantiert eher mal zuschlagen, oder? Auch bei Bands, die einen nicht schon Jahre lang begleiten und vielleicht würde ich sogar den Risikokauf eines neuen Bon-Jovi-Albums eingehen, in der Annahme dass für einen Euro ja nicht viel schiefgehen kann. Okay, der Jon Bon ist auf meinen Euro jetzt nicht wirklich angewiesen, aber vielleicht die ein oder andere Nachwuchsband, wenn sie feststellt, dass es noch 100.000 weitere Leute wie mich gibt. Damit nicht genug: Der Blick in mein Portemonnaie sagt mir: “Alter, du hast ja noch Geld!” Und vielleicht überlege ich mir ja dann mal wieder auf ein Konzert zu gehen oder mir die besagte Gene-Simmons-Actionfigur zu kaufen.

Also gar nicht so dumm der Plan des Herren Dickens. Ob das allerdings in der Praxis durchsetzbar sein wird, bleibt fraglich. Und ob dadurch die Wende vom Download zurück zur CD eingeleitet werden kann, ist unwahrscheinlich. Der Mensch ist schließlich bequem. Aber gerade weil das Thema so vage ist, möchte ich den Vorschlag mal zur Diskussion stellen. Würdet ihr wieder mehr CDs kaufen? Gehört ihr auch zu den Leuten, die gerne in Booklets blättern und einen vollen CD-Schrank mehr schätzen als eine volle Festplatte? Oder bedient ihr euch lieber den zweifellos vorhandenen Vorteilen des Downloads?

Dennis | 27. October 2010, 00:13

Also ich finde die Sache net schlecht da würde ich sicher auch mal wieder mehr Cds kaufen gehn, allerdings ist dann doch auch die Frage was dann beispielsweise der Download eines Titels kosten soll?

Stand heute liegen wir zwischen 0,99 € und 1,20€ für ein Lied. Es ist schwer vorstellbar das dann ein Titel noch 0,10 € kosten soll aber anderweitig würde sich das ja dann auch nicht mehr rechtfertigen lassen.

Vieleicht wäre das ja aber der eher bessere Ansatz, die Preise für Downloads rapide zu senken und dafür dann die CD mit feinem Booklet für den alten Download Preis anzubieten sprich für so um die 10 – 12 €….

Generell ist es zumindest bei mir so, dass ich durchaus bereit bin für eine Band von der ich “Fan” bin auch die CD zu kaufen, bei Bands die ich nicht sooo pralle finde oder wo es mich einfach mal interessieren würde wie die so klingen bin ich dazu nicht bereit.
Für 10cent pro Titel könnte man sich aber durchaus mal überlegen was zu laden…

Gruß
Dennis

Sebastian Bach | 27. October 2010, 08:49

Hallo Dennis,

folgt man der Dickens-Argumentation, wäre es aber doch eigentlich gerade sinnig die Preise für Downloads zu ERHÖHEN, um die CD wieder attraktiver zu machen. Es ist ja im Prinzip auch ein Vorschlag, der sich gegen Internetpiraterie wendet und illegale Downloads bekämpfen soll. Wäre der Kram also unqualifiziert teuer, könnte man mit Sicherheit den ein oder anderen zurück zur CD bewegen. Und die Ferrari-Fahrer von Sony BMG könnten auch wieder ein paar Einnahmen generieren.

Ich habe dem Download völlig abgeschworen, da es für mich nicht die Art ist wie ich gern in den Besitz von Musik komme. Ich will das Zeug auf meiner Anlage hören und nicht im totkomprimierten MP3-Format. Und ich finde es der Musik irgendwie unwürdig, wenn man sie sich runterladen kann wie ein Firefox-Update. Außerdem sieht eine CD im Regal doch viel schöner aus, als eine Festplatte. ;-)

Gruß,
Basti

Onkel Lü | 19. November 2010, 22:44

Es begab sich zu einer Zeit, es war in den 80ern, da schickte sich die CD an, den Markt zu erobern und die LP zu verdrängen. Die Preise für CDs waren niedriger, als für LPs, und das, obwohl die CD-Produktion enorm umständlich und teuer war. Da gab es eine Pressemeldung, daß EMI die Preise für CDs drastisch erhöhen will. Ich kann mich erinnern, daß plötzlich eine brandneue QUEEN CD 49,99 DM kostete. Im Vergleich zu DM 19,99 für Vergleichbares, brandneues Starzeugs.
Ich fand diese gezielte Preistreiberei kacke und habe mir seitdem keine einzige CD mehr gekauft. Okay, ich war musikalisch sowieso wie tot, aber glücklich mit den CDs die ich hatte. Die neueste war, glaube ich, U2-Joshua Tree.
Gebracht hat der Boykott nix, aber ich fühle mich wohl ;)
Bei gesenkten Preisen, könnte ich mir vorstellen, wieder zum CD-Käufer zu werden.

Nur mal so’ne Meinung

Rock On

Onkel Lü

Sebastian Bach | 20. November 2010, 10:52

Ich erinnere mich auch noch daran, für irgend ‘ne dämliche Bravo-Hits um die 50 Mark bezahlt zu haben. Inzwischen kosten die Dinger knapp 18 Euro. Eigentlich viel zu viel für den Scheiß, der da drauf is. Aber damals war ich noch jung und unerfahren… ;-)

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