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Bambis Beatles

2010.08.16_Bambi_Kino_aufUnd wieder eine Beatles-Coverband. Bambi Kino widmet sich den frühen Hamburger Jahren der Fab Four aus Liverpool – vielmehr damals Fab Five. Das Projekt hat sich zum 50. Geburtstag der Pilzköpfe zusammen gefunden. Die Band ist benannt nach jenem Kino, in dem die Beatles 1960 in Hamburg  lebten. Und weil die Beatles in jener Zeit zunächst im Indra Musikklub auftraten wird Bambi Kino ebenfalls das Indra unsicher machen.  Vom 17. bis 20. August spielen Mark Rozzo (Maplewood), Ira Elliot (Nada Surf), Doug Gillard (Ex Guided By Voices) und Erik Paparazzi (Cat Power) Musik aus der Hamburger-Phase der Beatles.

Herr Rozzo, Herr Elliot, warum gehen zwei erfolgreiche US-Musiker nach Hamburg um Beatles-Songs nachzuspielen?

Mark Rozzo: Das frage ich Ira auch die ganze Zeit.

Ira Elliot: Weil ich muss! Das war die Chance, einen Kindheitstraum zu verwirklichen. Die Beatles sind einer der Eckpfeiler meines Lebens, eine Obsession, der Grund, wieso ich Musiker wurde.

Rozzo: Letztes Jahr tourten wir mit unserer Band Maplewood durch Deutschland. Und irgendwann im Tourbus redeten wir darüber, wie diese ganze Beatles-Nummer losging. Damals, 1960 in Hamburg. Dort entwickelten die Beatles diese Kraft, die sie erst zur größten Rockband der Welt machte und dann zum popkulturellen Phänomen. Aber darf ich Ihre Frage ehrlich beantworten?

Nur zu.

Rozzo: Diese alten, geilen Rock’n’Roll-Songs an einem so großartigen Ort wie Hamburg zu spielen, das ist der größte, unglaublichste, verrückteste Spaß, den man als Band haben kann.

Verstanden. Aber trotzdem: Sie sind ja nur Teil der riesigen Beatles-Nostalgie. Woher kommt diese Faszination, auch 40 Jahre nach der Auflösung der Band?

Rozzo: Weil sie die aufregendste, die größte Band der Welt ist. Mit einem unermesslichen musikalischen Einfluss. Wenn eines fernen Tages Bücher über unsere Zeit geschrieben werden, dann wird der Absatz über Musik und deren gesellschaftlichem Einfluss von den Beatles handeln.

Elliot: Wir spielen in Hamburg im Indra Musikklub dieselben Lieder, die die Beatles 1960 dort spielten. Das war die Blaupause für die Musik der 60er und die gesamte spätere Rockmusik. Die Beatles nahmen Rock’n’Roll, Country und Skiffle und machten daraus ihre eigene Musik. Man kann diese Einflüsse bis heute hören. Deshalb macht es so viel Spaß, diese Musik zu spielen. Das ist nicht irgend so eine Broadway-Melodie.

Rozzo: 1960 in Hamburg, da spielten sie eine frühe Form des britischen Punk, einen der rohesten Sounds, den es je gab. Später wurden sie künstlerischer und noch später gab es dann elektronische Einsprengsel. Und alles führte zu etwas. In einer so kurzen Zeit haben sie so viele neue Äste des Popbaumes geschaffen – und viele tragen immer noch Früchte.

Auch in Ihrer Musik?

Elliot: Ein Großteil von dem, was ich als Schlagzeuger mache, geht auf Ringo zurück. Und Paul und John haben mich zum Harmoniegesang gebracht. Wenn ich ein Lied im Radio höre, dem die Harmonien fehlen, dann schreibe ich welche dafür.

Some other guy – Bambi Kino

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Die Faszination der Beatles macht sich auch an den vier so unterschiedlichen Charakteren fest – jeder kann sich mit einem identifizieren. Wer ist denn Ihr Lieblingsbeatle?

Rozzo: Als ich ein Kind war: Paul. Sein Gesang passte zu meiner hohen Stimmlage. Ich liebe die Melodien, die er komponiert hat. Unerreicht in der Popmusik. Außerdem hatte ich dunkles Haar und sah ein bisschen mädchenhaft aus. Wie Paul eben.

Elliot: George. Das liegt an meiner älteren Schwester. Als die Beatles 1964 in die USA kamen, da war ich ein Jahr alt. Sie war zwölf und Beatles-Fanatikerin. Und weil sie ein riesiger George-Fan war, habe auch ich mich in George verliebt. Was sehr gut ist, denn George ist ganz klar der Coolste.

Haben Sie ihn mal getroffen?

Elliot: Nein. Aber ich habe eine Tochter, die an George Harrisons Geburtstag geboren wurde.

Das war sicher geplant.

Elliot: Meisterhaftes Timing. Ehrlich: Wenn ich die Chance gehabt hätte, ich hätte die Geburt jedes meiner Kinder an den Beatles ausgerichtet.

Ist es nicht verdammt schwierig, die Songs der eigenen Helden nachzuspielen?

Elliot: Wir versuchen nicht, die Beatles zu imitieren, zum Beispiel mit einem britischen Akzent zu singen. Stattdessen hören wir uns alte Aufnahmen an. Da ist eine schnelle, raue Energie drin. Die wollen wir rüberbringen.

Rozzo: Die Beatles sind für mich wie eine zweite musikalische Haut. Weil ihr Einfluss so groß ist, die Stimmen so vertraut. Wenn ich die Lieder singe, die John Lennon sang, versuche ich nicht, John zu imitieren. Trotzdem schleicht sich eine gewisse Färbung in meine Stimme.

