Okay, Bruce Springsteen feiert heute seinen 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, lieber Boss. Schon am Freitag rauscht aber der nächste wichtige, für die Hessen-Rockt-Gemeinschaft vielleicht sogar noch wichtigere Jahrestag herbei: Die Alte Piesel wird 15. Die Geburtsfeier fällt standesgemäß aus. Club-Eigner Michael Kling hat die britischen Bluesrock-Legenden von Ten Years After verpflichtet.
Michael Kling wollte die Blueser von Ten Years After schon zum zehnten Geburtstag einladen. Die Woodstock-Veteranen, obschon mehr als 40 Jahre im Geschäft, seien nie alt geworden, findet Kling. „Sie kommen frisch und unverkrampft daher.“ Beim ersten Versuch ist sein Vorstoß noch gescheitert. Aber „in diesem Geschäft läuft man sich immer zweimal über den Weg.“ Kling kennt die Szene genau, er organisiert schon seit zwanzig Jahren Konzerte. Und als Ten Years After ihr Deutschland-Management wechselten, hat er seine Kontakte spielen lassen und die Gruppe für den 15. Geburtstag an den Haken bekommen.
Wobei die Marke 15 als Jahrestag natürlich reichlich untertrieben ist. Die Alte Piesel blickt auf eine lange Geschichte zurück. In der Thurn- und Taxis-Zeit, den Anfangstagen der Postbeförderung Mitte des 18. Jahrhunderts, war sie eine Poststation. Hier konnten müde Reiter ihre ebenso erschöpften Pferde wechseln. „Fulda und Prag waren große und mächtige Fürstentümer“, erzählt Kling, was einen intensiven Schriftverkehr zwischen den Herrschern mit sich gebracht habe.
Auf alten Gäulen zur Audienz
Weil die Postboten aber nicht völlig abgekämpft erscheinen wollten, wechselten sie in Künzell-Dirlos ihre Rösser aus. In der Poststation, der Alten Piesel. Dabei erhielten sie aber nicht immer die neuste Ware. Manch cleverer Landwirt drehte den Boten seinen alten Gaul, seine alte Pesel an. „So kam die Station zu ihrem Namen“, vermutet Kling.
Erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandelte sich die Piesel zum Live-Club. Damals traten Stars wie die Spider Murphy Gang oder die Münchner Freiheit auf. Mit den 80ern verschwand aber auch die Piesel wieder von der Clublandschaft. Im September 1994 haben Kling und ein Partner schließlich das Etablissement wieder belebt.
Leerstand zum Glück
Einen eigenen Club zu haben war Michael Klings größter Traum. Der Freiburger war Musikagent und Partymacher. „Ich habe schon immer nach einer guten Location gesucht.“ Dann hat ihn eines Tages ein Freund aus Fulda auf die Piesel aufmerksam gemacht. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Wahnsinn, so was steht leer?“, hat Kling ausgerufen und sich mit besagtem Freund sofort ans Werk gemacht.
15 Jahre später freuen sich Kling und sein Team nun auf ein Geburtstagsständchen überbracht von Ten Years After. Tickets kosten im Vorverkauf 24 Euro. Die Piesel hat für alle Kurzentschlossenen eine Hotline eingerichtet. Dort können die Karten unter der Telefonnummer (0661) 3 79 35 zum VVK-Preis bestellt und bis 20 Uhr am Veranstaltungstag abgeholt werden. An der Abendkasse kosten Tickets dann 30 Euro.

Kommentiere diesen Artikel















