0

20 Jahre Nevermind

Spencer Elden schämt sich wahrscheinlich bis heute noch in Grund und Boden. Schließlich ist es für einen inzwischen Zwanzigjährigen ziemlich uncool, wenn mehr als 10 Millionen Menschen ein Nacktfoto von dir im Plattenschrank haben. Damals, am 23. September 1991, als man ihn kurzerhand nackend in einen Swimming Pool schmiss und für ein Plattencover einer verranzten Grunge-Band ablichtete, konnte er freilich noch nicht absehen, was das für Konsequenzen haben würde.

An jenem Tag erblickte ein Silberling namens Nevermind das Licht der Welt. Ein Album, das kam, um sie zu knechten, sie alle zu finden und zu Sklaven des Grunge zu machen. Ein gewisser Kurt Cobain schrammelte schreiend auf seiner Gitarre herum und konstatierte, dass es in jenen Tagen ziemlich nach Teenagern roch. Und Kollege Grodensky hatte noch lange Haare.

Die Jugend der frühen Neunziger war musikalisch frustriert, hatte sie doch über ein Jahrzehnt Achtziger-Synthiepop und ktischigen Bombast ertragen müssen. Nirvana machten jenen Overkill zum Feindbild. Affektiertes Gehabe verschwand von der Bühne, Freddy-Mercury-Gedenkoutfits wichen zerschlissenen Bluejeans und ausgewaschenen Hemden – der Grunge stand vor der Tür und machte handgemachte Musik wieder salonfähig. Bei MTV (einst ein Musiksender) soll man zu dieser Zeit überlegt haben, “Smells Like Teen Spirit” in 24-Stunden-Rotation laufen zu lassen, um Kosten zu sparen. Sowohl das Video als auch der Song sind auch zwanzig Jahre später immer noch Champions League – authentischer, aggressiver, ehrlicher geht es einfach nicht.

Nirvana – “Smells Like Teen Spirit”

YouTube Preview Image

Viele machen allerdings den Fehler, Nirvana, jene Einstiegsdroge in die Welt der harten Musik, nur mit diesem Track zu identifizieren. Liebe Kinder, wie viele geile Songs haben Nirvana denn bitte geschrieben????!!! Lithium, In Bloom, On A Plain, Come As You Are, Plateau, All Apologies, Rape Me, die Liste ist schier endlos. Es gibt wahrscheinlich keine Band jüngeren Datums, die sich nicht schon irgendwann mal erfolglos an einem Nirvana-Song versucht hat.

Der Einfluss von Nevermind lässt sich aber nur schwer allein auf die Musik reduzieren. Vielmehr handelte es sich hier um ein gesellschaftliches Phänomen: Millionen Teenager fühlten sich plötzlich verstanden, Cobain sprach ihnen aus der Seele. Jene Outsider, Sonderlinge und Anti-Popper, die man vorher auf Grund ihrer Unangepasstheit verdammt hatte, hatten plötzlich eine Stimme. Eine ähnliche Eigendynamik entwickelten nur die Beatles oder Elvis.

Umso schlimmer, dass der Funke, der diese Bewegung auslöste, drei Jahre später erlosch. “It’s better to burn out than to fade away” lauteten Kurt Cobain’s schicksalhafte Worte, die er auf einen Zettel schrieb, bevor er seinem Leben mit einer Schrotflinte ein Ende setzte. Cobain war ein gefallener Engel, ein pychisches Wrack, das der Musikwelt etwas gegeben hatte, das er selbst nicht hatte – einen Sinn.

Nevermind ist der Zenith seines Schaffens, eine Art Vermächtnis, sein Leben so zu leben wie es einem passt, auch wenn gerade alles Scheiße ist und vor allem: sich nichts vorschreiben zu lassen. Trotz der Depression, die vielen Nirvana-Songs innewohnt, transportieren sie Hoffnung – die Hoffnung, dass man nicht allein auf der Welt ist mit seinem Zorn. Und dass alles vorbei geht solange man die richtige Musik am Start hat.

Kategorien: News
Schlagworte: , , , , ,

Unsere Partner

Binding

Medienpartner

RheinMain TV Radio BOB! Waldeckische Landeszeitung Frankenberger Zeitung Blitztip Äppler

Partner

Musik Messe Session Music Whiterooms Tonstudio Frankfurter Rundschau Online Frankfurter Rundschau Shop Hessen Shop Die Frankfurter Rundschau auf dem iPad

Tickets

Frankfurter Rundschau Ticket Shop

Car Partner

Autohaus Luft Eschborn