Sie sollen trotzdem richtig recherchiert haben, um den Originalsound hinzubekommen.

Elliot: Ich habe wirklich recherchiert und letzte Woche im Internet sogar zwei Snairdrums aus den 50ern gekauft. Solche, wie sie auch Ringo hatte. Die haben diesen ganz besonderen, wunderbaren Knall. Es braucht immer beides: Musiker und Instrument. Pete Best war ein echt guter Schlagzeuger. Aber Ringo hat die Beatles in die 60er getrommelt.

Und wie bereitet sich ein Sänger und Gitarrist vor?

Rozzo: Ich habe mir Bücher durchgelesen, alte Aufnahmen angehört, und darüber nachgedacht mir eine Rickenbacker-Gitarre zu kaufen, wie John Lennon sie spielte. Aber ich habe es dann gelassen, weil ich sowieso eine elektrische Gibson von 1960 spiele. Fast dieselbe Gitarre, mit der die Beatles bekannt wurden. Vielleicht hätte ja einer der Jungs genau die gekauft, wenn es sie damals im Steinway-Musikhaus in Hamburg gegeben hätte. Wir sind also nah dran – ohne unsere eigenen Vorlieben aufzugeben.

Für Ihre Nachforschungen haben Sie auch an einer Beatles-Stadtführung durch Hamburg teilgenommen.

Elliot: Der Führer hieß David, ein Hamburger, der damals Student war und sich für britische Rockmusik interessierte. Er ist John öfter auf der Straße begegnet, kennt die ganzen Ecken und nimmt dich mit in den Original-Starclub.

Und was ist jetzt Ihr Beatles-Hamburg-Lieblingsort?

Elliot: Ich hätte gerne den kleinen Raum im Bambi Kino gesehen, hinter der Leinwand. Dort schliefen die Beatles anfangs. Das muss eine furchtbare Bude gewesen sein. Aber eigentlich kann man nicht mehr mittendrin sein als im Indra. Ich stelle mir seit Monaten vor, wie es wohl wird.

Rozzo: Vielleicht sind wir enttäuscht, wenn wir dort sind. Wie die Beatles 1960 und wollen auch lieber im Kaiserkeller spielen.

Elliot: Dann hauen wir einfach ab und schleppen unseren verdammten Kram da rüber.

Rozzo: Vielleicht werden wir rausgeschmissen. Wie die Beatles.

Hört sich an, als wären Sie sehr gerne dabei gewesen.

Elliot: Ja! Ich will eine Zeitmaschine! Die meisten Leute wollen ja zurück in der Zeit, um zu sehen wie Christus gekreuzigt wird. Bullshit – ich will die Beatles im Cavern Club sehen.

Sind Sie als Musiker nicht auch manchmal einfach neidisch auf diese Band?

Elliot: Und wenn es nur zwei Sekunden wären – ich würde mit ihnen tauschen. Ich wär so gerne ein Beatle. Egal was ich tue, wie talentiert ich bin – sie hatten einfach alles.

Rozzo: Musiker beklagen sich immer, dass alle tolle Musik schon vor ewigen Zeiten geschrieben wurde. Da steckt ein Körnchen Wahrheit drin – es gab eine goldene Zeit für Rockmusik. Manchmal denke ich: Verdammt, ich wäre gerne da gewesen. Dann hätte ich in einer Bar einfach drei Akkorde gespielt und wäre heute ein Held. Aber eine neue Welt zu erschaffen ist nie leicht. Keith Richards sagte mal: „Ich muss mich vor John verneigen. Er hat die Türe eingetreten, durch die wir dann alle gelaufen sind.“ Das war das, was John und seine Freunde 1960 in Hamburg gemacht haben.

Die Beatles haben damals drei Auftritte pro Tag gehabt, bis zu sechs Stunden am Stück gespielt. Könnten Sie das überhaupt?

Rozzo: Ha! Wir spielen auch drei Auftritte pro Abend im Indra. Die haben unter der Woche viereinhalb Stunden pro Nacht gespielt, wir spielen insgesamt mehr als drei Stunden. Sie sehen, die Arbeitsbedingungen auf der Reeperbahn haben sich in den letzten 50 Jahren geringfügig verbessert.

Elliot: Normalerweise spielen wir zwei Stunden, und unsere eigenen Songs. Die sind fünf bis sechs Minuten lang. Jetzt spielen wir Zwei-Minuten-Songs, fast 60 Stück. Das geht bum-bum-bum.

Wenn Sie das schaffen, tragen Sie bei Ihren Auftritten sicher auch Lederjacke und Pilzkopf?

Elliot: Ich würde ja gerne, aber ich bin ein großer, lockenköpfiger Jude.

Rozzo: Ich bin ganz nah dran. Mein Haar ist dunkelbraun und glatt. Egal was ich mache, es fällt in die Stirn und über meine Ohren.

Und die Lederjacken?

Elliot: Liebe ich. Es gibt diesen Hamburg-Look: schwarze, gerade Jeans, schwarze, spitze Lederschuhe, schwarze Lederjacke. Das ist die Rock-Uniform. Seit 1960. Ich bin ein Rockmusiker. Ich habe einen Schrank voller spitzer, schwarzer Schuhe.

Rozzo: Das stimmt. Ohne uns zu verkleiden, können wir in unsere Schränke greifen und dann mit unserer eigenen Version des Beatles-Looks auftreten.

Slow Down – Bambi Kino

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Interview: Rudi Novotny

Foto: Andrew Bicknell

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