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Besungenes Frankfurt

2010.09.07_Holl_aufRalf Holl liebt Musik. Mehr noch, sie ist für ihn ein „wesentlicher Bestandteil unserer Kultur“. Das könnte er jetzt einfach so stehen lasen und sich gemütlich zurücklehnen. Wer würde ihm widersprechen? Aber Holl ist keiner, der sich mit großen Worten zufriedengibt. Der 52-Jährige möchte aktiv die regionale Musikszene fördern. Dafür hat der Frankfurter soeben das Musiklabel Areal Artist gegründet. Übersetzt heißt das ungefähr: lokale Artisten.

Sein erstes Projekt: eine CD mit Frankfurter Liedern zusammenstellen. Holl sucht Bands, Künstler, Songschreiber, die einen bislang unveröffentlichten Titel zur Stadt Frankfurt komponiert haben. Oder noch komponieren werden. Der Stil sei nicht entscheidend. Rock, Heavy Metal, HipHop oder Schlager – alles sei willkommen.

Die Stücke müssten auch nicht fertig produziert sein. „Dafür haben wir ja ein Tonstudio“, sagt Holl. Es sei lediglich wichtig, originelles Songmaterial zu liefern. Natürlich mit Frankfurt-Bezug. Eine Jury wähle dann etwa zwölf Stücke für die CD aus. Dazu sollen sich ein paar überarbeitete Klassiker gesellen und fertig sei die „Hommage an Frankfurt“.
Einsendeschluss für die Aufnahmen ist Montag, 6. Dezember. Die CD „Frankfurter Lieder“ erscheint voraussichtlich im April 2011.

Aus der Rock- in die Technoszene

Die Idee zum Frankfurt-Sampler trägt Holl schon eine ganze Weile in sich. Der bekennende Eintracht-Fan hat bereits drei CDs mit Stücken herausgebracht, die sich dem Fußballverein Eintracht Frankfurt widmen. Nun sollen die Lieder für die ganze Stadt folgen. Der CD möchte Holl zudem noch eine DVD beilegen. Mit Andreas Heller dreht er einen Film über das „kleinste Dorf der Welt“. Der soll Frankfurt von seinen außergewöhnlichen Seiten zeigen. Mit Heller hat er übrigens auch eine packende Eintracht-Doku gedreht.

„Frankfurter Luft“ ist Holl nun einmal wichtig. Vor allem die Gegensätze haben es ihm angetan, die Kombination aus Natur und urbanem Leben. „In den Oberräder Feldern stehst Du mitten auf dem Land. Und nur fünf Kilometer weiter liegt das Hochhauszentrum Deutschlands“, sagt Holl schwärmerisch.

2010.09.07_Holl_2Frankfurt sei zwar keine Metropole wie Berlin oder London. Aber eine internationale Stadt. „Wir haben hier schon multikulti gelebt, da wussten die anderen noch gar nicht was das ist.“ Ganz abgesehen von den unzähligen Freizeit-Möglichkeiten, die Frankfurt biete. „Leute von außerhalb beneiden uns darum“, findet Holl. Immerhin sei „hier der Techno mitgeboren worden“.

Damit kennt er sich aus.  In seiner Jugend studierte Holl Schlagzeug, spielte in verschiedenen Bands – meist New Wave oder Rock. Doch als eine neue Form der Musik in Frankfurt erschien, wechselt er das Fach. Er wird DJ.
Anfang der 1980er legt Holl im Dorian Gray auf, von 1984 bis 1990 in der Music Hall. Ab 1992 beginnt er, elektronische Musik selbst zu produzieren. Aus dieser Zeit datiert vermutlich auch sein Unbehagen gegenüber den großen Plattenfirmen. Jahrelang sei er mit eigenen Titeln von Tür zu Tür gegangen und stets habe er zu hören bekommen: „Mach’ das doch mal so wie der und der.“ Für Holl ein widersinniger Gedanke: „Die gab’s doch schon.“

Talente langfristig fördern

Mit dem Label „Areal Artist“  möchte er das nun anders handhaben. „Wir wollen den Leuten eine Chance geben, sich zu entwickeln“, sagt er.  Viele Plattenfirmen seien nur auf kurzfristige Gewinne aus, setzten darum auf bewährte Erfolgs-Muster. „Da hat die Musikindustrie Mist gebaut.“

Dazu kämen die Fernseh-Formate wie „DSDS“ oder „Popstars“, die  Musik verramschten. „Sie gaukeln den Leuten vor, man braucht ja gar nix zu können.“ Der Computer könne aber nicht alles reparieren. „Zum Superstar wirst Du nicht gewählt. Superstar wirst Du nur über harte Arbeit.“

Und bei dieser Arbeit soll „Areal Artist“ die angehenden Superstars unterstützen. Holl will jungen Künstlern aus der Rhein-Main-Region die Möglichkeit geben, Stücke unter Profi-Bedingungen aufzunehmen – ohne Profi-Gehälter oder Mieten für Tonstudios oder -Ingenieure zahlen zu müssen.

Ralf Holl will Kontakte herstellen und bei der Vermarktung helfen. „Ich glaube an die Qualität der hessischen Musikszene“, sagt er. Ein Rundumsorglos-Paket soll sein Angebot aber nicht sein. „Disziplin und Engagement gehören schon dazu.“

Hier geht es zu einer kleinen Liste bereits existierender Frankfurter Lieder.

Zur Ausschreibung hier lang.

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