Dirk Niebel weiß, wo der Hase lang läuft. Beziehungsweise mit wem. Ohne Bono läuft das Langohr in der Entwicklungshilfe nämlich gar nirgendwo hin. Wer auf diesem Terrain weltweit positive Presse einheimsen möchte, muss sich mit dem guten Gewissen der Rockmusik treffen (wie Merkel, Medwedew, Sarkozy etc.). Deswegen lädt der Deutsche Entwicklungshilfeminister Niebel den Sänger von U2 jetzt zu sich ins Ministerium ein.
Ich lade Sie herzlich zu einem Besuch ein, so dass wir dieses und andere wichtige Themen im persönlichen Gespräch vertiefen können. Selbst ohne dass Sie meine Handynummer haben, kann mich mein Büro weltweit jederzeit erreichen.
Das hat Niebel in einem offenen Brief in der Frankfurter Rundschau geschrieben. Und noch ein paar andere Dinge. Grob zusammengefasst: Dass Bono keinen Schimmer von deutscher Entwicklungshilfe-Politik habe und sich darum gefälligst in Interviews zurückhalten solle.
Der FDP-Minister ist verschnupft, keine Frage. Aber Bono ist den armen Dirk auch arg angegangen. Im FR-Interview schimpfte der U2-Sänger den Minister “verrückt und verantwortungslos“. Da Niebel den deutschen Beitrag zum internationalen „Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose“ von bisher 200 Millionen Euro im Jahr reduzieren wolle. Bono:
Ihre Kanzlerin [also die Merkel] war es doch, die vor drei Jahren gesagt hat: „Dies ist der Moment, da wir an der Seite der Armen dieser Welt stehen müssen.“ Sie hat den Globalen Fonds unterstützt. Es ist mir wichtig, das jetzt noch mal herauszustellen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viel Spaß es mir damals gemacht hat, Sarkozy bei unseren Treffen sagen zu können: „Die Deutschen stecken jedes Jahr vier Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in die Wiedervereinigung. Und gerade diese Deutschen versuchen ernsthaft, wie versprochen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen, während ihr Franzosen kneift.“ Ich habe das den Japanern gesagt, ich habe es allen gesagt. Umso mehr bin ich jetzt enttäuscht von Herrn Niebel. Wenn ich ihn träfe, würde ich ihm jetzt ein Beispiel vortragen: In England lässt der neue Regierungschef Cameron die Entwicklungshilfe unangetastet – und das, obwohl er über die drastischsten Haushaltskürzungen seit 50 Jahren zu entscheiden hatte. Wie gesagt, ich kenne Herrn Niebel nicht persönlich. Vielleicht begreift er nicht, welche weitreichenden Folgen seine Politik hat.
Ui ui ui. Klingt spannend. Aber muss der Deutsche Entwicklungshilfeminister sich wirklich vor Bono rechtfertigen? Vielleicht sollte Niebel einfach eine Band gründen und dem Iren mal so richtig zeigen, was ’ne Harke ist? „Niebel and the Leatherjackets“ klingt doch prima. Schießlich mag der Dirk ja auch den Leder-Maffay.
Ein anderer prima Bandname wäre “Die Studenten Mannheims” – garantiert ohne Xavier. Niebel hat ja im schönen Mannem Verwaltungswesen studiert. Oder, oh Mann das macht Spaß, “Dirk and the Dogs”? Als Hommage an Familienhund Hermann? Oder die beiden Polit-Experten Niebel und Bono messen sich auf ganz anderem Parkett, so richtig unter Männern. Schließlich ist Niebel ja Schirmherr des Deutschen Rugby-Verbandes. Ich sag’ mal: Bono, zieh’ Dich besser warm an.

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