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Keine Musiknutten bei Blind Guardian

2010.08.03_BlindGuardian_AufSeit 26 Jahren steht der Name Blind Guardian für anspruchsvollen Fantasy-Metal. Ihre Songs vereinen Speed-Metal mit Folk und Klassik mit Fantasie. Somit verwundert es nicht, dass auf dem neuen Album At The Edge Of Time auch mal ein ganzes Sinfonie-Orchester zu hören ist. In einer Zeit, in der andererorts Studiobudgets zusammengestrichen werden, fahren Blind Guardian die aufwendigsten Arrangements ihrer Karriere und machen so viel wie möglich in Eigenverantwortung. ”Wir sind so detail- und songverliebt, dass es uns im Endeffekt egal ist, ob wir mehr Platten verkaufen – wir wollen das bestmögliche Ergebnis”, so Sänger Hansi Kürsch im Interview mit dem Rock-Hard-Magazin.

Zu diesem Pathos passt auch, dass der größte Teil von At The Edge Of Time in den bandeigenen Twilight Hall Studios eingespielt und produziert wurde. Einzig die Aufnahmen des Sinfonie-Orchesters fanden in der Rudolfinum-Konzerthalle in Prag statt. Auch die Orchesterpatituren sind natürlich nicht in Fremdarbeit entstanden, sondern wurden von Matthias Ulmer, dem Tour-Keyboarder der Band erstellt. “Es gibt überall Mietmusiker und professionelle Musiknutten, aber bei uns wirst du solche Leute nicht finden”, sagt Kürsch. Neuerdings treiben sogar Tänzer in den Twilight Hall Studios ihr unwesen. Um die richtige Atmosphäre zu erzeugen, hat man den deutschen Meister im Irish-Folk-Steptanz ein paar Rhythmus-Passagen tanzen lassen und sie in den Song Curse My Name integriert.  Wahnsinn.

Orchester-Recordings mit Blind Guardian

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Nun aber zu den Resultaten. Der Opener Sacred Worlds startet mit geheimnisvollen Streichern, die immer intensiver werden und schließlich in einen bombastischen Chor münden. So baut man Spannung auf. Und spätestens wenn die Band einsteigt, breitet sich ein wohliges Lächeln im Gesicht aus. Gefühlte tausend Instrumente lassen echtes Wagner-Feeling aufkommen. Das Orchestester passt perfekt zur Musik und wirkt niemals deplatziert oder überladen. Gerade die letzten beiden Alben waren meiner Meinung nach viel zu überladen. Auch wenn hier angeblich mehr Spuren zum Einsatz kommen, als auf jedem anderen Guardian-Album, klingen die Kompositionen runder und gefühlvoller. Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass die Gitarren-Abteilung endlich wieder mehr rifft als fuddelt. Für gewöhnlich geht mir der extrem penetrante Lead-Sound von André Olbricht irgendwann auf die Nerven, aber das ist bei Sacred Worlds noch nicht der Fall. Geile Nummer, für mich mit die beste Symbiose, dich jemals zwischen einer Metal-Band und einem Orchester gehört habe.

Tanelorn (Into the Void) ist eine klassische Guardian-Nummer, die mit einem erstklassigen Speed-Metal-Riff startet. Weniger symphonisch, dafür aber extrem nackenmuskel-verdächtig. Dem Refrain fehlt es meiner Meinung nach etwas an Ohrwurmcharakter, um in der Liga von Klassikern wie “Mirror Mirror” oder “Lost In The Twighlight Hall” zu spielen, aber es ist defintiv kein Song, bei dem man weiterschaltet. Thematisch geht es hier übrigens um Michael Moorcocks Ewigen Helden, der die Zerstörung des Universums herbeiführt und damit gleichzeitig dessen Erneuerung einleitet. War ja irgendwie klar. Hansi Kürsch ist eben ein extrem belesener Mann und verarbeitet gerne literarische Stoffe.

