Das Album, um das es an dieser Stelle geht, ist eigentlich schon fast Asbach. Aber es ist so gut, dass man auch noch Wochen später darüber berichten kann. Black Stone Cherry sind nämlich einfach eine geniale Band, die den Begriff “Rockband” noch verdient. In ihren jungen Alter haben die vier Jungs aus Kentucky schon fast alles erreicht, was man als Newcomer-Band erreichen kann. Sie spielten mehrfach bei Rock am Ring und auf dem Download-Festival und ackerten sich durch die kleinen Clubs des Planeten. Inzwischen gelten sie schon lange nicht mehr als Geheimtipp, sondern als neuer Stern am Rockhimmel, der nicht nur gewaltig Arsch tritt, sondern auch noch Hit-Potential hat.
Ihr neues Album Between The Devil And The Deep Blue Sea stellt das ein Mal mehr unter Beweis. Die Songs sind nicht ganz so rauh wie auf dem ersten Album Black Stone Cherry, das für mich nach wie vor das beste Album dieser Band ist. Aber sie sind melodiöser und mehr auf Mainstream getrimmt – zumindest einige davon. Das muss kein Nachteil sein, vor allem nicht für eine Band, die ihren Erfolgszenith erst noch erreichen will. Denn gute Songs sind irgendwo gute Songs, egal ob jetzt kommerziell oder nicht. Der stärkste Track des Albums ist auch gleichzeitig der Erste und vereint Eingängigkeit mit musikalische Finesse. “White Trash Millionaire” hat einen extrem griffigen Refrain, lässt aber in puncto Sound und Brachialität keine Wünsche offen. Hier ist er, dieser typisch Black Stone Cherry-Groove. Irgendwie Zeppelin, irgendwie Skynyrd aber doch modern und ultrapäzise aufs Band genagelt. Nebenbei ist der Text auch noch gelungen. Spielfreude pur.
Black Stone Cherry – “White Trash Millionaire”
Auch Track Nummer zwei, “Killing Floor”, ist ein sehr rockiger Vertreter, der aber nicht ganz so radiofreundlich ist wie der Opener. Es gelingt den Jungspunden auch auf diesem Album wieder, anspruchsvolle Musik zu machen, ohne dabei zu übertrieben oder zu progressiv zu wirken. Gleichzeitig schafft man es dadurch aber auch Liebhaber von komplexen Kompositionen in seinen Bann zu ziehen. Das funktioniert besonders live wunderbar. Ähnlich wie bei Nickelback, zeigen die Songs erst live ihr wahres Gesicht und das ist laut, dreckig und geil (siehe Bild). Wer so über die Bühne tobt, muss nach dem Konzert reif sein fürs Sauerstoffzelt.
Black Stone Cherry – “Killing Floor”
Unweigerlich kommt auch die ein oder andere Ballade. Die sind zugegebenermaßen gerade beim ersten Hören recht kitschig, entwickeln aber nach mehrmaligen Hören durchaus einen gewissen Charme. Es geht um Südstaaten-Romantik, davon seine Heimat hinter sich zu lassen und in die große weite Welt hinauszugehen. Natürlich mit einer Gitarre und einem klapprigen Auto. Ein solcher Schmachter ist “In My Blood”.
Black Stone Cherry – “In My Blood”
Was macht man wenn man morgens in einem Bett aufwacht, welches nicht das Eigene ist? Laut Black Stone Cherry-Sänger Chris Robertson möge man das an dieser Stelle einfach auf den sogenannten “boom” blamen. Der ist nämlich verantwortlich für alle Sünden, die der Mensch in Extase so vollbringt. Schöne Metapher, schöner Song.
Black Stone Cherry – “Blame It On The Boom”
Zum Schluss bleibt zu sagen: Auch das dritte Album von Black Stone Cherry gibt Anlass dazu, den Rock ‘n’ Roll nicht für tot zu erklären. Solange es noch junge Menschen gibt, die so verdammt geile Musik machen, kann eigentlich nichts passieren. Das nächste Album dürfte sich wegen mir nur wieder ein bisschen am Erstling orientieren – der hatte irgendwie noch mehr Eier.

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