König Henninger ist ein echter Kerl. Auch wenn er auf dem Foto stark geschminkt ist und sich gerade einsingt, steht er in einer Reihe mit Helden-Figuren wie Harrison Ford als Han Solo in Star Wars oder Belmondo in all seinen Rollen. Der König ist eben der König. Und doch wieder nicht. Sein Zepter ist die Bierflasche und seine Königin eine Magd. Die er noch dazu zu Gunsten eines frisch gezapften Biers jederzeit stehen lassen würde.
Rudi Eitel ist der König. Klingt erst einmal komisch. Ist es auch. So einen lustigen Monarchen wie Rudi Eitel gibt’s auf der Welt nicht noch einmal. Sein Motto: „Ich bin König Henninger, ich trink’ mal mehr mal wenninger.“ Wie er an sein royales Amt gekommen ist? „Ich war der größte und der schwerste in der ganzen Stadt, der auch noch wagt, auf der Bühne zu singen.“ Denn das muss der König von Mühlheim am Main – jedes erste Wochenende im Monat. Im Schanz, beim Musical „König Henninger“.
Das Schanz ist in Hessen Rockt-Kreisen ja durchaus bekannt. Es ist eines der Urgesteine unter den Hessen Rockt-Clubs. Die Mühlheimer Kulturhalle ist schon dreimal Schauplatz bestechender Vorrundenkonzerte gewesen. Und immer wieder ist ein Abend dort ein Erlebnis. Das gilt auch für den Schanz-Dauerbrenner König Henninger. Der erlebt Saison für Saison mit stetigem Erfolg seine Abenteuer. Dabei ist das Werk so alt wie das Schanz selbst. Kunststück. Schließlich haben die rührigen Schanz-Betreiber vor elf Jahren ihre Bühne nur für den König Henninger gebaut.
Unsinn als Selbstläufer
Eigentlich ist das Musical sogar noch älter als die Bühne. Schanz wie König Henninger sind die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Das Ganze ist aus einer Laien-Schauspieltruppe im Zeltlager entstanden. 1994 war das. Simon Goss, sein Bruder Marc und das Autorentrio Thorsten Bauch, Matthias Spahn und Klaus Schmitt hatten wie alle jungen Leute eine ganze Menge Unfug im Kopf. Diesen haben sie als Singspiel so erfolgreich unter die Leute gebracht, dass der König Henninger zum Selbstläufer geworden ist.
„Die erste Aufführung war noch total improvisiert“, erinnert sich Matthias Spahn. Rund 250 Besucher drängten sich da im Mühlheimer Reiterheim und schmunzelten über die Erlebnisse des trinkfesten Monarchen. Mit der Zeit liefen die Shows dann immer professioneller ab. Sehr bald ist es den Organisatoren aber immer mehr gegen den Strich gegangen, immer wieder eine neue Location für ihre Aufführungen zu suchen. Kurzerhand gründeten sie ihren eigenen Laden. Das Schanz.
Eine Bühne für die Ewigkeit
Eine Marktlücke. Für die 20 bis 40-Jährigen sei das Angebot an Ausgehmöglichkeiten in Mühlheim eher dünn gewesen, erzählt Simon Goss. Trotzdem sind sie ein Wagnis eingegangen. Schließlich ist keiner von ihnen gelernter Kulturmanager oder Gastronom. Aus der alten Maschinenhalle haben sie allerdings ein Kleinod geformt. Mit Hilfe des benachbarten Berufsbildungswerk. „Da gibt es lauter Handwerker, die etwas für ihre Meisterprüfung bauen müssen“, erzählt Goss. Nach ihrem Abschluss müssen sie diese Konstrukte wieder abbauen. Da blutet das Handwerkerherz. „Wir haben gesagt: ‚Baut uns eine Bühne, die müsste Ihr nicht wieder abreissen’“, erzählt Goss.
Seitdem läuft der Laden. Und natürlich erlebt der König nicht immer die gleichen Abenteuer. Das Autoren-Trio hat bereits die dritte Staffel verfasst. Die Geschichte des derzeitig laufenden Abenteuers „König Henninger in Transsylvanien“ ist schnell erzählt: Der lebensfrohe Regent wird zu einer Hochzeit nach Transsylvanien eingeladen. Geschmeichelt sagt er zu und bricht samt Magd auf die beschwerliche Reise ins ferne Land auf. Dort, wie sollte es anders sein, meistert er eine Reihe von Abenteuern, trinkt eine Menge Bier und trifft einige schräge Gestalten. Man könnte aber auch sagen: Die Leute treffen einen wunderlichen König. Die schrägste Gestalt im fernen Land ist nämlich immer noch der König selbst.
Kultur als Phänomen
Die Aufführung heute Abend ist schon wieder mal ausverkauft. Für morgen, Samstag, 7. November, gibt’s noch Restkarten. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn 20.30 Uhr. Vor dem Stück bleibt Zeit für Speis’ und Trank. Und so soll es noch viele Jahre weiter gehen mit dem König im Schanz. „Wir spielen, bis der letzte Zuschauer sagt, er kommt nicht mehr“, kündigt König Eitel schon mal an. Und Matthias Spahn ergänzt: „Wir haben noch viel Lust zu spielen.“ Zumal die Zuschauer unvermindert herbei strömen.
„Es ist ein Stück Kulturgut der Stadt“, findet König Eitel und mehr als das: „Es ist ein Phänomen.“ Eitel habe schon in vielen Theatergruppen gespielt, so einen guten Zusammenhalt innerhalb eines Ensembles habe er noch nie erlebt. „Wir spielen jetzt über 60 Mal zusammen“, sagt Eitel. „Und wir hatten noch nie einen Ausfall. Es war noch einer krank und wir hatten auch nie einen Krach.“ Und wo der Monarch gerade in Spendierlaune ist, geizt er auch nicht mit Lob für die Autoren: „Die Phantasie, die aus diesen Leuten sprudelt ist unglaublich. Das kannst Du nicht kaufen.“
Feiern im Schanz
Das Schanz können Besucher auch nicht kaufen, sehr wohl aber für eigene Feiern mieten. Und seit neustem haben sie sogar Wahlmöglichkeiten, was die Größe des Saals und damit des Mietpreises anbetrifft. Die Schanz-Macher haben die angrenzende aber leer stehende ehemalige Motorradwerkstatt übernommen und zu einem Kolleg ausgebaut. Dort laden nun gemütliche 60 Quadratmeter ein, ein kleines Fest zu feiern. Anfragen richten an: service(at)schanz-online.de.

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