Es passiert nicht oft, dass Götter ein neues Album herausbringen. Besonders nicht, wenn es sich dabei um Jimi Hendrix handelt, der seit mehr als 40 Jahren nicht mehr unter uns weilt. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Am Freitag, 5. März ist “Valleys of Neptune” erschienen. Ein Album, das Käufer mit bis dato “ungehörten” Studioversionen und diversen Rohmixen späterer Albumtitel anlocken soll.
Hendrix-Fans werden an dieser Stelle schon mit den Augen rollen und ein entnervtes “nicht schon wieder ein Best-Of-Album” von sich geben. Dazu gibt das Album jedoch nur bedingt Anlass, denn ein Best-of-Album sieht anders aus. Natürlich sind “Stone Free”, “Red House” und “Bleeding Heart” keine Neuveröffentlichungen, sie sind in diesen Versionen lediglich noch nie auf CD erschienen. Große Unterschiede zu den ursprünglichen Albumversionen sind allerdings kaum auszumachen.
Hier und da ändert Jimi mal eine Gesangslinie oder ein Gitarrensolo. “Lover Man” kommt gute zwei Minuten kürzer daher als die ursprüngliche Version. Bei einem Künstler, der dafür bekannt ist, seine Songs auf jedem Konzert anders zu spielen, ist das jedoch nicht spektakulär. Natürlich klingt der Mix aufgeräumter und nicht so gnadenlos “rough” wie man das von seinen früheren Aufnahmen gewohnt ist. Das fällt besonders beim ersten Stück “Stone Free” auf. Doch ist es nicht gerade das, was seine Songs so einzigartig macht? Das Unberechenbare, das Schnörkellose und diese unfassbare Extase in seinem Gitarrenspiel?
Der Aufkleber “Originality Electrified” prangt wohl nicht zu unrecht auf dem Cover. Neben Hendrix’ Haus-Producer Eddie Kramer, hat auch Jimis Schwester Janie am Mischpult gesessen. Diesen Job hätte sie lieber ihrem Bruder zu Lebzeiten überlassen sollen. Die modernen Produktions-Hilfsmittel machen in dem Fall den alten Sound nicht unbedingt besser. Die Politur lässt vielmehr den rustikalen Charme verschwinden.
Einen Großteil der Songs auf “Valleys of Neptune” nahm Hendrix in einer schwierigen Phase seines kurzen Lebens auf: Die “Jimi Hendrix Experience” stand 1969 kurz vor dem Aus und Jimi plante ein neues Projekt mit dem Namen “Band of Gypsys”. Die Aufnahmen auf dieser CD dokumentieren einer der letzten Recording-Sessions der “Jimi Hendrix Experience” und sind musikalisch herausragend umgesetzt. Bisweilen spürt man die alte Hendrix-Energie und auch die bisher unveröffentlichten Rohversionen werden den Liebhaber durchaus erfreuen.
Man gewinnt allerdings den Eindruck, dass die Produzenten, nach dem 1997 erschienenen “South Saturn Delta”, einfach noch tiefer ins Archiv gegangen sind, um Profit zu machen. Die Experience Hendrix L.L.C ist ähnlich organisiert wie der Jackson-Clan und scheint auch dessen Methodik zu teilen: Man nehme einen toten Superstar und bereichere sich an ihm bis aufs Letzte. Dazu passt auch, dass pünktlich zum Veröffentlichungsdatum eine Neuauflage zahlreicher alter CDs, DVDs und Schallplatten geplant ist, damit nochmal so richtig die Kasse klingelt.

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