Auf geht’s ins Halbfinale: Die Gewinner der zehn Vorrundenkonzerte stehen nun in der traditionsreichen Batschkapp auf der Bühne.
Der Frankfurter Musik-Club blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon einige Male stand der Laden kurz vor der Schließung. Die Anwohner beschwerten sich über Ruhestörung. Prügeleien zwischen Punks und Skinheads kratzten am Ruf. Doch die Kapp hielt stand. Heute existiert sie seit über 30 Jahren.
Die Gründung
Am Anfang steht eine Kette von Zufällen. 1976 fliegen die Spontis Ralf Scheffler, Klaus Trebes, Matthias Beltz und andere linksaktive Freunde aus ihrer Stammkneipe. Auf der Suche nach einer neuen Location entdecken sie den „Elfer“. Damals befindet sich über ihm noch das „La Baya“, eine Vorstadt-Disco, der langsam die Luft ausgeht. „Und plötzlich hatten wir das Ding“, sagt Scheffler in der Festschrift der Batschkapp zum 20-jährigen Jubiläum 1996.
Der Name des Clubs kommt nicht von ungefähr: Die Batschkapp (regionale Bezeichnung für eine Sommermütze) soll alle unter einen Hut bringen, die sich in der kleinbürgerlichen Gesellschaft der siebziger Jahre fremd fühlen. Zunächst bietet die Kapp ihren Besuchern Theateraufführungen, politische Diskussionen und Filmabende. Besonders beliebt bei den Gästen: Die Disco-Nächte. Erst später treten dort auch immer häufiger Bands auf.
Obwohl die Batsche großen Anklang bei ihrem Publikum findet, gerät sie Anfang der 80er Jahre in finanzielle Nöte. Um den Laden wieder auf Kurs zu bringen, veranstalten die Inhaber ein Benefizkonzert in der Stadthalle Offenbach. BAP und Ideal geben sich dort die Ehre.
Das Konzert läutet die Wende ein. Es geht wieder bergauf. Mit einem Kredit von 600.000 Mark kaufen die Kappler das Clugelände an. Zwei Jahre später renovieren sie von Grund auf renoviert. Auch das Programm ändert sich: Im Vordergrund stehen nun musikalische Live-Acts.
Die Hosen besuchen den Hut
1991 feiert die Kapp ihren 15. Geburtstag. Der Höhepunkt: der Auftritt der Rockafellas, besser bekannt als Die Toten Hosen. Die sind ja ohnehin so etwas wie eine Hausband im Escherheimer Kulturzentrum. Sie stehen hier mehr als einmal auf der Bühne und sind auch als Gäste oft und gerne gesehen.
“Das erste Doppelkonzert im Rahmen unserer ‘Unter falscher Flagge-Tour’, 1985 war das glaub ich, ist den Betreibern durch Komplettausverkauf aller Getränke bereits am ersten Abend und uns durch einen brillanten Zechpreller-Coup nach dem Konzert am zweiten Abend noch in bester Erinnerung”, erinnert sich Hosen-Sänger Campino. In den folgenden Jahren geben sich weitere Stars das Mikro in die Hand: Nirvana, Die Ärzte oder The Prodigy haben den Club schon gerockt.
Auf der Höhe der Zeit
Ralf Scheffler ist heute immer noch Inhaber der Batschkapp. Aber auch in anderen Locations trifft man das Werk des Impressarios an. der 61-Jährige hat Lenny Kravitz, Smashing Pumpkins und Jamiroquai ins ehemalige Volksbildungsheim (heute Metropolis) am Eschenheimer Tor geholt. In der Offenbacher Stadthalle brachte er The Ramones und Public Enemy auf die Bühne. Seit 1993 gehört auch das Nachtleben an der Konstablerwache zum so genannten “Scheffler-Clan”. Dort gaben unter anderem No Doubt und Rammstein ihre Songs zum Besten.
„Die Besonderheit der Kapp ist, dass wir musikalisch immer auf der Höhe der Zeit sind. Hier treten sowohl nationale als auch internationale Stars auf“, sagt Scheffler. Das beweist auch der Erfolg beim Publikum. Seit der Gründung ist der Live-Club nicht mehr aus der hessischen Musikszene wegzudenken.
Bei Scheffler spielen aber nicht nur die Stars. Auch der Hessen Rockt-Zug fährt jedes Jahr in Eschersheim vor, zum Halbfinale. Darauf freut sich der Chef ganz besonders. „Coverbands werden häufig unterschätzt, weil sie die Songs anderer Musiker spielen.“ Bei Hessen Rockt zeigen diese Gruppen, dass sie trotzdem richtig gute Musiker sind.
Scheffler selbst ist ja nicht nur hinter der Bühne tätig. Auch obendrauf macht er eine gute Figur – in einer Coverband. Das hat er mit seinen Terrible Noises unter anderem beim 30. Geburtstag der Batsche bewiesen. Der Name bedeutet übrigens nicht, dass die Band tatsächlich furchtbar klingt. Scheffler hat ihn aus Tradition gewählt. Schon als 16-Jähriger, 1965 war das, spielte er bei einer Formation namens The Terrible Noises mit. Gitarre. “Mehr schlecht als recht.”

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