Ich geb’s ja zu. Eigentlich bin ich kein großer Fan der Punkmusik. Das liegt aber nicht daran, dass die heutigen Bands schlecht wären oder es zu wenige davon geben würde. Im Gegenteil: Wer sich in den deutschen Universitätsstädten herumtreibt, wird feststellen: Es gibt eigentlich viel zu viele davon. Das Problem ist nur, dass sie sich fast alle gleich anhören. Das ein oder andere Juwel findet sich noch im Ska-Bereich – Musik, die gute Laune verbreitet, ohne dass man sich großartig mit den Songs auseinandersetzen muss.
Der Ursprungsgedanke des Punks war es jedoch nicht, gute Laune zu verbreiten, sondern das genaue Gegenteil zu bewirken: Man wollte die Gesellschaft aufrütteln, anstacheln und zur Gesellschaftskritik animieren. Kommerzielle Erfolge wurden mit diesem Konzept in den letzten Jahren jedoch sehr wenig gefeiert. Es dominierte der amerikanische Fun-Punk, der für mich eine der furchtbarsten Musikrichtungen überhaupt ist. Wie ich unlängst festgestellt habe, lag ich mit meiner These, es gebe keinen vernünftigen Nachfolger für Genre-Ikone Bad Religion gründlich falsch.
Der Name der Band: Rise Against. Bislang von mir, völlig zu Unrecht, ignoriert. Da trifft es sich gut, dass die vier Herren aus Chicago am 11. März mit einem neuen Album um die Ecke kommen. Das nunmehr sechste Studio-Album der Band heißt Endgame und ist gespickt mit hervorragender Musik, intelligenten Texten und einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik. So stelle ich mir ein modernes Punk-Album vor.
Eine besondere Würdigung verdient der hervorragende Sound – selten habe ich in diesem Genre einen so ausgewogenen, knallenden Klang erlebt. Und auch das, was Rise Against an ihren Instrumenten und am Gesang abliefern ist richtig gut. Irgendwie finde ich ja, dass Sänger/Gitarrist Tim McIllrath gerade in den hohen Passagen ein bisschen so klingt wie Maynard James Keenan von Tool. Besonders gut zu hören ist das auf dem Song “Broken Mirrors”, der für einen Punk-Song fast schon ungewöhnlich langsam ist. Auf Youtube findet sich lediglich ein 90-Sekunden-Preview des Songs. In der Regel reichen jedoch 90 Sekunden, um einen guten Song von einem schlechten Song zu unterscheiden. Der hier ist ein guter.
Rise Against – “Broken Mirrors”
Als weiteres 90-Sekunden-Beispiel habe ich mir mal den letzten Track des Albums gekrallt. Der heißt passenderweise “Endgame” und ist ein würdiger Schlusstrack. Die Strophe erinnert in Sachen Melodie und Geschwindigkeit ein wenig an Offspring – zumindest zu Americana-Zeiten nicht die schlechteste Referenz in Sachen US-Punk. Der Refrain flacht für meine Begriffe dann etwas ab und nimmt dem Song etwas Energie. Aber ich habe ja auch nur 90 Sekunden des Songs gehört, deshalb will ich mir kein endgültiges Urteil erlauben.
Rise Against – “Endgame”
Jetzt aber mal zu einem Song, den es tatsächlich in voller Länge auf die Ohren gibt. “Help is on the way” ist ein hoch-gesellschaftskritischer Song, der den amerikanischen Umgang mit dem schwarzen Gold und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zum Inhalt hat. Im Text heißt es: “Choking on the black gold, upon which we rely, we keep axes in the attics, to see cameras in the sky.” Den ganzen Song über ist die “Hilfe auf dem Weg.” Und natürlich kommt am Ende alles mögliche, nur keine Hilfe.
Rise Against – “Help Is On The Way”
“Das Album dreht sich um den Zerfall der Zivilisation: Kriege, Hungersnöte, die Finanz- und Umweltkrise bilden den Hintergrund, vor dem wir die Frage stellen, was an dieser Welt, die wir geschaffen haben, gut sein soll, und ob es überhaupt sinnvoll ist, sie zu retten”, schreiben Rise Against auf ihrer Homepage. Hier schwingt der Ur-Punk also wieder ein bisschen mit und die Musik ist auch noch gut. Ich glaube, ich werde am 22. März mal in die Phönixhalle in Mainz fahren, um mir diese Band mal live anzuschauen. Ach Mist, da bin ich ja bei Black Label Society. Na dann auf jeden Fall beim nächsten Mal.

Kommentiere diesen Artikel















