Es ist das längste Fernsehprogramm der Geschichte: ganz ohne Schauspieler, Drehbuch oder Tricks. Eine Dokumentation, die alle Facetten Berlins in einer noch nie dagewesen Authenzität darstellt. 24 Stunden lang. In Echtzeit. Die Darsteller waren auf keiner Schauspielschule, sie repräsentieren das echte Leben: schonungslos, ungekürzt.
Die Dokumentation 24h Berlin ist ein Mammutprojekt, das ARTE und rbb Fernsehen ins Leben gerufen haben. 80 Drehteams waren in allen Stadtteilen Berlins unterwegs und haben über 750 Stunden Videomaterial zusammen getragen. “Eine gewöhnliche Dokumentation aus der Vogelperspektive erschien uns für diese Zwecke nicht ausreichend. Wir haben direkt mit den Leuten gesprochen und an vielen Orten talking boxes installiert. Somit konnten auch Leute, die keine eigene Kamera haben am Projekt mitwirken und ihre Ideen beisteuern”, so Regisseur Volker Heise.
Das Resultat sind acht DVDs, die natürlich auch musikalisch untermalt werden müssen. Hier kommt unser Album der Woche ins Spiel: Der Original Soundtrack zu 24h Berlin mit dem Namen “Gute Luft” stammt aus der Feder von Thomas Fehlmann.
Der 1957 in der Schweiz geborene Elektronik-Musiker und Produzent studierte zunächst an der Hamburger Kunsthochschule. In dieser Zeit lernte er auch Robert Fripp (King Crimson) kennen, der ihn zu seinen ersten Gehversuchen auf dem Synthesizer inspirierte. In den frühen 80ern feiert er mit seiner Band Palais Schaumburg internationale Erfolge.
Inzwischen ist Fehlmann vermehrt allein unterwegs, sein Arbeitspensum ist jedoch immer noch groß. Seine diesjährige Tour führt ihn von Osaka über Stockholm und Los Angeles bis nach Köln. Hier gastiert er am Donnerstag, 20. August im Total11 und wird mit Sicherheit auch den ein oder anderen Track von “Gute Luft” zum Besten geben.
Wie Berlin selbst, hat auch das Album viele Facetten. Fehlmann wird seinem Ruf als deutsches Ambient- Aushängeschild einmal merh gerecht. der Künstler erschafft atmoshärische Klangteppiche, die den Hörer bereits nach den ersten Sekunden in ihren Bann ziehen. Die Straßenschluchten Berlins scheinen zum Greifen nah. Das Album klingt einerseits melancholisch und wohlwissend um die soziale Not und die Anonymität im Berliner Großstadtdschungel.
Andererseits versprühen Kompositionen wie “berliner luftikus” oder “fluss im wasser” aber auch Flair und Schickeria. Eben genau nach jenen Facetten, die Berlin so gegensätzlich und so einzigartig machen. “Gute Luft” steht ab Freitag, 2. April in den Läden und verspricht der ein wenig in Vergessenheit geratenen Ambient-Szene wieder etwas auf die Sprünge zu helfen. Erscheinen wird das gute Stück beim Kölner Qualitäts-Label Kompakt. Hier wird nicht nur State-of-the-Art-Elektronik, sondern auch die eine oder andere Ambient-Scheibe veröffentlicht. Kein Wunder – ist doch Label-Mitbegründer Wolfgang Voigt selbst ein veritabler Ambient-Produzent und zudem Kurator der jährlich erscheinenden Pop-Ambient-Compilation.



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