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Gegen den Strom

2010.06.10_Frusciante_AufmacherEin bisschen ungewöhnlich war John Frusciante, seines Zeichens Ex-Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, ja schon immer. In den 90ern verschwand er mal sieben Jahre von der Bildfläche, um sich seiner Heroin-Karriere zu widmen, um dann wieder zu den Chili Peppers zurückzukehren und erneut durchzustarten. Die waren ohne ihn nämlich zur Erfolglosigkeit verdammt und konnten seinen Verlust nie kompensieren. Mit seiner Rückkehr im Jahre 1998 stellte sich auch der Erfolg wieder ein; Californication wurde ein Mega-Seller und auch die darauffolgenden Alben verkauften sich prima. Und jetzt ist er wieder weg, der John. Hat keine Lust mehr auf Erfolg und wandelt stattdessen auf experimentellen Solo-Pfaden.

Das macht er nicht zum ersten Mal, sein erstes Solo Album “Smile From The Streets You Hold” veröffentlichte er bereits 1997. 2001 kam dann das Instrumental-Album “To Record Only Water For Ten Days”, auf dem John einmal mehr seinen Facettenreichtum unter Beweis stellt. Das Highlight des Albums ist  der Track “Murderers”, der einen guten Einblick in das Frusciantische Schaffen jenseits der Chili Peppers gibt.

John Frusciante – “Murderers”

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Das ist aber nur ein kleiner Teil seines Gesamtwerks. Insgesamt bringt es Mr. Frusciante auf 13 Solo-Veröffentlichungen und zahllose Kollaborationen, die musikalisch in allen nur erdenklichen Gebieten angesiedelt sind. Neuestes Beispiel für sein beispielloses Schaffen ist seine dritte Zusammenarbeit mit “The Mars Volta”-Mastermind Omar Rodriguez-Lopez. Dabei handelt es sich um ein 8-Track-Album mit den Namen “Sepulcros De Miel”, das mit progressiv-experimentellen Klängen aufwarten, die eine fast schon Tool-ähnliche Mystik versprühen und in psychedelische Untiefen abdriften. Der Woodstock-Kater ist regelrecht vorprogrammiert.  Eingespielt wurde das ganze unter dem Namen “The Omar Rodriguez-Lopez Quartet”.

Mit Sicherheit keine leichte Kost, aber wer beispielsweise auf die Musik von Porcupine-Tree-Fronter Steven Wilson steht und eher musikalische Berieselung als knallende Hooks schätzt, könnte hier fündig werden. Kreativerweise sind die Songs lediglich mit Namen wie “Part IV” oder “Part V” betitelt. Mir hat es besonders “Part IV” angetan, das irgendwie herrlich ungewöhnlich klingt und sich so gar nicht einordnen lässt. Und es gibt wohl nur wenige Musiker, die sich so etwas so einfach aus den Fingern saugen können. Kein Schnickschnack, keine Schnörkel und Schlenker, einfach nur Musik.

The Omar Rodriguez-Lopez Quartet – “Part IV”

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In ihr meint man das Spiegelbild von Frusciante selbst erkennen zu können, der als ruhiger Eigenbrötler mit einem Faible für Kunst und Esotherik gilt. Sein Äußeres wirkt immer etwas “unfertig” und aufs wesentliche reduziert. Genau wie seine Musik. Und irgendwie ist es ja auch erfrischend, wenn Leute mal gegen den Strom schwimmen und musikalische Selbstverwirklichung vor den eigenen kommerziellen Erfolg stellen. Ruhm und Geld waren John Frusciante noch nie wichtig. Das ist wohl auch der Grund, dass auf der Hompage, auf der man sich das Album herunterladen kann, folgende Zeilen prangen:

“This album is FREE to anyone who would like it, it is also got the option to donate any amount you like all proceeds will go to a fund that we have set up to support the “Keep Music In Schools” programs.”

Ein bisschen ungewöhnlich war er eben schon immer, der John.

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