Der musikalischste Ex-Bordellbesitzer Deutschlands hat ein neues Album am Start: Ab Freitag, 23. April steht Axel Rudi Pells 16. Studiowerk ”The Crest” in den Läden. Der Titel lässt bereits erahnen, dass der Mann mit der weißen Strat nichts von seinem Selbstbewusstsein eingebüßt hat: The Crest bedeutet zu Deutsch “der Gipfel” oder “der Höhepunkt”, was als Anspielung auf seine erfolgreiche Karriere gedeutet werden kann.
Nach dem Scheitern seiner ersten Band Steeler entschloss sich der Wattenscheider im Jahre 1989 eine Band zu gründen, die fortan seinen Namen tragen sollte. Das Debüt-Album “Wild Obsessions” (1989) trifft besonders in Deutschland und Japan auf fruchtbaren Boden. Die tiefmelodischen Songs überzeugen mit hymnischen Refrains und mitreißender Instrumentalarbeit. Kein Wunder, schließlich war die Band schon damals hervorragend besetzt: Neben Ausnahmeschlagzeuger Jörg Michael (Mekong Delta, Running Wild, Stratovarius, Saxon), zupfte Jörg Deisinger von Bonfire den Bass und auch Gesangs-Ikone Jeff Scott Soto durfte auf späteren Alben mal ans Mikro.
Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen Melodic-Metal und Hardrock, ganz wie Pells große Vorbilder von Deep Purple und Rainbow. Fernab von den gitarristischen Eskaparden eines Ritchie Blackmore, reduziert er sein virtuoses Gitarrenspiel allerdings auf das Wesentliche und spielt betont songdienlich. Schnelle Gitarrensolos hört man nur selten, dafür fügen sie sich hervorragend in das Gesamtbild ein und wirken nie aufdringlich oder unpassend.
Carousel vom Album Oceans of Time (1998)
Forever Angel (Oceans of Time)
The Crest – das neue Album
Auf “The Crest” setzen Axel Rudi Pell erneut auf bewährte Kost. Der Meister selbst findet: “The Crest klingt absolut typisch für mich und meine Band. Auf eine gewisse Weise gehen wir mit den Stücken sogar back to the roots.” Neben dem achtminütigen Opus “Dark Waves of the Sea” und dem Instrumental “Noblesse Oblige (Opus #5 Adagio Contabile)” lässt besonders die Ballade ”Glory Night” aufhorchen, die Klassikern wie “Forever Angel” oder “Oceans of Time” in nichts nachsteht. Das liegt nicht zuletzt an den herausragenden Vocals von Sänger Johnny Gioeli. Kurioserweise haben Pell und Gioeli die Vocals nicht im Studio, sondern per Skype ausgearbeitet. Man geht mit der Zeit in Wattenscheid.
“The Crest” ist übrigens das erste Album, bei dem Pell auch als Producer fungiert. Dass die Kompositionen hier und da etwas kitschig wirken, ist nicht schlimm, sondern gewollt. Melodic-Metal ist schließlich nicht gerade für seine Klischee- und Kitschfreiheit bekannt. Wer Axel Rudi Pell im letzten Jahr auf der Tour mit Heaven and Hell gesehen hat weiß, dass es gerade dieser Hang zum Emotionalen ist, der den Charakter dieser Band ausmacht. Auch in diesem Jahr geht der Fünfer wieder auf Tour. Dem melodischen Metal-Hessen sei an dieser Stelle der 17. Juli ans Herz gelegt, denn da kommen Axel Rudi Pell nach Bad Endbach in das Oxygen. FOREEEEEVER AAAANGEL!!!!

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