“Die spinnen, die Japaner.” Zumindest könnte einem dieser Gedanke kommen, wenn man sich anschaut, in welchem Outfit die japanische Band Kidishian kürzlich zum Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender MTV erschien. Wie WELT-ONLINE berichtet, trugen die feschen Japaner schwarze Uniformen, die ein wenig so aussahen wie SS-Anzüge. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch rote Armbänder und Orden in Form des “Eisernen Kreuzes.”
Klar, dass ein solcher Auftritt nicht unkommentiert bleiben kann. Scharfe Kritik kommt unter anderem vom Simon-Wiesenthal-Center, einer jüdischen Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles. Dieser Auftritt sei ein Beweis für die Ignoranz vieler japanischer Jugendlicher gegenüber dem Nationalsozialismus in Deutschland und den damit verbundenen Verbrechen. Überhaupt lasse die asiatische Sensibilität im Umgang mit diesem Thema noch sehr zu wünschen übrig, so die Organisation.
Ob sie damit richtig liegt, wage ich zu bezweifeln. Schließlich hat man auch schon Vertreter des englischen Königshauses in SS-Uniformen gesichtet. Und Meister Galliano, ehemals Design-Chef des Modehauses Dior, ist soweit ich weiß auch kein Asiate. Natürlich lassen sich anhand dieser Fallbeispiele keine fundierten Aussagen tätigen. Aber gleich einen ganzen Kontinent der Ignoranz zu bezichtigen, ist auch nicht die feine Amerikanische. Klar und deutlich in Frage zu stellen ist allerdings die Praxis, dass man mit solch provokanter Symbolik mediale Aufmerksamkeit kreiert. Denn außerhalb von Japan hat wohl noch kaum jemand von dieser Band gehört. Zumindest bis gestern.
Das Management von Kidishian bestreitet, dass die Band mit ihrer “Kostümierung” eine ideologische- oder politische Aussage treffen wollte. Um den Kritikern entgegenzukommen, hat man jedoch eine ausführliche Entschuldigung ins Netz gestellt. Und macht die Band so noch bekannter.
Kidishian – Kuroi Taiyou [Live at Budokan]


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