Alexander Haas ist ein visueller Typ. „Ich beobachte sehr viel.“ Er sei aber kein Paparazzo, das möchte er betonen. Haas ist ein Mensch, der seine Augen offen hält und sich nicht von Vordergründigem blenden lässt. „Ich habe Spaß daran, Sachen zu entdecken“. Am liebsten entdeckt Haas auf Live-Veranstaltungen, im Theater, auf Kleinkunstbühnen oder auf Konzerten. Sein Entdecker-Werkzeug: die Filmkamera.
Haas ist in der Rockszene Rhein-Main kein Unbekannter. Wenn es um Livemusik geht, ist er oft mit am Start – sei es als Beleuchter, als Filmer oder als einfacher Zuschauer. Die Frage nach seinem Geburtsjahr ignoriert er elegant. Aber seit 13 Jahren wohnt er nun in Hessen, so viel ist sicher. Den schwäbischen und badischen Akzent seiner Schulzeit (in etwa halb/halb) hat er in der Zeit aber nicht abgelegt. „Der hessische Dialekt ist nicht so stark, dass er an erste Stelle treten wird“, sagt Haas dazu in seiner unnachahmlichen reflektierten Art.
Der Weg zum Bild
Nicht nur die Sprache hat ihn in Jugendtagen entscheidend geprägt. Zu seinem 13. Geburtstag schenkt ihm der Vater eine Spiegelreflex-Kamera. Schon bald macht er Bilder, die über „bloße Familienfotos hinausgehen“. Haas erspäht das Detail. Das Ungewöhnliche, das Einzigartige einer Situation. Aber ein einziges Bild reicht ihm nicht, um diese Situationen festzuhalten. Haas beginnt zu filmen, auf Super-8. In der Schule stellt er ein eigenes Filmprojekt auf die Beine. Das Ergebnis ist aber „nicht vorzeigbar“.
Haas ist eben ein kritischer Mensch, auch sich selbst gegenüber. Aus der Leidenschaft fürs Filmen einen Beruf zu machen, kommt ihm gar nicht in den Sinn. „Ich bin vom Typ her nicht der Künstler“, sagt er dazu. Der Mensch Haas möchte nicht unter dem Druck stehen, seinen Lebensunterhalt mit dem Filmen verdienen zu müssen. Er möchte nicht davon abhängig sein, wie andere sein Werk beurteilen. Darum ist er nicht Künstler, sondern Fachkraft für Veranstaltungstechnik geworden.
Dort kann er seine Stärken einbringen – etwa in der Beleuchtung. Und beschäftigt sich mit Musik, „die mir schon immer nahe lag.“ Wie alle Teenager verfällt Haas in Jugendjahren der Popmusik. Freunde nehmen ihn mit zu Konzerten. Der Unterschied zu anderen jungen Menschen ist nur: Haas fängt die Konzerte mit der Kamera ein, ein Akt der Interpretation, der Aneignung von Kultur. Diese kreative Seite lebt er heute noch aus – eben als Filmemacher. In seiner Freizeit. Ende der 90er steigt er voll ins Filmen ein – „als die Ausrüstung bezahlbar wurde.“
Mittendrin mit Mittelklassewagen
Haas dreht am liebsten auf Konzerten von Rockbands. Sein Künstlername: Nodeoland. Bei Konzerten kommt alles zusammen, was ihm gefällt. Das rohe spontane Auftreten wilder Musiker, gepaart mit der energetischen, rebellischen Musik. Überspitzt formuliert: Blut, Schweiß und Tränen. Haas dreht aber nicht verwackelte Filmchen mit der Handkamera. Er setzt meist fünf Kameras ein. Seine Ausrüstung entspricht vom Wert her „in etwa einem Mittelklassewagen“.
