In Israel sind sie Stars. Hier ein Geheimtipp: Die fünf jungen Leute von Asaf Avidan and the Mojos haben sich dem poetischen Folkrock verschrieben. Religion oder Politik klammern sie dabei aus. “Klar haben wir eine Meinung dazu”, sagt Sänger Asaf Avidan (das ist in der Mitte des Bildes.) “Wir sind denkende Menschen.” Diese Meinung wollen sie aber niemandem aufdrängen, das falle als Rockband nicht in ihren Aufgabenbereich. “Ich hab’ ja nicht Außenpolitik studiert.”
Statt dessen ist der 29-Jährige in die Schule des Lebens gegangen. “Es ist fast schon ein Klischee”, sagt er. Avidan ist etablierter Filmemacher, lebt mit seiner Freundin zusammen. Alles ist gut. “Dann war auf einmal nicht mehr alles gut,” erzählt Avidan. Der Beruf erfüllt ihn nicht, mit der Freundin ist Schluss. Er greift zur Gitarre und schreibt sich seinen Frust von der Seele.
The Reckoning
Leidenschaftliche Songs zwischen Höllenqual und Aufbruchstimmung sind so entstanden. Mit ein paar Freunden bannt er sie auf Platte. Die Band liefert perfekte Unterstützung für Avidans hohe Reibeisenstimme, die ein bisschen an Janis Joplin erinnert und sofort gefangen nimmt. Jetzt ist das Ding endlich auch in Deutschland erschienen (bei Columbia, Sony).
Schon der Opener lässt aufhorchen: “Maybe you are” kommt allein mit Akustik-Klampfe und Avidans Stimme aus. Die thront in luftigen Höhen, klingt zerbrechlich. Ist aber trotzdem kraftvoll. Im zweiten Stück des Albums zieht das Tempo an. “Hangwoman” ist ein flotter Bluesrock mit klassischer Instrumentierung: Drums, E-Gitarren und Bass. In “Her Lies” schalten die Mojos wieder runter: “Her Lies” ist ebenfalls Bluesrock, aber Midtempo. Dann folgt mit “Weak” die Single, die Plattenkäufer in Israel so elektrisiert hat – ein poppiger Folksong.
Hangwoman im Rockpalast
Fast erscheint die Musik der Mojos ein bisschen zu brav. Wäre da nicht dieser Gesang: Furcht einflößend. Der junge Mann wispert, fleht, schreit über 15 Lieder und wenn er so weiter macht, sind die Stimmbänder bald durch. Und die Musik schmiegt sich um die Stimme herum. Das hat Klasse. Kritiker haben “The Reckoning” als “das wichtigste Rockalbum in der Geschichte Israels” bezeichnet.
Growing tall
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Der Band sind die Lobeshymnen eher peinlich. “Wir sind Möchtegern-Rockstars”, sagt Avidan. Und so ein bisschen wie Batman: tagsüber ganz normale Leute, abends tauchen sie aus der Dunkelheit auf und stehen für einen kurzen Augenblick im Rampenlicht.
Die Mojos kommen nach Frankfurt: am Dienstag, 2. Februar, im Nachtleben. Ab 21 Uhr. Karten kosten zwischen 16,50 und 19 Euro. Es ist eine Neuauflages des Konzerts aus vergangenem September. Das ist ein ziemlich wilder Abend gewesen. Zunächst kommt Frontmann Avidan allein auf die Bühne. Dann Cellistin Hadas Kleinmann. Schließlich rockt er mit der ganzen Truppe. Äußerst sehens- und hörenswert.
Obendrein sind die fünf Musiker sympatische Gesellen, die sich vor und nach ihren Auftritten gerne ein Bierchen genehmigen. Und das nicht in der Abgeschiedenheit der Backstage, lieber mit ihren Fans zusammen. Außerdem hat die Band in Israel längst schon die nächste Platte herausgebracht, “Poor Boy”. Die Mojos können live also aus einem großen Vorrat an Songs auswählen.

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