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Schmähtallica und Schmuh Reed

Wenn eine Band wie Metallica ein neues Album herausbringt, sind die Meinungen immer gespalten: Von der Reinkarnation des Speed-Metal über die Zugrabetragung ist in den Kritiken meist von allem die Rede, was das deutsche Vokabular so an Schmähungen und Lobpreisungen hergibt. Man kann es eben nicht allen Recht machen und gerade wenn man einen alten Velvet Underground-Kiffer aus der Gruft holt und mit ihm ein Album macht, ist das Remmidemmi schon vorprogrammiert.

Seit dem 28. Oktober steht Lulu nun schon in den Läden und bis jetzt weiß man noch nicht so recht was man davon halten soll. FR-Autor Jens Balzer bezeichnet das Album als Sadomasomusik mit bleibendem Wert, Christian Bartlau vom Nachrichtensender ntv spricht von der Albtraumhochzeit des Jahres. Laut einem FR-Bericht vom 4. November, sprechen manche Metallica-Fans überhaupt nicht – sie versenden lieber Morddrohungen an Lou Reed.

Dass Lou Reed komische Musik schreibt, die kein Mensch versteht, sollte eigentlich zu jedem durchgedrungen sein. Sämtliche seiner Stücke und Zyklen, die er nach dem Ende von Velvet Underground veröffentlichte, waren für mich Mucke für bekiffte Kunststudenten. Das heißt nicht, dass es primär schlechte Musik wäre, es heißt nur, dass ich sie nie verstanden habe, was unter Umständen auch an mir selbst liegt. Vereint man solche Musik also mit einer populären Metal-Band MUSS einfach etwas komisches rauskommen – das kann und darf gar nicht anders sein!

Viele Oberschlaue warfen Metallica immer vor, kommerziell geworden zu sein. Hier ist nach St. Anger ein weiterer Gegenbeweis! Wenn das nicht unkommerziell ist, dann weiß ich’s echt nicht. Manche nennen diesen Musikstil “avantgarde”, derweil ich immer noch herauszufinden versuche, ob das was da in meine Gehörgänge dringt überhaupt Musik ist.

Lulu entspringt Reed’s Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Robert Wilson; mit diesem hat er im vergangenen Frühjahr das gleichnamige Stück von Frank Wedekind am Berliner Ensemble herausgebracht. Das Resultat hat dementsprechend mit klassischem Metallica-Material genau nichts gemein.

Im Song Brandenburg Gate thematisiert Reed seine Eindrücke im Angesicht des Berliner Wahrzeichens. Die sind weiß Gott nicht alltäglich. Oder verspürt sonst noch jemand das Bedürfnis, sich die Beine abzuhacken, wenn er auf dem Potsdamer Platz herumgeistert? Des Weiteren spricht Reed über geschrumpfte Nutten. Ähhhm, ja. Hier wären wir wieder bei dem Thema warum mir der Sinn der meisten Reed-Kompositionen etwas abhanden kommt.

Zudem fehlt es den Songs oft an jeglicher Melodie und Dynamik, sie plätschern einfach so dahin. Reeds Gesang ähnelt eher einem Mantra und bietet sehr wenige Anhaltspunkte. Ganz und gar nichts für den gelösten Heimweg von der Arbeit. Dass da Metallica an den Instrumenten stehen, blitzt nur hier und da mal auf, wenn die Songs etwas mehr Druck entfalten. Aber eigentlich hätte man dafür auch jede andere Band nehmen können. Das hätte dann aber wohl keine Seele interessiert und wesentlich weniger Geld in die Kifferkasse gespült.

Überhaupt ist das Album für mich ein Lou Reed-Album mit Metallica als Begleitband und keineswegs ein Metallica-Album. Deshalb ist jede Aufregung von Metallica-Fans absolut unbegründet. Wenn man nach 30 Jahren Metal mal etwas anderes machen und einem alten Freund etwas Gutes tun will, ist das kein Verbrechen. Seht es als Studioprojekt. Lulu ist keine CD für Metalfans, es ist ein Album für Lou Reed-Fans und die kommen hier bestimmt auf ihre Kosten. Alle anderen sollten sich lieber die Death Magnetic reinziehen und darauf warten, bis Metallica wieder etwas Eigenes an den Start bringen.

Wer sich die Songs trotzdem mal anhören will, kann das hier tun.

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Geo | 08. November 2011, 16:44

…nicht ein einziger Mausklick für diese musikalische Diarrhø!

Basti | 08. November 2011, 17:30

:D Ein weiterer Begriff, mit dem man dieses Album prima umschreiben könnte.

Onkel Lü | 08. November 2011, 21:28

Beavis & Butthead hatten doch auch so ‘ne Kumpeline… Diarhea oder so :D

Onkel Lü | 08. November 2011, 21:30

Da fällt mir was aus einem meiner Lieblingsfilme ein:
“Geriebene Krümelkacke”

Colin | 07. December 2011, 23:17

ich konnte nur hier und da mal reinhören, oh mein gott. das kann ich mir nicht antun. gesang ohne tune und rhythmus ohne bezug zur musik. mann oh mann. ach so, hab vergessen das es kunst ist. aber ist ja auch kunst ne wand mit 5kg butter zu beschmieren.

Dieter | 08. December 2011, 00:08

Colin – beruische disch!!!
Unsern Walter hat’s gehört und gesacht, lass doch die Bube, wenn’s doch Spaß macht. Ich hab nur gemeint, dass das auch schon alte Säcke sind, die Mellaticka-Kerle – von wesche Bube – ha! – aber der Walter hat halt auch so sein Kopp…
Auf der annern Seit: Man muss ja auch net jeden Kram mitmache!
Jetzt im Ernst: Deep Purple in Montreux 2011 – hui! Und die letzte Yes – meisterhaft! Da brauch ich das da oben nicht! Gar nicht!

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