”It ‘s not just rock, it’s rock and roll” beschreibt die amerikanischen Hardrock-Band Buckcherry ihr neues Album All Night Long, das am 30. Juli in Deutschland erscheint. Und ja, sie haben Recht, denn der Name des Albums ist Programm. Diese Scheibe würde man am liebsten “all night long” hören. Zu den großen Vorbildern der Band zählen AC/DC, Aerosmith und Kiss, was man den Songs auch anmerkt, gerade wenn man sich mal die lyrischen Inhalte anschaut. Textzeilen wie “Hey, you ‘re a crazy bitch, but you fuck so good, I ‘m on top of it” brillieren zwar nicht gerade durch ihr fortschrittliches Frauenbild, erfüllen dafür aber sämtliche Klischees, die für die Produktion einer guten Hardrock-Platte unerlässlich sind. Oder wären Kiss etwa Kiss, wenn sie von summenden Bienen und grünen Auen singen würden?
Buckcherry – “Crazy Bitch”
Buckcherry sind jedoch deutlich facettenreicher als ihre großen Vorbilder. Auf All Night Long gibt es neben harten Rockern auch gefühlvolle Klänge zu hören. Der Titeltrack geht aber erstmal ordentlich auf die zwölf: Thematisiert wird die Extase einer Rock ‘n’ Roll Party. ”Do it anyway you want, and do it all night long” steht stereotypisch für ein Lebensgefühl, dass Konsumenten von einer echten Rockband erwarten. Der Song macht Laune und geht ins Ohr. Man bekommt Lust, sich in sein imaginäres Cabrio zu schwingen und den nächsten Getränkemarkt zu plündern.
Buckcherry – “All Night Long” (preview)
Das scheint Sänger Josh Todd schon zu Genüge getan zu haben, denn er galt jahrelang als massiver Alkoholiker und sieht zugegebenermaßen ein bisschen aus wie der junge Keith Richards. Seinen Weg aus der Sucht thematisiert er eindrucksvoll im Song ”Recovery”. “Jeder hat in seinem Leben schon mal eine dunkle Phase durchgemacht, deshalb glaube ich, dass sich die Leute prima mit diesem Song identifizieren können”, so der Sänger im Interview mit ElevenSevenMusic. Mit “These Things” schlagen Buckcherry softere Töne an und singen von ”all den Dingen, die im Laufe einer Beziehung so passieren können”, erklärt Gitarrist und Producer Keith Nelson. Hier klingt die Stimme von Todd auf einmal viel zerbrechlicher und gefühlvoller als beim Opener “All Night Long”. Buckcherry sind eben facettenreich.
Und als ob das noch nicht genug wäre, wartet die limited edition des Albums sogar mit sieben (!) Unplugged-Versionen bekannter Buckcherry-Songs auf. Die klingen mir dann doch ein wenig zu soft, aber auch Hardrock-Bands wollen eben eine vielseitige Käuferschaft ansprechen. Dass dieses Konzept gut funktioniert, haben die kanadischen Kollegen von Nickelback ja bereits sehr erfolgreich unter Beweis gestellt. In Deutschland sind Buckcherry bislang noch weitestgehend unbekannt, aber vielleicht wird sich das ja mit der Veröffentlichung dieses wirklich guten Albums bald ändern.
Buckcherry – “Sorry” (acoustic version)

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