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Von der Werbung ins Bett

2010.08.30_Frank_aufFrank Diedrich ist der Wortspiel-Verführer. Seit fünf Jahren belebt der Frankfurter mit seinem Musikclub das Bett die Kulturlandschaft der Stadt. Einerseits, weil dort tolle Konzerte laufen. Andererseits, weil der Name zu kreativem Umgang mit Sprachspielen herausfordert.

Von Donnerstag an begeht der 54-Jährige drei zwei Tage lang den fünften Geburtstag des Clubs – mit einem bunten Querschnitt aus dem Haus-Programm. Für das Donnerstag-Konzert sucht Diedrich noch einen Headliner. Das Donnerstag-Konzert fällt aus.  Katzenjammer aus Norwegen sind krank geworden. Am Freitag spielen Low 500, Borgenine und Nova Drive. Am Samstag steht Balkan Ballroom mit Tomo Polic und Robert Soko auf dem Zettel.

Das Bett ist gemacht – könnte man sagen. Vor einem knappen Jahr hätte es eher geheißen: „Das Bett ist klamm.“ Zu der Zeit  zog Diedrich sein Bett aus Alt-Sachsenhausen ab und an die Schmidtstraße ins Gallus um. Mit Anlaufschwierigkeiten. Hier hat er zwar weder Ärger mit dem Bauamt, noch mit den Nachbarn, wie zu früheren Zeiten. Auch die Parkmöglichkeiten sind besser als im engen Sachsenhausen. Doch das neue Bett ist dreimal größer als das alte, fasst 450 Zuschauer. Die müssen erst einmal zusammen kommen.

Vielfältiges Progamm

„Ich bereue den Umzug nicht“, sagt Diedrich. Aber: „Ich habe ihn anfangs unterschätzt.“  Laufkundschaft hat er in der Schmidtstraße keine mehr. Dafür kommen mehr Besucher aus dem Umland. Diedrich hat sich freigestrampelt.
Die Konzerte sind mittlerweile gut besucht. Und „der Vorverkauf für die Herbstsaison läuft gut.“  Das Programm sei vielfältiger geworden, erzählt der Impresario. Mit Florian Lippmann hat er sich einen Booker ins Haus geholt, der einen Blick für die jüngere Zielgruppe habe.

Zum fünften Geburtstag hat sogar die Stadt seinen Club erstmals mit Fördermitteln bedacht. „Das hat mich gefreut.“ Die Unterstützung könnte aber auch besser sein. Was dringend fehle, seien zum Beispiel preiswerte Plakatflächen für Clubbetreiber.

Kultur macht Sinn

Trotz aller Unbill – ans Aufhören habe Diedrich nie gedacht. „Es macht ungeheuer viel Spaß, selbstbestimmt zu arbeiten.“ Bevor er seinen Club eröffnete, ist Diedrich 15 Jahre in der Werbung gewesen. „Das war auch eine gute Zeit“, sagt er. Dennoch habe er sich eingeschränkt gefühlt. „Letztendlich hat der Kunde immer recht.“ Jetzt habe er dagegen das Gefühl: „Das Ganze macht Sinn.“ Diedrich ist im Dienst der Kultur aktiv. Er erfreut Menschen mit Konzerten, bietet auch unbekannten Künstlern eine Plattform an.

So verschlungen die Karriere des Frank Diedrich ist, abwegig ist seine Vita nicht. Angefangen hat er als hoffnungsvoller Musiker. Diedrich hat in zahlreichen Bands den elektrischen Bass gespielt und ist so viel in  der Clubszene unterwegs gewesen. „Zwischen 18 und 26 habe ich versucht, den Kampf zu gewinnen und von der Musik zu leben.“

Einmal, zu NDW-Zeiten hätte es fast geklappt. Aber eben nur fast.  Sein Geld hat  Diedrich seit jeher in Nebenjobs verdient – zulasten des Studiums. Als Anzeigenverkäufer beim alternativen Magazin Pflasterstrand  ist er durch die Naturkostläden in Bockenheim gelaufen und hat Annoncen eingesammelt. „Das ging überraschend gut“, erinnert er sich. So gut, dass er vom freien zum festen Mitarbeiter und später zum Anzeigenleiter aufstieg.

Pionierarbeit in der Öko-Agentur

Dabei hat er viel mit Agenturen zu tun gehabt – wegweisend für den nächsten beruflichen Schritt. Im 30. Lebensjahr gründete er eine alternative Agentur.  „Wir waren eine der ersten Öko-Werbeagenturen in Deutschland.“ Diedrich machte Werbung für umweltverträgliche Produkte oder Institutionen wie etwa das Ökotest-Magazin.

Mit dieser Idee ist er allerdings zu früh dran gewesen. Die Agentur lief nicht gut. Die Budgets seiner Kunden waren klein, das Thema „Öko“ noch nicht prominent. Also ging es für Diedrich zurück ins Angestelltenverhältnis.
Bis zur nächsten „fixen Idee“, wie er sagt.  Der des eigenen Clubs. Heute, nachdem rund 900 Bands bei ihm zu Gast waren, ist sicher: Die fixe Idee ist als aus der Frankfurter Kulturszene nicht mehr wegzudenken.

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