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Gnade für Morrison

Die Mühlen der Justiz mahlen bekanntlich sehr langsam. Gerade in Amerika, wo viele Strafen überhaupt nicht vollstreckt werden können, weil der Angeklagte inzwischen das Zeitliche gesegnet hat. Gut, im Falle von Jim Morrison hätte man wirklich ziemlichen Dampf auf den Kessel geben müssen, um dem Scheintoten noch vor seinem Ableben die Handschellen anlegen zu können. Der wurde 1969 auf Grund von Erregung öffentlichen Ärgernisses im Staate Florida zwar  zu sechs Monaten Haft und 500 Dollar Geldstrafe verurteilt, jedoch konnte die Strafe nie vollstreckt werden.

Hintergrund war Morrisons aufrührerischer Auftritt während eines Konzerts, dass die Doors am 1. März 1969 in Miami gaben. Sichtlich betrunken, unter Drogen stehend und extrem mies gelaunt über eine Panne beim Kartenvorverkauf, war Morrison zu unsittlichen Scherzen aufgelegt. Singen schien er an diesem Abend nicht mehr zu wollen. Deshalb beschränkte er sich darauf, wirre Poesie zu verlesen und die 13.000 Konzertbesucher mit Sätzen wie “There are no rules – let ‘s see some action out there” und “you wanna see my cock, don’t you?”  anzustacheln. Über die Frage, ob der große Jim nun wirklich den kleinen Jim gezeigt hat, ranken sich Gerüchte. Einige Konzertbesucher sind fest davon überzeugt, Jims Jim in voller Lebensgröße gesehen zu haben. Die Mitglieder der Doors dementieren das.

Fest steht jedenfalls, dass solche Aktionen im prüden Amerika der Sechziger Jahre nicht sonderlich gut ankamen. Und nach öffentlichen Drohungen gegen die Nixon-Regierung (“We ‘ll get him”), befasste sich sogar das FBI mit Morrison. 16 Bundesstaaten verhängten einen Bann über die Doors und fortan fand sich eine Regressklausel in sämtlichen Konzertverträgen – für den Fall, dass die Band wieder austickte. Und gerade weil damals sogar die Politik eifrig die Messer wetzte, ist es verständlich, dass sich die verhältnismäßig aufgeklärte US-Politik der Gegenwart von diesem Vorgehen distanzieren will. Kommt ja schließlich auch beim Wähler gut an, wenn Politiker ihre Krawatten oder viel mehr ihr festgefahrenes Weltbild lockern.

Auf Initiative des amtierenden Gouverneurs Charlie Crist hat sich nun das Kabinett des Staates Florida, 40 Jahre später, dazu entschlossen, Herrn Morrison in einem symbolischen Akt zu begnadigen. Kann ja eh keinem mehr was zu Leide tun, der Gute. Aber mal ehrlich: Haben die in Florida sonst keine Probleme? Man sollte sich lieber mal mit aktuellen Fällen beschäftigen, schließlich sitzen in den USA knapp 2,4 Prozent der Gesamtbevölkerung hinter schwedischen Gardinen. Viele zu Unrecht und auf Grund von fadenscheinigen Urteilen. Aber es sieht halt einfach besser aus, einen seit 40 Jahren verblichenen Superstar zu begnadigen, anstatt mal hinter den gegenwärtigen Gefängnismauern für Gerechtigkeit zu sorgen.

Onkel Lü | 14. December 2010, 18:02

wird auch Zeit, dass die lockerer werden, wenn im deutschen TV alternde Erflogloskünster schon mit ihrem elften Finger Bilder malen…

Vielleicht kann man daraus schon die erste Strophe von Petes 11Finger Boogie texten ;-)

Sebastian Bach | 14. December 2010, 19:52

Ich glaube im Falle Morrison wäre es dann eher das dritte Bein gewesen. Das gibt es nämlich auch noch. ;-)

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