Ähnlich verhält es sich auch mit Ride Into Obsession, das auf dem “Rad der Zeit”-Zyklus von Robert Jordan basiert. Musikalisch vereint der Song die Zutaten Killer-Bassdrum, melodischer Gitarren-Teppich und Mitsing-Refrain. Mit Sicherheit ein Song, der live noch viel besser klingt. Eines meiner persönlichen Album-Highlights ist Curse My Name, dessen Irish-Folk-Anschlag sofort ins Ohr geht. Akustische Gitarren, Flöten und Geigen verbreiten Gänsehaut-Atmosphäre. Wieder so eine Live-Hymne. Den Tänzer höre ich jetzt nicht unmittelbar raus, aber Alben dieser Prägung erschließen sich einem ohnehin erst komplett, wenn man sie mehrfach gehört hat. Das in der Fachpresse vielgepriesene Valkyries erfüllt so ganz und gar nicht meine Erwartungen. Klingt für meinen Geschmack irgendwie langweilig und löst überhaupt nichts in mir aus. Auch über den Text dieses Songs hat Kürsch im Rock-Hard-Interview doziert, allerdings habe ich die Lektüre beim dem Begriff “aus Menschenknochen gefertigter Webstuhl” abgebrochen. Für Nicht-Elben sind die Songmeanings von Blind Guardian eben wirklich harte Kost.

Als Liebhaber der Alben Tales From The Twilight World (1990) und Nightfall in Middle-Earth (1998) würde ich auch  A Voice In The Dark zu den besseren Stücken des Albums zählen. Es könnte nämlich genauso gut auf einer dieser Platten zu finden sein. “Heaaaaaaaar the voice in the dark, believe in dark wings and dark words…” und natürlich wird auch der shadow mal wieder returnen. So kennt man es und so mag man es. Den Schlusspunkt des Albums setzt das fast neun-minütige Wheel Of Time, bei dem auch das Orchester wieder eindrucksvoll mitmischt. Für mich bleibt zu sagen, dass die Orchester-Kollaborationen die besten Songs dieses Albums sind. Da bleibt wirklich kein Auge trocken. Bis spätestens 2012 soll übrigens ein komplett orchestrales Album der Marke Kürsch & Olbricht fertig sein. Vorher steht aber erst mal eine Headliner-Tour an, die den Vierer ab Ende September durch ganz Europa führt. Natürlich auch nach Deutschland, wo sie insgesamt acht Konzerte spielen werden. Für Hessen dürfte der 3. Oktober am interessantesten sein, denn da gastieren Blind Guardian in der Neuen Stadthalle Langen. Tickets gibt es hier.

Blind Guardian – “A Voice In The Dark”

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Emerald | 03. August 2010, 20:04

Hatte bei dem Album irgendwie mehr erwartet. Klar ist es besser als A Twist in the Myth, aber das ist ja auch keine Kunst. Die Nightfall in Middle-Earth ist und bleibt die Referenz, wenn es um Blind Guardian geht.

Sebastian Bach | 04. August 2010, 09:18

Das Problem bei Blind Guardian ist in der Tat, dass in puncto Aufwand und Musikalität nach oben kaum noch Platz ist. Entsprechend hoch sind halt auch die Erwartungen, gerade wenn Rock Hard und Metal Hammer das Ding in den Himmel loben.Idiesem Musik-Genre das Rad neu zu erfinden, ist halt wirklich schwierig. Aber gerade die hohe Qualität der Orchester-Stücke machen dieses Album für mich zu einer echten Bereicherung.

Pete "the Rock" | 04. August 2010, 21:21

…dabei nennt man sie doch auch BLINDE GARDIENEN …..

George | 10. August 2010, 16:47

Übrigens haben die Blinden Gardienen mit ihrem neuen Album Platz zwei der Charts gestürmt. Sie rangieren derzeit vor Eminem, Lady Gaga und Lena. Nur Unheilig mit „Große Freiheit“ verkauft sich noch besser. Das haben die Kollegen vom Marktforschungsunternehmen Media Control gerade durchgegeben.

Sebastian Bach | 11. August 2010, 18:14

Eine Nachricht wie Balsam auf meiner Seele. ;-)

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