Das Internet kann alles. Der Wahl-O-Mat sagt den Bürgern, wo sie ihr Kreuzchen setzen sollen. Jammin’ Johns gibt Musikern Anregungen, ihr stilles Örtchen einzurichten. Und zahlreiche Online-Börsen vermitteln Bands auf der Suche nach Musikern ihre nötigen Kontakte (Ihre Anfrage ergab keine Treffer). Das schwarze Brett in der B-Ebene der Hauptwache ist ja schon lange fort.
Das Problem ist, es gibt keine wirkliche Musiker-Szene, in der jeder jeden kennt. Also heißt es: Mit viel Geduld lustige Leute ertragen, die zum Vorspielen oder –singen vorbei kommen. Ganz so schlimm ist es aber gar nicht, verrät Werner Littau von der Gruppe Was’n. Die haben gerade die Sängerin gewechselt. „Ilo wollte sich mehr auf das Privatleben konzentrieren.“ Den Verlust hat die Band schnell kompensiert. „Durch Zufall“, sagt Littau. Eine Bekannte des Schlagzeugers hat sich als begnadete Sängerin im Wartestand entpuppt. „Da kam unsere Anfrage genau richtig.“ Interessant auch: Die neue Sängerin heißt ebenfalls Ilona, genau wie ihre Vorgängerin.
So viel Glück haben Bands bei der Suche nach neuen Musikern nicht immer, das weiß Werner Littau. „Normalerweise ist das sehr schwierig.“ Besonders im Segment Coverbands gehe es oft eigenbrödlerisch zu. Früher sei das zumindest der Fall gewesen. Heute sind die Fronten aufgeweicht. „Da ist durch Hessen Rockt so etwas wie eine Szene entstanden. Man hat viel mehr Kontakte.“
Das Karussell dreht sich
Die wollen Was’n jetzt nutzen, um noch eine männliche Stimme für die Band zu gewinnen. (Bei Interesse, einfach eine E-Mail an die Band schicken: vocals@wasn.info) „Irgendjemand kennt immer irgendjemanden“, sagt Littau zuversichtlich.
In die gleiche Kerbe schlägt auch Paul Pock, Bassist und Mastermind der Band Lentil dish. Die haben 2007 am Wettbewerb teilgenommen und sind seitdem Teil der Hessen-Rockt-Familie. Außer einem netten Abend hat Pock noch etwas anderes aus dem Wettbewerb mitgenommen: Kontakte. Pock organisiert jedes Jahr ein eigenes Sommer-Festival, das Linsenrock. Viele der Bands, die dort auftreten, findet Pock bei Hessen Rockt.
Sein neuster Streich: Steven Haasemann, das Stimmwunder der Gruppe SixSixFour, singt jetzt auch bei Pocks Lentil dish. „Er war noch nicht ausgelastet“, sagt Pock zum Transfer. Ein Konzert haben sie nun schon zusammen bestritten, die Fans waren begeistert. Kein Wunder, die Iron-Maiden-Coverband SixSixFour schaffte es mit Haasemann am Mikro in der vergangenen Hessen-Rockt-Runde immerhin ins Finale.

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