
Der Aufbruch zu neuen Ufern bedeutet nicht, das Alte komplett über Bord zu werfen. Wer die neuen Ufer unbeschadet erreichen möchte, muss sich zuvor ein solides Fundament aus Altbewährtem schaffen – ein Gefährt, ein Schiff, einen Lebensentwurf. Sonst ist er haltlos.
Der Frankfurter Band Postaudio (Foto: M. Hüpenbecker) ist der Spagat mühelos geglückt. Auf ihrem neuen (und ersten) Longplayer „Neue Ufer” vereint sie ihre musikalischen Wurzeln und moderne Rockmusik in einem Feuerwerk von acht dreckigen Grunge-Songs mit deutschen Texten. Es ist allerdings ein ziemlich düsteres Feuerwerk, das die vier Anfang bis Ende 30-Jährigen da servieren.
Postaudio sind einer der spannendsten Bands, die sich derzeit in Frankfurt finden lassen. Seit ihren Anfangstagen im Bunker in Goldstein 2003 haben sie sich unaufhörlich weiter entwickelt. Längst haben sie ihren eigenen Stil gefunden: eine moderne Version der Grunge-Musik der 90er Jahre. Düster und getragen, auch mal zartgliedrig oder wuchtig, liefern sie Songs mit viel Dreck ab, die aber immer reichlich Wärme aussenden.
Mein Weg
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Nun gibt es die Neuen Ufer auf CD. „Die Stücke sind ein Querschnitt der letzten fünf Jahre”, erzählt Schlagzeuger Bastian Oberfeld. „Ein langer, teils beschwerlicher Weg. Aber auch ein schöner.” Beschwerlich ist der Weg gewesen, weil Postaudio keine konstruierte Band mit Masterplan sind. Es hat niemand die Band gegründet und sich dann zum Konzept passende Musiker gesucht.

Die Bandmitglieder sind schon seit ewigen Zeiten miteinander befreundet. Drummer Oberfeld und Bassist Vladimir Vambolt haben schon in den 90ern zusammen in der Frankfurter Band „Noun” gespielt. Sänger Christian Hansel und Gitarrist Max Müller kennen sich seit Kindertagen. Die Gruppe hat sich daher einfach im Freundeskreis selbst zusammen gefunden. Das ist nicht immer ganz einfach, weil keine festen Vorgaben existieren, haben die Vier alles immer gleichberechtigt diskutiert. „Das ist manchmal etwas anstrengend”, sagt Oberfeld belustigt.
Auf eines können sie sich aber alle einigen: die Liebe zur Grunge-Musik, wie sie Pearl Jam, Alice in Chains oder Nirvana geprägt haben. „Das war die letze große Revolution in der Musik”, findet Oberfeld. „Grunge war roh und laut, kein Produkt. Grunge kam von jungen Menschen, die ärgerlich waren. Echt und unverfälscht. Das hat man auch gehört.”
Postaudio sind allerdings mehr als ein Abklatsch ihrer Vorbilder. „Wir sitzen auch nicht den ganzen Tag zu Hause und hören uns wehmütig alte Grungeplatten an, sagt Oberfeld. Postaudio haben den Grunge auf eine neue Stufe gehoben – alleine schon über die deutschen Texte.
Sich überlassen im Raum
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In seiner Wortwahl ist Sänger Christian Hansel ein Schmerzensmann in der Tradition eines Kurt Cobains oder Layne Staleys. Bei Postaudio stecken einiges an Bitterkeit und Wut.
Hab’ keine Lust, jeden Schein zu wahren. Muss ich mich erklären können? Zusammen passt sowieso nichts mehr. Was wichtig ist – Du sagst es mir.
Tradition ist eben auch, dass Grunger eher auto-aggressiv als punkig-zerstörerisch daher kommen. Entsprechend ist die Wut Postaudios eher nach innen gerichtet, oft schlägt sie in Trauer und Melancholie um. „Mein leeres Gesicht kann nur schämen sich”, singt Hansel in „Leere”.
Scham allerdings, ist angesichts von Neue Ufer nicht angebracht. Postaudio haben sich selbst ein kleines Monument gesetzt. Nun könnten sie sich gemütlich zurücklehnen oder einfach nur ihrem geregelten Tagewerk in ihren eigentlichen Brotberufen nachgehen. Aber wie das so ist: Eine Band ist nur glüklich, wenn sie live spielen darf.
CD-Release-Party
Das Konzert zur Platte ist am Freitag, 25. Dezember, Einlass 21 Uhr, im Frankfurter Dreikönigskeller, Färberstraße 71. Der Eintritt kostet vier Euro. Den Auftakt macht Singer-Songwriterin Claudia Rudek. Neue Ufer gibt es zu kaufen bei Postaudio im Netz oder in den Frankfurter Geschäften: Musikladen und No. 2.

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sehr schmerzhaft, der Gesang …