Au Backe. Ihr lieben Rockmusiker. Es sieht ja toll aus, wenn ihr so durch die Lüfte hüpft und auf der Bühne abgeht. Aber manchmal übertreibt Ihr’s ein bisschen. Hinknien ist nicht gut fürs Knie, Hochhüpfen greift die Sprunggelenke an. Und wer schepp auf dem Effektboard landet, riskiert zusätzlich einen Bänderriss. Außerdem: Wer zu hoch hüpft, stößt sich den Kopp an.
Aber Stolperfallen lauern auch im Proberaum. Wer zu intensiv übt, läuft Gefahr, zu verschleißen. Schlagzeuger, die sich den Hocker zu hoch schrauben, sitzen krumm. Kein Wunder, dass sie nach acht Sunden Studioarbeit Hexenschuss bekommen. Passenderweise meldet die Agentur dpa gerade: Wenn Musiker Schmerzen plagen, liegt das an der falsche Haltung und Überanstrengung beim exzessiven Üben.
„Es kann jeden betreffen, der etwas intensiver musiziert“, sagtt Prof. Maria Schuppert, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) in Mainz. „Es treten physische und psychische Beschwerden auf, vergleichbar mit denen von Sportlern“, sagt Schuppert. Mit dem Unterschied, dass Sportler eher damit umzugehen wüssten. Auch Nils Graf Stenbock-Fermor, Vorsitzender des Deutschen Orthopäden-Verbandes (DOV) in Köln, zieht den Vergleich zum Sport: Es sei ein Überlastungsproblem, vergleichbar mit dem Tennisarm. Mediziner sprechen bei solchen Beschwerden von „Overuse“, einer Überanstrengung der Muskeln.
Ganz schlimmer Overuse ist Headbanging. Macht lieber mal Pause. Da freut sich auch der Nacken.
Sepultura – Roots
Grundsätzlich sei bei „asymmetrischen Instrumenten“ wie Violine oder Flöte die Wahrscheinlichkeit von Beschwerden höher, ergänzt Dagmar Wolff, Instrumentalpädagogin, Physiotherapeutin und selber Pianistin: Musiker nehmen beim Spielen dieser Instrumente eine schiefe Haltung ein, die sie oft nicht ausgleichen. „Jedes Instrument bringt eigene Schwierigkeiten mit sich“, sagt Wolff.
Schiefe Haltung hat er auf jeden Fall. Und am Ende vom Song kriegt er noch eins auffe Fresse. Armer Kurt.
Nirvana live in Texas
In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden allerdings wieder in den Griff bekommen, erzählt Frau Schupp – auch wenn die Therapie langwierig sein kann. Bei körperlichen Beschwerden sei es wichtig, die Belastungen frühzeitig zurückzuschrauben. Auch eine schnelle physiotherapeutische Behandlung sei wichtig. Begleitend könnten Medikamente verabreicht werden, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündungen zu hemmen. Schmerzen seien ein Warnsignal, dass irgendetwas beim Spielen schiefläuft. Dann sei erstmal ein Stopp angesagt, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Dagmar Wolff empfiehlt, sich an den Hausarzt, einen Orthopäden oder Physiotherapeuten zu wenden und die Beschwerden zu beschreiben.
Sein Therapeut hat empfohlen: Auf der Bühne nur noch mit blauem Rückengurt turnen.
Iggy Pop -I wanna be your dog
Und zuletzt noch ein ganz wichtiger Tipp. Selbst wenn es warm ist auf der Bühne, nur mit Slip bekleidet zu sein dürfte zwangsläufig eine fette Grippe nach sich ziehen. Dazu noch Pumps tragen? Klarer Fall für den Orthopäden.
The Cramps – Tear it up

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