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Mehr Schall muss her

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Rainer Lüdicke hat einen Fehler gemacht. Daran knabbert er bis heute. 13 Jahre hat er in seiner Jugend musiziert. Fanfaren gespielt, Trompete, Posaune, sogar Keyboard in einer Tanzband. Dann hat er einfach aufgehört. Seitdem fehlt ihm etwas.

Irgendwie hätten sich damals die Prioritäten verschoben, versucht er zu erklären. Andere Dinge seien vor die Musik getreten: Freunde, Mädchen, die Bundeswehr. Lüdicke könnte sich die schütteren Haare raufen: „Hätte ich damals jemanden gehabt, der mich an die Hand nimmt, hätte ich wahrscheinlich weitergemacht“, sagt er bedauernd.

So eine Hand möchte der 44-Jährige nun anderen Jugendlichen reichen. Mit Freunden und Bekannten hat er dafür sogar einen Verein gegründet: Mehrschall – Verein zur Förderung der Live-Band-Kultur. Die Zielgruppe: „Der musikalische Nachwuchs.“

Das Logo des Clubs sieht aus  wie der Schriftzug eines berühmten Herstellers von Gitarrenverstärkern. Lüdicke hat sich eigens erkundigt. „Das ist kein Problem“, sagt er. So lange das „M“ von Mehrschall nicht die gleichen Bögen wie der Verstärker-Name aufweise. Der Mann hat Nerven. Lüdicke ist  einer, der Bierruhe ausstrahlt. Tagsüber organisiert er das Büro einer großen Frankfurter Kanzlei. Die Anliegen von 30 hektischen Anwälten zu koordinieren schafft er, ohne dabei laut zu werden.

Aber wenn es dann abends um Musik geht, ist es mit der Ruhe vorbei. Dann gerät Lüdicke in Fahrt.
„Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der junge Musiker miteinander in Kontakt treten können“, sagt er über die Pläne von Mehrschall. Die alten Hasen wollen den jungen Hüpfern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und mehr. „Bei vielen klemmt’s am Geld“, sagt Lüdicke.

Preisnachlässe für die Jugend

Die Mehrschall-Macher wollen deswegen bei Musikgeschäften oder Technik-Verleihern Preisnachlässe für ihre jungen Musiker aushandeln. Die Vereinsmitglieder wollen auch Workshops organisieren, vielleicht gar eine offene Bühne oder ein Festival. Das Wichtigste sei allerdings: Kontakte herzustellen.

Lüdicke selbst fühlte sich anfangs etwas einsam, als er in Frankfurt landete. Vor 14 Jahren kam der Dortmunder der Arbeit wegen. „Ein bisschen Heimweh habe ich schon“, sagt er. Nachdenklich schiebt er aber hinterher: „In Dortmund kenne ich mich eigentlich gar nicht mehr aus.“

Das Rhein-Main-Gebiet hat er sich dagegen umso besser erschlossen – über Hessen Rockt, den großen Cover-Wettbewerb der Frankfurter Rundschau. Seit zwei Jahren ist der Ex-Dortmunder Teil der Szene, die sich um den musikalischen Wettstreit herum entwickelt hat. Das spiegelt sich im Mitgliederverzeichnis von Lüdickes Verein wieder. Der Großteil seiner zehn Mitstreiter sind verdiente Hessenrocker.

Mit Spott im Netz hat alles angefangen

Der Beginn dieser wunderbaren Freundschaft ist etwas kurios. Lüdicke stößt im Internet auf die Bandseite von Hessenrocker Paul Pock. Dessen Internetauftritt sieht zu der Zeit reichlich amateurhaft aus. Und weil Lüdicke selber Seiten im Netz gestaltet und die Pock’sche Page ihn ziemlich belustigt, schickt er dem Urheber eine launige Spott-E-Mail.

Nun ist dieser Paul Pock weder auf den Mund noch auf seine Tastatur gefallen. Deswegen frotzelt er via elektronischer Post munter zurück. Das geht eine Weile hin- und her – die beiden Männer kabbeln sich nach Herzenslust und beschließen, sich im realen Leben mal zu treffen. Das geschieht schneller als gedacht. Pock spielt mit seiner Band im Frankfurter Stadtteil Griesheim, wo Lüdicke mit seiner Familie wohnt. Vater und Sohn Lüdicke besuchen das Konzert. Zunächst beäugen sie die rockende Internetbekanntschaft  skeptisch, sind aber bald begeistert. „Wir haben in der ersten Reihe gestanden und gerockt“, erinnert sich der Papa.

Klar, dass Pock und Lüdicke Freunde werden. Der Zwist um die schäbige Internetseite ist vergessen. Nun streiten sie zusammen für eine bessere Welt.

Onkel Lü | 13. March 2010, 14:00

Da sollte doch ein dicker schwarzer Balken sein, wo meine Hackfresse zu sehen ist.
Aber die Marschpauke im Hintergrund kommt ganz gut ;-)

Ute | 14. March 2010, 19:45

Der Satz am Ende ist noch nicht fertig. Er muss lauten: Nun streiten sie zusammen für eine bessere Welt, brauen fürchterliches Zeug und machen damit potenzielle Mitstreiter gefügig.
So, jetzt ist der Text perfekt!!! ;-)

Chef vom Chef vom Lü | 14. March 2010, 21:08

Zuviel Fluch der Karibik geglotzt, wa?

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