Ja ich weiß, HipHop ist kein Rock und damit auch nicht erwähnenswert. Eigentlich. Aber es gibt auch Ausnahmen: Kurtis Blow zum Beispiel. Der ist halt ein Stück Zeitgeschichte. Kurtis Blow ist eine Legende. Der heute 51-Jährige unterschrieb 1980 als erster Rapper einen Vertrag bei einem Majorlabel. Blow war überdies der erste Rapper, der sich eine goldene Schallplatte an die Wand hängen konnte – für „The Breaks“ – und der erste Rapper, der auf Europatournee ging. Derzeit ist er wieder einmal in der alten Welt unterwegs. Blow und seine zwei Söhne feiern den 30. Jahrestag von „The Breaks“. Am Sonntag, 10. Oktober in der Batschkapp Frankfurt.
Kurtis Blow – The Breaks
Kurtis Blow ist aber auch ein schräger Vogel. Zum Beispiel schwört er Stein und Bein, dass Deutschland sein Lieblingsland sei und Frankfurt seine Lieblingsstadt darin – außerhalb der Heimat. „Der Flughafen ist mein Drehkreuz in Europa“, sagt er. Und Frankfurt sei einfach heimelig. Wie um das zu bekräftigen, löffelt Blow beim Gespräch einen Teller Kartoffelsuppe und schwärmt von Leberwurst zum Frühstück und sogar vom Apfelwein. Überhaupt Wurst: “Ich würde einer Currywurst jederzeit den Vorzug vor einem Mc Donalds-Burger geben”, sagt Blow.
Man muss das verstehen. Kurtis Blow arbeitete lange Zeit in Rödelheim mit Filmemacher Jochen Hasmanis zusammen an der Dokumentation „The History of Rap“. „Er hat mein Filmprojekt gerettet“, sagt Blow über Hasmanis. Der 11. September 2001 brachte die beiden zusammen. Nach den Anschlägen war ihm sein Regisseur abgesprungen. Ersatz habe er nicht auftreiben können.
„Niemand wollte nach New York kommen, alle hatten Angst“, erinnert sich Blow, selbst etwas eingeschüchtert. Ein Freund habe ihm dann empfohlen, es bei Hasmanis in Frankfurt zu versuchen. „Er hat mich bei sich aufgenommen und in seine Familie integriert“, erinnert sich Blow. Und dann hat der Rapper entdeckt, dass Filmer Hasmanis auch in einer Rockband spielte. Natürlich haben sie gejammt. Und natürlich bereichert Hasmanis mit seiner Band November auch das Kurtis-Konzert in der Batschkapp auf.
Im Herzen ein Rocker
Mit Rockmusik kennt sich Kurtis Blow aus. Er ist schließlich mit The Clash auf USA-Tour gewesen. “Das war unglaublich”, erinnert er sich. Die vier Jungs hätten geklungen wie ein ganzes Orchester. Blow ist heute noch gefangen. Wenn über The Clash spricht fängt er an, in der Luft zu fuchteln. “Die hatten Power. Der Sound penetrierte Deinen Körper, das war physisch, das konnte man greifen.”
Und zu “Magnificent Seven” ist er mit auf die Bühne gegangen und hat gerappt. Das war 1981, also lange bevor es die ersten offiziellen Crossoverprojekte zwischen Rockern und Rapper gegeben hat. 1983 kamen die Toten Hosen dann mit Hip Hop Bommi Bop, Mitte der 80er folgten Run-DMC (mit Kurtis Blow als Produzenten) und die Beastie Boys.
The Clash – Magnificent Seven
Seither besucht Blow so viele Konzerte, wie möglich. Rock, Funk, Jazz. “Livemusik gehört zu den schönen Dingen des Lebens”, sagt der Rapper. Ebenso wie Familie. „Gott hat es gut mit mir gemeint“, sagt er. „Ich habe eine wunderbare Familie und ein schönes Leben.“
Dabei wäre es fast anders gelaufen. Als Kind ist er zwar ein Musterschüler und in Harlem der Stolz der Nachbarschaft gewesen. Als solcher war er aber auch bei den Ganoven gerne gesehen. Als er dann noch in der Schule herausfand, dass sein großes Vorbild Malcolm X in der gleichen Nachbarschaft ein „Hustler“, also ein Gauner gewesen ist, wurde er selbst zum Gauner. Erst als sein Bruder nach einer Schießerei in den Knast musste, kam der junge Kurtis zur Besinnung. Als DJ, Breakdancer und schließlich Rapper machte er Karriere.
Rapper Gottes
Heute ist er sich sicher: Das war Gottes Wille. “Als ich klein war”, erzählt Blow, “habe ich mit Gott eine Vereinbarung geschlossen.” Der Herr möge so lange über ihn wachen und ihn beschützen, bis er groß genug sei, um sich selbst zu beschützen. Und wie das so ist mit Kindern. Der kleine Kurtis wurde größer und dachte nicht mehr an die Vereinbarung. “Aber Gott hat den Deal nicht vergessen”, sagt Blow.
Das sei ihm vor etwa fünf Jahren klar geworden. Gott habe über ihn gewacht und vor Kugeln und Krankheit bewahrt und ihm Erfolg und Familie geschenkt. Und dann sei es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen. Dass er in mehr als 200 Popsongs ohne Vulgärsprache augekommen ist, das lag weniger an seinem netten Wesen. „Das ist Gott gewesen“, sagt Blow.
Darum engagiert sich der Rapper heute auch mehr und mehr in der Seelsorge. In Harlem hat er eine HipHop-Kirchengemeinde gegründet. “Wir wollen den Kids das Wort Gottes nahebringen”, erzählt er. “In einer Sprache, die sie verstehen, also HipHop.”
Eine Aufgabe, die er überdies auch gerne in Deutschland verstärkt angehen würde. “Auch wenn das nicht hip ist.” Aber das Problem habe Martin Luther seinerzeit ja auch gehabt. Als der seine 99 Thesen an die Wand nagelte, um seinen Protest gegen Papst und Kirche kundzutun, sei das auch nicht gerade populär gewesen. Aber wichtig für das Christentum, findet Blow und ergänzt: “Ihr Deutschen habt mit dem Protestantismus angefangen. Ihr könnt jetzt nicht einfach damit aufhören.”

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