„Die Leute sollen sich das Video ja auch zuende anschauen“, findet Haas. Und nicht nach 30 Sekunden entnervt aufgeben, weil sich der Filmer keine Mühe gegeben habe. Er folge damit auch nur dem Beispiel der Band. „Die muss sich in ihrer Performance ja auch anstrengen, sonst denken sich die Leute, die geben sich keine Mühe.“ Haas selbst hat da einen gewissen Anspruch an die musikalische Unterhaltung: „Eine Laienspielgruppe, die in Straßenklamotten auf die Bühne geht und genauso auftritt wie im Proberaum sehe ich mir nicht so gerne an.“
Licht und Perspektive müssen stimmen
Den hehren Anspruch formuliert er aber nicht nur großspurig an andere. Er legt die Messlatte für sich selbst ebenso hoch an. Haas kann eine ganze Reihe von Dingen aufzählen, die es beim Live-Musikvideodreh zu beachten gilt: „Die Ausleuchtung ist elementar wichtig“, sagt Haas. In englischen Clubs würden die Künstler oft nur von hinten angestrahlt. „Das gefällt mir nicht, ich will doch das Gesicht des Sängers sehen.“
Die richtige Perspektive gelte es zu finden. „Viele Anfänger begehen den Fehler begehen, die Perspektive zu wählen, die ohnehin alle Zuschauer teilen.“ Aus Kopfhöhe im Publikum stehend nämlich. „Das ist aber gar nicht so interessant“, findet Haas. Er sucht sich deswegen mehrere Blickwinkel, dreht aus der Froschperspektive oder von oben auf das Geschehen schauend. Gerne auch mal von der Seite. So bekommen die Zuschauer etwas zu sehen, das ihnen auf Konzerten sonst verborgen bliebe.
Überhaupt müsse ein Filmer auch die Reaktionen des Publikums einfangen. Einfach, um zu zeigen, welche Emotionen die Band transportiere. Auch, wie die Bälle hin- und herflögen. „Nicht nur die Band lässt das Publikum reagieren, das Publikum animiert ja auch die Band.“ Manchmal versucht Haas auch, im Film die Texte der Band umzusetzen.
Das wichtigste sei aber bei aller Fantasie beim Dreh: den Song als Ganzes zu sehen. Um den Zuschauer die vollen vier oder sechs Minuten das Video verfolgen zu lassen, bedürfe es eines Spannungsbogens. „Nicht gleich am Anfang das ganze Pulver verschießen“, rät Haas. Lieber ein paar neue Perspektiven fürs Finale aufheben, oder in eine schnellere Schnittfrequenz übergehen.
Die Leute zum Ausgehen animieren
Für einen Filmer, der kein Künstler sein mag, sind das ziemliche Auflagen. Haas produziert seine Clips aber auch nicht für sich alleine, nur um sich kreativ auszutoben. So ein bisschen eine kulturelle Mission verfolgt er eben auch. Einmal möchte er natürlich befreundete Bands unterstützen, die mit seiner Hilfe ansprechende Videos auf ihre Internetseiten stellen können.
Außerdem liegt ihm eben die Live-Kultur am Herzen. „Ich möchte die Leute anspornen, selbst mal wieder auf ein Konzert zu gehen“, sagt Haas. Am Freitag, 27. November, wäre dazu eine gute Gelegenheit. Haas zeigt seine Werke im Waggong am Offenbacher Mainufer. Eine gute Mischung aus nagelneuen Videos und ein paar seiner Klassiker soll es werden. Dazwischen spielen Esther & The Painkillers und Carsten Jägler solo.
Bornheim – Alex Haas filmt die Bornheim Bombs

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Der Steckbrief klingt ja mal nach einer ganz unkomplizierten und interessanten Type mit höheren Zielen außerhalb des Mainstreams. Könnte mir vorstellen mich bei einem gepflegten Bier, ohne Probleme, stundenlang unterhalten zu können!!!
Schade, dass er lediglich beobachten, aber nicht interpretieren kann. Er scheint mir sehr oberflächlich, unsere Band lässt sich nicht von ihm filmen..
Offensichtlich kann er sich keinen Haarschnitt leisten.
Hi Alex,
alles Liebe und Gute zum Geburtstag, grüß mir den Robbi