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Fieber in Wales

2010.04.27_BulletValentine_AufmacherBullet For My Valentine sind eine der wenigen jungen Bands, die aus dem musikalischen Einheitsbrei der Neuzeit hervorstechen und so etwas wie einen eigenen Stil haben. Melodische Stakkato-Gitarren im Drop-C-Tuning, rasend schnelle Soli und eine gekonnte Mischung aus cleanem Gesang und markerschütterndem Gekreische. Das zusammen ergibt ein Erfolgsrezept, das den vier Herren aus dem walisischen Bridgend, gerade unter jüngeren Musikkonsumenten, zu absolutem Kultstatus verholfen hat. Für eine junge Metal-Band wirklich außergewöhnlich, sind die meisten kommerziell erfolgreichen Metal-Bands doch eher Relikte aus den 80ern.

Ihre ersten musikalischen Gehversuche starteten Bullet for my Valentine im Jahre 1998, als man unter dem Namen Jeff Killed John die Songs von Metallica und Nirvana verunglimpfte. Beflügelt vom Erfolg des Nu-Metal, beschlossen Matt Tuck (Lead-Vocals, Rhythm-Guitar), Michael Paget (Lead-Guitar), Michael Thomas (Drums) und Nick Crandle (Bass), es mit eignener Musik zu versuchen. Das Resultat war die EP “You/Play With Me”, die im Jahre 2002 veröffentlicht wurde. Bassist Nick Crandle war mit der Entwicklung von “Jeff killed John” schon länger nicht mehr zufrieden und verließ die Band bereits während der Aufnahmen zu “You/Play With Me”.

Mit dem neuen Bassisten Jason James erfolgte eine musikalische Umorientierung hin zu den alten Wurzeln. Laut Frontmann Tuck, wollte man von nun an “Thrash-Metal mit harmonischen Gitarren und hymnischen Refrains” machen. Passend dazu kam auch gleich der neue Bandname: “Bullet For My Valentine”. Bald wurden auch die Plattenfirmen aufmerksam.  Der große Durchbruch kam im Sommer 2005, als die EP Hand of Blood weltweite Aufmerksamkeit erregte. Im selben Jahr erschien ihr Debüt-Album The Poison,  das es auf Anhieb in die Billboard 200 Chart schaffte und sich allein in Deutschland über 1 Millionen Mal verkaufte.

2010.04.27_BulletValentine_4Auftritte auf dem Download-Festival, bei Rock am Ring oder als Support von Metallica stellten klar, dass Bullet For My Valentine zum Aushängeschild des Metalcore avanciert sind. Auch wenn sie selbst sich kurioserweise als Hardrock-Band bezeichnen. 2008 veröffentlichten sie mit Scream, Aim, Fire ihr zweites Album und präsentierten sich deutlich aggressiver. Der kommerzielle Hit blieb allerdings aus. “Zu virtuos, zu laut, zu uneingängig” tönten die Kritiker. Dass das aber noch lange kein Charakteristikum für schlechte Musik ist, schien den Kritikern entgangen zu sein. Der gemeine MTV-Zuschauer hört sowieso viel lieber Klingeltöne als Heavy-Metal.

Seit vier Tagen, ist nun das brandneue Album “Fever” auf dem Markt.  In einem Metal-Hammer-Interview vom März 2009, bezeichnete Matthew Tuck das neue Album als “wesentlich klassischer und reifer” als seine Vorgänger. Gut, das sagen sie ja eigentlich alle. Und natürlich ist Tuck auch “proud as a fuck.”  Ob er dazu wirklich einen Grund hat, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass wieder der “Bullet-Effekt” eintritt, denn man weiß vom ersten Ton an, mit wem man es hier zu tun hat. Auch wenn die Militär-Trommeln im Intro eher an Slayer als an Bullet For My Valentine erinnern. Der Opener “Your Betrayal” drückt gleich mächtig auf die Tube und präsentiert sich als typischer Bullet-Song.  Das Soundgewand des Albums ist wirklich gelungen, auch wenn gerade die Gesangsparts hier und da ein wenig zu überproduziert und zu überladen wirken. Das Albumhighlight ist aber zweifelsohne der Titelsong “Fever”, der eingängig und griffig daher kommt. Ein Song mit Hitpotential.

Ein kleiner Rundgang durch “Fever” (2010):

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Bullet For My Valetine – “The Last Fight”

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Apropos Hitpotential: Anscheinend ist man in Wales auf den Nickelback-Zug aufgesprungen, denn “A Place where You Belong” ist eine relativ kitschige Ballade, die es ohne Probleme in die Dauerschleife eines Radiosenders aus Bad Vilbel schaffen könnte. Der Song an sich ist wirklich gut gemacht, allerdings dürfte er Fans von The Poison (2005) und Scream, Aim, Fire (2008) kaum ansprechen. Aber gut, man kann es keinem Künstler verdenken, wenn er ein größeres Publikum ansprechen will. Und da bei “The Last Fight” und “Beggin’ for mercy” wieder so richtig die Post abgeht und ein Ohrwurm sich unaufhaltsam in die Gehörgänge frisst, ist es auch kein Problem mal eine kommerziellere Nummer aufs Album zu packen. Zumal die Instrumentalarbeit wieder herausragend um nicht zu sagen genial ist.

Wirkliche Innovationen sucht man auf ”Fever” zwar vergebends, aber es ist in jedem Fall ein Album, dass sowohl Fans als auch Neueinsteigern gute Gründe liefert, um mal wieder ein Live-Konzert von Bullet For My Valentine zu besuchen, denn sie zählen ganz klar zu den Bands, die live wesentlich mehr Spaß machen als im Studio. Die Gelegenheit dazu bietet sich unter anderem bei Rock am Ring und Rock im Park, wo die vier Waliser mit Sicherheit auch den ein- oder anderen “Fever”-Track zum Besten geben werden. Wer es lieber etwas kleiner mag, dem sei das Konzert am 8. Juni im Herforder Club X ans Herz gelegt.

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