Was ist wohl das größte Problem, wenn Schotten in den Süden fahren? Richtig, sie haben keine kurzen Hosen im Gepäck. Auch wenn sie dem Klischée entsprechend eigentlich den ganzen Tag im traditionellen Kilt rumlaufen müssten. Tun sie aber nicht. Das lässt das schottische Wetter gar nicht zu. So sagt Scott Hutchison: “Ich habe seit zehn Jahren keine Shorts mehr besessen.” Das hat der Sänger und Gründer von Frightened Rabbit jüngst den Kollegen von MTV verraten.
Er wolle sich aber schleunigst welche zulegen. Schließlich hat er das Interview auf Ibiza gegeben und dabei reichlich Schweiß vergossen in seinen langen Hosen. Und Bandkollege Billy Kennedy hat noch einen draufgesetzt. Der wünschte sich gar Shorts mit Blümchenmuster.
Sie sind also trotz miesem Wetter in ihrer Heimat nicht immer nur miesepetrig, die Schotten. Selbst bei denen, die für ihre traurigen Töne bekannt sind, ist nicht immer Land unter. Frightened Rabbit zum Beispiel, haben mit “The Winter of Mixed Drinks” ein regelrecht fröhliches Album vorgelegt.
Zumindest klingt Hutchison zufriedener als auf den zwei Longplayern zuvor. Das liege daran, „dass ich selbst auch zufriedener bin“, verriet der Frontman der Presse bei der Veröffentlichung. Bestes Beispiel fürs neue Lebensgefühl ist die euphorische Nummer „Living in Colour“. Ein echter Hit. Dass das Stück auf einer Allerwelts-Akkordfolge reitet, stört weder die Band, noch mich als Hörer. Hutchison erklärt:
Es beschreibt eine neue Wertschätzung der kleinsten Dinge des Lebens. Einen neuen Sinn für Sehen und Hören, ein generelles Prickeln der Nervenenden, nach einer langen Zeit der Stumpfheit. Ich wollte einfach nur einen großen Rocksong darüber schreiben, wie es ist, die Freude in den kleinen Dingen wieder zu entdecken. Etwas, das in unserem bisherigen Material nicht zu finden ist. So ist für uns auf diesem eigentlich ausgetrampelten Pfad etwas völlig Neues entstanden – was sich gut angefühlt hat.
Living in Colour
Allerdings erzählt Hutchison auch, dass es ziemlich langweilig wäre, wenn er nur über seine neu entdeckte Lebensfreude sänge. Deswegen hat er diesmal vermehrt Geschichten anderer Leute erzählt. „Das Album ist weniger autobiografisch“, sagt er dazu.
Das mag sein. Die Stücke gehen trotzdem sofort ins Ohr. Die Melodien und Harmonien sind poppig, aber nie kitschig. Dafür sind sie irgendwie zu schepp. Manche musikalischen Themen ziehen die Rabbits durch ein ganzes Lied durch. Das kann im falschen Moment ein bisschen nerven. Im richtigen Moment ist „The Winter of Mixed Drinks“ schlicht mitreissend. Ihr beschwingtes Album stellen die Schotten derzeit auf großer Tournee vor – demnächst in Nordamerika, dann im November wieder in Deutschland.
Swim Until You Can’t See Land
Tourdaten
Sonntag, 7. November, Molotov Hamburg
Montag, 8. November, E-Werk Erlangen
Mittwoch, 10. November, Karlstorbahnof Heidelberg
Dienstag, 16. November, Hafen 2, Offenbach
Mittwoch, 17. November, Gleis 22 Münster

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