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Krautrock strikes back

Einer dieser naturverbundenen jungen Leute heißt Werner Littau. Der ist in Hessen-Rockt-Kreisen bestens bekannt. Mit der Gruppe Was’n hat er schon viermal am Wettbewerb teilgenommen. Was so mancher nicht weiß: Der Werner ist auch eine kleine Legende. Zumindest ein Teil davon. In den 70er Jahren bereicherte der Organist virtuos den komplexen Sound der Frankfurter Krautrock-Band Octopus. Nun hat Werner Littau die Vergangenheit eingeholt.

2009.10.18_Krautrock_strikes_back
Das kleine Plattenlabel Sireena bei Lübeck hat deren 1975 erschienenes Debüt-Album The Boat of Thoughts neu aufgelegt. Damals verkaufte sich die Scheibe immerhin rund 20 000 Mal. Besonders in den USA und Japan ist sie bis heute begehrtes Sammlerstück.

„Das Album gab es bislang noch nicht auf CD“, sagt Geschäftsführer Tom Redecker. Im Jahr 2000 hat er mit einem Partner zusammen das Label eigens gegründet, um vergriffene Musik der Öffentlichkeit wieder zugängig zu machen. „Wenn wir der Meinung sind, dass es sich um gutes Material handelt.“

Spiegel der Zeit
Bei Octopus hätten sie nicht lange diskutieren müssen. Redecker ist begeistert. „Die Platte steht in ihrer Zeit.“ The Boat of Thoughts zeige, wie Bands in den 70ern Musik zelebriert hätten. „Da stecken unheimlich viele Übungsstunden und Lifekonzerte drin.“ Mit dem Verkauf der Neuauflage ist er zufrieden. Zahlen nennt er keine, aber “wir bekommen viel schwärmerische Post.” Interessant ist, dass nicht nur alte Säcke sich die CD kaufen. „Es gibt eine Neo-Prog-Rock-Bewegung mit vielen jungen Musikern, die sich auf Bands wie Octopus berufen“, sagt Redecker.

Das freut Werner Littau ganz besonders. „Es macht einen schon ein bisschen stolz, dass nach so langer Zeit noch immer Interesse an uns besteht.“  Erklären kann er sich den Erfolg nicht wirklich, obwohl „wir ja damals gute Kritiken bekommen haben.“ Vielleicht hänge der Erfolg damit zusammen, spekuliert Littau „dass die Leute die heutige Musik ein bisschen über haben. Es passiert nichts mehr weltbewegendes. Nun besinnen sich alle auf die alten Werte.“

Scheiß-komplizierter Stoff
Wobei es die Octopus-Werte in sich haben. „Es fordert Einen beim Zuhören“, sagt Littau und muss lachen: „Die Musik hat davon gelebt, dass sie scheiß-kompliziert war. Ein Vierviertel-Takt war einem schon fast peinlich.“ Entscheidend hat den Sound der Truppe auch die charismatische Stimme von Sängerin Jennifer Kowa geprägt. Littau gerät ins Schwärmen: „Jenny hat eine einzigartige Stimme gehabt. Kraft und Ausdruck wie Janis Joplin, dazu eine ganz eigene Stimmfarbe.“

Die Platte rückte Octopus 1975 in Rampenlicht. „Wir waren ziemlich bekannt“, erzählt Littau. Die Gruppe bespielte jeden Saal von Flensburg bis Berchtesgaden. Das Hauptquartier war in Frankfurt. „In der WG unseres Bassisten“, erzählt Littau. Geprobt haben sie in der Abgeschiedenheit einer ehemaligen Tongrube bei Steinheim – im alten Gerätehaus. Da konnten sie nächtelang bei offenem Fenster Krach machen, ohne die Nachbarn zu verärgern. Paradiesische Zustände, nicht nur deswegen. „1977 war ich 21 Jahre alt, da hatte ich noch Haare.“

Hessen Rockt bringt die Musiker zusammen
Ab 25 trug Littau dann Platte – und spielte bei Hubert Kah. Langweilig ist es ihm nach seinem Ausstieg bei Octopus 1981 also nicht geworden. Eines hat der Musiker, der nächstes Jahr sein 40. Bühnenjahr feiert, aber immer vermisst.

„Wir waren eine richtige Szene.“ Bands wie Grobschnitt, Hölderlin, Satin Whale und eben Octopus hätten sich oft gegenseitig esucht und Auftritte zugeschanzt. Sehr kommunikative sei es zugegangen. Dieses Gefühl der Geborgenheit hat Littau erst wieder erlebt, als er mit seiner Gruppe Was’n vor vier Jahren am Coverrockwettbewerb der Frankfurter Rundschau teilnahm. „Hessen Rockt hat mich an alte Zeiten erinnert. Man trifft sich, trinkt etwas zusammen und redet miteinander.“

The Boat of Thoughts ist mit all seinen hymnischen Momenten, massiven Gitarrenriffs, ausschweifenden Instrumental-Passagen, schrägen Metren und der zwischen Rockröhre und zartem Folktimbre pendelnden Stimme Kowas bei Sireena und überall im Handel erhältlich.

Kategorien: Music
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Roxana | 13. November 2010, 23:14

Coole Sache! Unbedingt weiter so!

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