Endlich ist es da, das neue Album der Foo Fighters. Wasting Light ist laut Aussagen von Sänger und Gitarrist Dave Grohl ein Rockalbum der alten Schule, das bewusst auf Computer-Tricks und Spielereien verzichtet. Die Zeichen stehen auf Old-School-Garagenrock. Und diese Musik jagt man nun mal nicht durch den Apple, sondern verwendet möglichst minimalistisches und ursprüngliches Equipment. Highend-Studios sind passé, als Aufnahmeort tut es auch eine Garage – zum Beispiel die von Dave Grohl. Im Interview mit dem Musikmagazin Rock Sound erläutert Dave, warum er sich bei Wasting Light mal wieder dafür entschieden hat, alles völlig anders zu machen als der Mainstream:
Ein Faktor, der diese Band funktionieren lässt, ist die Tatsache, dass wir die Welt um uns herum überhaupt nicht wahrnehmen. Vieles von dem, was wir gemacht haben, entstand in einer Blase, die wir uns selbst geschaffen haben. Wir machen nur Sachen, die sich für uns natürlich und richtig anfühlt. Wir halten uns fern von allem, das sich gekünstelt anfühlt. Wir halten uns fern von Dingen, die für uns einfach unrealistisch sind und ich denke die Art und Weise wie wir dieses Album gemacht haben, nämlich in einer Garage, repräsentiert uns perfekt.
Doch nicht nur der Ort, an dem das Album eingespielt wurde, ist ungewöhnlich für eine Band dieser Güteklasse: Interessant ist auch wie und vor allem auf was aufgenommen wurde. Eine 24-Track-Bandmaschine – das war’s. Auf Klangregulatoren, Overdubs und sonstige Spirenzchen wurde komplett verzichtet. Die folgende Erklärung von Dave Grohl, habe ich mal in ihrer Muttersprache belassen, da sie das Konzept von Wasting Light so am deutlichsten beschreibt:
I just thought there was some great irony in being the band that sells out two nights at Wembley [Stadium] and then turns around and makes their next record in a fucking garage to 24-track tape.
We stripped away a lot of the bullshit that bands carry around on their shoulders. I honestly believe we’d be doing the same thing whether there was 100,000 people watching or 100. The reason why people connect with that is because they see us as human beings. We don’t wear make-up. We’re not a musical; we’re just dudes, we play rock on stage… and if you want to come back and have a beer, if you have the right pass, you can!”
So viel zum Konzept und der Herangehensweise der Band. Zeit herauszufinden, wie sich das ganze anhört. Los geht’s mit “Bridge Burning”. Holla die Waldfee, da wird aber gleich mächtig Gas gegeben. Typisch dissonanter Schrammelanfang, der sich immer weiter hochschaukelt, um dann ab Sekunde 25 so richtig zu explodieren. Würde man Dave Grohl an dieser Stelle zwei Ö-Strichelchen spendieren, würde sein Nachname hier absolut zu seinem Gesang passen. Nach diesem Ausraster nehmen die Foo Fighters das Tempo raus und stricken einen prima Rocksong, dessen ungewöhnliche Struktur- und Melodieführung sich für mich erst nach mehrmaligem Hören richtig entfaltet hat. Aber von den Foo Fighters will man ja auch keinen Einheitsbrei hören.
Der zweite Song “Rope” geht da schon etwas leichter ins Ohr. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum man ihn als erste Single-Auskopplung des Albums erwählt hat. Ein Midtempo-Song, der nicht zu hart und nicht zu weich ist und mit tollen Schlussteil inklusive Gitarrensolo punkten kann. Was ich bei den Foo Fighters schon immer sehr geschätzt habe, ist die Verwendung von erweiterten Akkorden, die man von klassischen Garage-Rock-Bands eigentlich nicht gewohnt ist. So wird auch hier der typische Powerchord durch eine None erweitert und bringt dadurch eine wohltuende Klangfarbe ins Spiel. Insgesamt ist “Rope” zwar ein chart-affiner Song, dafür aber ein sehr guter.
Mit “Dear Rosemary” entern die Foos melancholische Gewässer. Wobei es sich bei “Dear Rosemary” keinesfalls um eine Ballade handelt. Vielmehr ist es ein gesetzter Rocker mit Ohrwurmrefrain und einem melancholischen Touch. Auch diesen Song könnte ich mir als Single-Auskopplung vorstellen. Weiter geht’s mit “White Limo”, der Song mit dem fantastischen Video, das an dieser Stelle schon vorgestellt wurde. Mit Lemmy Kilmister als Fahrer düsen die Foos in einer weißen Stretch-Limo durch die Lande und fröhnen Wein, Weib und Gesang. Für mich eines der besten Videos, die ich seit langem gesehen habe. Und der Song erinnert tatsächlich ein bisschen an Motorhead.
Mit “Alandria” wird es dann wieder etwas poppiger. Keine komischen Akkordwechsel, alles ist homogen und passt zusammen. Die ideale Untermalung für einen Sommerabend am See, bei dem auch Frauen zugegen sind. “These Days” beginnt zunächst verhalten. Gott sei Dank steigert der Song sich dann noch zu einem typischen Foo-Fighters-Mitgröhler der kommerzielleren Art. Könnte ebenfalls ein Renner für den Sommer werden.
Überhaupt ist Wasting Light ein Album voller Ohrwürmer, von denen ich die meisten als radiotaugliche Midetempo-Nummern einstufen würde. Einzig der Opener “Bridge Burning” fällt etwas aus der Reihe. Das besondere an diesem Album ist aber, dass es keine Ausfälle gibt. Die Songs halten kontinuierlich ihr hohes Niveau und driften niemals in die Belanglosigkeit ab. Saustarkes Album. Und da ist es mir auch gerade mal egal, ob die Songs nun im Radio laufen oder nicht, denn das Grohlsche Konzept stimmt und macht Spaß.
PS: Hier kann man sich das gute Stück übrigens online durchhören!


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