Neues aus der Ohrwurmhölle: Gerade hab’ ich auf Youtube “La Bamba” angespielt. Schon laufen hier alle pfeifend und summend durchs Büro. Ab und an ist auch ein “La la la la” zu vernehmen. Ich glaube, das ist so einer dieser Songs. Kennen alle, mögen alle, ist seit zig Jahren nicht todzukriegen.
Das sieht auch Kai Sichtermann so. Deswegen hat es “La Bamba” in seine Liste der 55 legendären Hits geschafft. Und diese Liste hat er kürzlich beim Parthas Verlag Berlin als Buch veröffentlicht. Der Titel: Kultsongs & Evergreens.
Das Foto hier links zeigt allerdings nicht Kai Sichtermann. Es zeigt Lou Diamond Phillips. Das ist der grandiose Schauspieler, der den Popsänger Ritchie Valens gespielt hat. Im Film La Bamba. Valens hat nämlich genau mit seiner Interpretation des alten mexikanischen Volksliedes einen Riesenhit gelandet. Kurze Zeit später ist er dann per Flugzeugabsturz zusammen mit Buddy Holly unsanft aus dem Leben geschieden. Das Ganze hat Hollywood 1987 ziemlich eindrucksvoll verfilmt.
Womit wir wieder bei Sichtermann wären. Denn der hat nicht einfach nur eine schnöde Liste mit seinen Lieblingssongs erstellt. Das Gründungsmitglied der Formation Ton Steine Scherben liefert zu jedem Song auch die Geschichte und Geschichten dahinter. So schreibt er im Vorwort:
Hinter jedem Lied verbirgt sich eine Geschichte und es war faszinierend für mich zu verfolgen, welch verschlungene Wege die einzelnen Lieder durchlaufen mussten, bis sie ein Welterfolg wurden.
Die Songs hat er nach einem ausgeklügelten System ausgesucht. Akribisch hat er Hitparaden-Platzierungen gewälzt, Verkaufszahlen verglichen, dazu Einträge ins Guinness-Buch herangezogen und Datenbanken, die aufführen, wie oft ein Song gecovert worden ist. Und und und.
Ranking ohne Zeigefinger
Und weil wir gerade am Anfang der neuen Hessen Rockt-Runde stehen, stellen wir ein paar der Sichtermann-Songs hier im Blog vor. Quasi als Cover-Tipp. Muss sich aber keiner daran halten. Sichtermann selbst sagt, dass Musik-Rankings immer eine ziemlich subjektive Sache sind. Wir stellen auch nur in loser Reihenfolge vor und auch gar nicht alle. Schließlich sollt Ihr Euch das Buch ja zu Weihnachten kaufen und nicht hier lesen.
Achja außerdem. Der gute Sichtermann ist beim Schreiben ziemlich schnell in die Bredouille geraten. So ein Popsong mag vielleicht nicht so komplex sein. Aber zu erzählen gibt es immer reichlich. Deswegen hat sich der Autor helfen lassen und für manche Texte Gastschreiber engagiert. Bei “La Bamba” ist es der Journalist, Songtexter und Schriftsteller Misha G. Schoenberg.
Von der Bamberia zu La Bamba
Er erwähnt die simple Akkordfolge und den ebenfalls recht einfachen Text. Zusammengefasst lautet der: Hey Mädchen, tanz mit mir, glaube nicht, ich sei Matrose, ich bin der Kapitän. Aber “La Bamba” sei weitaus mehr als ein einfaches Balz-Lied. Seine Geschichte sei eng verknüpft mit den Annalen der Stadt Veracruz in Mexico. Die haben die Spanier 1519 als Hafen gegründet und von dort das geraubte Azteken-Gold nach Europa zu veschifft. Die Schätze waren im Fort, in der Bamberia, zwischengelagert.
So ein goldenes Fort ist natürlich auch für Piraten attraktiv gewesen. Nicht nur Francis Drake hat La Bamberia überfallen. Vor allem Lorenz de Graaf ist den Menschen in bleibender Erinnerung geblieben. Eine ganze Woche lang haben er und seine Spießgesellen 1683 “La Bamba” vollführt. Was in dem Fall heißt: die Stadt terrorisiert. Unter anderem vergewaltigten die Räuber 30 Jungfrauen am Tag. Was dem Song wiederum eine ganz neue, unheilvolle Note gibt. Zumal viele Einwohner dem Terror durch einen beherzten Sprung direkt vom Kirchturmdach ins Paradies entflohen sind.
Ihr merkt schon, Schoenberg hat in großem Stil recherchiert. Nicht einfach nur bei Wikipedia nachgeschaut. Die Geschichte von “La Bamba” hält noch einige Ver- und Entwicklungen bereit. Bis dann eben Ritchie Valens aufgetaucht ist und dem Song 1958 zu Weltruhm verholfen hat.
La Bamba ist der einzig spanischsprachige Titel, der in die Liste der 500 besten Rocksongs aller Zeiten des Musikmagazins Rolling Stone aufgenommen wurde.
Lila Down spielt La Bamba
Lou Diamond Philipps spielt Ritchie Valens spielt La Bamba

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