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Auf die Größe kommt’s nicht an

Iso

Schule ist ein trister Ort. Zu lachen gibt’s da nix. Der Unterricht ist meist eine Qual. Selbst das Fach Musik – in dem Musiker ja eigentlich erstmals ihrer wahren Bestimmung begegnen sollten – ist pure Folter. Stromgitarre kommt da gar nicht vor – statt dessen foltern die Lehrer ihre „Schützlinge“ mit Blockflöten und dem Quintenzirkel. Bei Iso Herquist (Foto) ist das anders. Unterricht bei Frankfurts nettestem Dänemark-Import ist ein pures Erlebnis. Aus zwei Gründen.

Erstens: Der Mann hat Charme und Humor. Seine Workshops sind nicht nur lehrreich, sie sind äußerst unterhaltsam. Wenn Herquist in Fahrt kommt, gerät das Zwerchfell ernsthaft in Gefahr. Roter Kopf und Lachtränen sind im Preis inbegriffen. Zweitens: Sein Instrument hat ebenso viel Charme. Iso Herquist lehrt die Geheimnisse der Ukulele. Eine Ukulele ist ein Saiteninstrument aus Hawai. Sie sieht aus wie eine Baby-Gitarre und klingt auch so: quietschvergnügt, quäkend und ein bisschen tapsig.

„Die Ukulele ist speziell für Einsteiger geeignet“, sagt Herquist. Aus mehreren Gründen: Sie ist robust. „Da geht nichts kaputt, da kannst du einen Nagel mit einschlagen.“ Eine Ukulele ist außerdem klein und günstig. „Sie passt, mit ein bisschen drücken, in jede Sporttasche.“ Überdies sei die Hemmschwelle niedrig, zur Ukulele zu greifen.

Praktischer als Geige oder Blockflöte

„Das Instrument ist nicht vorbelastet“, sagt Herquist. Anders als etwa bei der Geige, stellen sich schnell Lernerfolge ein. Der Artist klemmt sie mit dem Arm in der Armbeuge fest. „Herren mit Auflagemöglichkeit können sie auch ein bisschen tiefer halten“, sagt Herquist in einem neckischen Verweis auf den Nutzen von Bierbäuchen. Die ersten Akkorde lernen sich spielend leicht. Zudem können Schüler zur Ukulele laut mitträllern – das geht bei der zwischen Kopf und Schulter geklemmten Violine eher weniger. Bei der eingangs erwähnten Blockflöte schon gar nicht.

Ein weiteres Plus: Es gibt keine Ukulele-Idole, über die die Kulturszene nur voller Ehrfurcht zu sprechen wagt. „Der spielt so toll, das gibt’s gar nicht.“ Das sei ein Ausspruch, der in Ukulelen-Kreisen eher selten zu hören sei, findet Herquist. Den meisten Leute würden ohnehin nur – wenn überhaupt – Stephan Raab und Götz Alsmann als Ukulele-Spieler einfallen.

Frankfurter Däne

Damit liegt er allerdings falsch. Iso Herquist selbst hat es bereits zu einem gewissen Legenden-Status gebracht. Sein Solo-Programm ist oft bewundert, sein Fiskecore gar gefürchtet. In den kundigen Händen des Meisters verwandelt sich die oft als Spielzeug belächelte Ukulele durchaus in ein respektables Instrument. Der Mann, der sich wahlweise als Lümmeldäne oder Anarcho-Däne betituliert, spielt flotte Jazz-Nummern ebenso überzeugend wie Rockmusik. Das Riff von Thunderstruck klingt zwar reichlich verwegen, aber irgendwie auch passend.

Dabei hat Herquist, von Hause aus Kontrabassist, selbst erst vor vier Jahren die Ukulele zur Hand genommen. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die der Majestro in Petto hat. Eigentlich heißt er nämlich Ian Händschke und ist gar kein Däne. Das bindet er aber nicht jedem sofort auf die Nase. Ebenso, dass er in seinem anderen Leben als Web- und Multimedia-Entwickler arbeitet. Schon gar nicht spricht der Frankfurter über sein Alter: „Ein bisschen jünger als mein Bruder“, mehr möchte er dazu nicht sagen.

You Kulele? Mee too!

Das Faible für, vielmehr den Dänemark-Fimmel, trägt Händschke von Kindesbeinen an mit sich herum. Unzählige Urlaubstage mit der Famile an dänischen Fjorden haben den kleinen Jan schon bald zum gefühlten halben Skandinavier werden lassen. Selbstverständlich spricht er fließend Dänisch. Aus der Iso-Nummer findet er nur schwierig wieder heraus. Längst ist Händschke tatsächlich zu Herquist geworden. Bühnenfigur und Realkörper sind fest ineinander verwoben. Der Spleen gereicht ihm aber nicht zum Nachteil. Zu nett klingt der ulkige dänische Akzent in dem er radebrecht.

So wird jeder Workshop zum multikulturellen Ereignis. Halbjährlich bietet Händschke-Herquist beim Verein Waggong im Bunker an der Germaniastraße 89 seine Kurse an. An je einem Wochenende macht er einmal die Einsteiger, dann die Fortgeschrittenen fit für die Ukulele. Die nächsten Termine sind im November zu finden. Außerdem lädt er seit neustem jeden letzten Dienstag im Montag zum Ukulele-Stammtisch ins Bockenheimer Celsius ein. „Zum Bier trinken und Ukulele spielen. Wer nicht spielen mag, kann singen. Oder Bier trinken.“

Hessen Rockt hat den Ukulele-Workshop kürzlich getestet. Das Team:  die Hessen-Rockt-Legenden Geo und Ute, Hessen-Rockt-Jungspund George und Kalaydo-Jan. Ihr Urteil: Absolut empfehlenswert!

http://www.dailymotion.com/video/xas225
ukulele lernen | 28. February 2010, 22:47

“Das Riff von Thunderstruck klingt zwar reichlich verwegen, aber irgendwie auch passend. Dabei hat Herquist, von Hause aus Kontrabassist, selbst…” – exzellent! ;)

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